106.000 Steine sind ein Dom

Die Erhaltung von Österreichs größtem Gotteshaus ist eine Lebensaufgabe

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Gerhard Fraundorfer leitet die Dombauhütte am Mariendom. © Röbl

Von Andreas Röbl

LINZ — Der ehrwürdige Linzer Dom und eine bekannte Baumarkt-Kette haben zwar nur wenig Gemeinsamkeiten, teilen sich aber, zumindest was bauliche Angelegenheiten betrifft, ein Motto: „Es gibt immer was zu tun.“ Im Fall des Gotteshauses ist dafür vor allem die Dombauhütte zuständig. Jahraus, jahrein kümmern sich Leiter Gerhard Fraundorfer und drei Steinmetze darum, Österreichs größte Kirche in Schuss und die Wartungsarbeiten in Grenzen zu halten.

Eine wahre Lebensaufgabe. Der Dom besteht aus 106.000 Steinen — die größten bis zu zwei Tonnen schwer, die leichtesten, filigranen Ziersteine wiegen nur wenige Dekagramm. Sie alle sind einem gemeinsamen Feind ausgesetzt – der Witterung: „Der Wechsel von Frost und Hitze setzt den Steinen zu“, so Dombaumeister Wolfgang Schaffer im VOLKSBLATT-Gespräch. Wenn er den Dom als „Dauerbaustelle“ bezeichnet, dann ist dies keineswegs despektierlich gemeint, sondern eine rein pragmatische Feststellung.

Das nächste Großprojekt steht schon vor der Tür

Seit 2005 trägt der Architekt die technische Verantwortung für die Instandhaltung des Mariendoms. Dazu wurden auch rund 2800 noch vorhandene Originalpläne des Doms vollständig digitalisiert. Ziel aller Maßnahmen ist es, der Nachwelt möglichst viel Originalsubstanz zu bewahren. Dabei kommen auch moderne technologische Verfahren zum Einsatz. Risse in den Steinbauteilen werden mit Spezialmörtel verschlossen, schädliche Krusten auf den Steinen mittels Niederdruckstrahlverfahren schonend entfernt. Die Füllung von Hohlräumen hinter der erhaltenen Steinoberfläche mit Mikromörteln kann diese für viele Jahre erhalten helfen, die Verklebung von Rissen macht Steine wieder statisch belastbar und verhindert das Eindringen von Wasser. Steinteile, die wegen ihres schlechten Zustandes nicht mehr erhalten werden können, werden von den Steinmetzen in bildhauerischer Arbeit bis zur Farbretuschierung rekonstruiert. Wie bereits erwähnt, geht diese Arbeit nie aus. Das nächste Großprojekt steht bereits vor der Tür. Wie sich bei der letzten Befundung gezeigt hat, muss die Turmspitze saniert werden. In Summe kommen in den nächsten Jahren ca. 13 Millionen Euro Investitions- und Erhaltungskosten auf die Diözese zu. Das ist mehr, als diese stemmen kann. Die Fugen müssen ab einer Höhe von 65 Metern restauriert werden, Steinteile und Figurenelemente werden erneuert, auch am Turmkreuz müssen Teile restauriert werden. Zusätzlich fallen in den nächsten zehn Jahren weitere Maßnahmen an, wie die Restaurierung der Gemäldefenster. Ein Großteil wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt. Die Hälfte davon ist bereits einmal saniert worden, die andere Hälfte kommt jetzt dran. Das ist das zweite Großprojekt und weitere werden folgen.

Dem VOLKSBLATT wird ein Zahlschein beigelegt

Wer einen finanziellen Beitrag zur Erhaltung von Österreichs größter Kirche leisten möchte, hat dazu viele Gelegenheit. Eine davon ist die Verwendung eines Zahlscheins, der dem VOLKSBLATT am 25. Mai beigelegt ist.