11.500 Anzeigen wegen Gewalt an Kindern und Jugendlichen

Kinderschutzgruppen wie jene am LKH Rohrbach sind erste Anlaufstellen, wenn ein Verdacht auf Misshandlung oder Missbrauch besteht

ROHRBACH – Jährlich werden in Österreich etwa 11.500 strafbare Handlungen an Kindern und Jugendlichen angezeigt. Experten gehen von einer viel höheren Dunkelziffer aus. Österreichweit wurden Kinderschutzgruppen eingerichtet, so auch am Krankenhaus Rohrbach. Sie sollen körperliche aber auch seelische Misshandlungen von Kindern frühzeitig erkennen und sensibilisieren. Die Kinderschutzgruppe ist im Verdachtsfall erste Anlaufstelle – auch für rat- suchende Ärzte, Betreuer aus Kindergärten, Schulen und ähnlichen Einrichtungen.

Gewalt gegen Kinder hat sehr viele Ausprägungen, die nicht immer deutlich wahrgenommen werden können. Mit jeder Tat geht auch eine seelische Verletzung einher, deren Folgen ebenso weitreichend sind, wie jene, die dem Körper des Kindes zugefügt werden. „Die Kinderschutzgruppe des LKH Rohrbach, bestehend aus einem Team aus Kinderfachärzten, Unfallchirurgen, Gynäkologen, klinischen Psychologen, Sozialarbeiterin und Kinderkrankenpflegerinnen, wird dann aktiv, wenn ein Verdacht auf körperliche oder seelische Misshandlung, Vernachlässigung oder sexuellen Missbrauch eines Kindes besteht“, sagt Oberärztin Pia Neundlinger, Leiterin der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde.

Kommt es zu einem Verdacht auf Misshandlung, melden die behandelnden Ärzte das der Kinderschutzgruppe. Da jedes Kind und dessen Geschichte sowie die Form und Ausprägung der Gewalteinwirkung sehr verschieden sind, ist ein individuelles Vorgehen von Nöten. Wohl und Sicherheit der kleinen Patienten stehen immer im Vordergrund. Die Mitglieder der Kinderschutzgruppe nehmen sich viel Zeit, vorhandene Befunde und die individuelle Vorgeschichte des Kindes zu erörtern, bevor sie Empfehlungen zum weiteren Vorgehen abgeben.

Nicht wegsehen, sondern aktiv werden

In vielen Fällen ist die Hemmschwelle, einen Verdacht auf Kindesmisshandlung zu melden, sehr groß. Die Angst vor unbegründeter Einmischung lässt viele lange schweigen. Die Kinderschutzgruppen sind daher auch eine wichtige Anlaufstelle für Angehörige oder Personen, die in Kindergärten oder Schulen beschäftigt sind. „Einen Verdacht zu äußern ist eine unangenehme und oft heikle Angelegenheit“, weiß die Expertin, „dennoch ist es zum Wohl des Kindes wichtig, nicht wegzusehen und sich Rat und Information zu holen.“