Stephen King: Der Outsider

Stephen King wird mit seinem neuen Buch „Der Outsider“ keinen Fan enttäuschen. Auch wenn der Meister des literarischen Grauens aus hauptsächlich bewährten Zutaten eine Geschichte im Grenzbereich zwischen Crime und Horror erzählt, ist diese trotzdem höchst unterhaltsam. Subtile Anmerkungen zum Amerika der Gegenwart würzen die Story um alternative Fakten und das Böse. Ein Lehrer und Baseballtrainer wird verhaftet. Man wirft ihm einen grauenhaften Kindsmord vor. Die Beweise sind eindeutig: Es gibt passende Fingerabdrücke, DNA-Spuren und Zeugenaussagen, die den Verdächtigen im Bereich des Tatorts zur Tatzeit gesehen haben — ja sogar mit dem späteren Opfer. Aber dann stehen die Ermittler vor einem Problem: Ihr Täter hat ein absolut wasserdichtes Alibi und war zur besagten Zeit weit verreist. Schnell überschlagen sich die Ereignisse. Mit dem Auftauchen der Privatermittlerin Holly Gibney kippt der Roman ins Mystery-Fach. King versteht es dabei, völlig unreale Situationen real erscheinen zu lassen und setzt einmal mehr auf Suspense und permanente Cliffhanger. Ebenso meisterlich inszeniert er (einmal mehr) das Grauen in einer Kleinstadt. Bei aller Unterhaltung führt King aber auch das Leid von Opferfamilien vor Augen — und die unreflektierten Reaktionen des Mobs. „Der Outsider“ ist ebenso Sittenbild wie höllischer Ritt.

WH

bezahlte Anzeige

Stephen King: Der Outsider. Heyne, 752 Seiten, 26,80 Euro