20 Endrunden, aber nur acht Weltmeister

Die WM-Geschichte: Vom ersten Champion Uruguay (1930) über Rekord-Titelträger Brasilien bis zum Triumph Deutschlands 2014

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Über den fünften und bisher letzten Titel durfte Rekord-Weltmeister Brasilien 2002 bei der Endrunde in Japan und Südkorea jubeln, im Finale bezwangen Ronaldo und Co. (oben) Deutschland mit 2:0. Vier Jahre später bei der Endrunde in Deutschland eroberte Italien um Kapitän Fabio Cannavaro (rechtes Bild) seinen vierten WM-Sieg.Der bis dato letzte Weltmeister: Vor vier Jahren bei der Endrunde in Brasilien setzte sich Deutschland um Kapitän Philipp Lahm in Rio mit einem 1:0-Sieg nach Verlängerung über Argentinien die Krone auf.
Über den fünften und bisher letzten Titel durfte Rekord-Weltmeister Brasilien 2002 bei der Endrunde in Japan und Südkorea jubeln. © AFP/Huguen

Von Roland Korntner

Die am Donnerstag beginnende Fußball-WM ist die 21. in der Geschichte. Bevor in Russland neben dem Rubel auch das runde Leder rollt, wirft das VOLKSBLATT einen Blick auf die ersten 20 Endrunden mit nur acht verschiedenen Weltmeistern.

Es begann 1930 in Uruguay, wo sich die Gastgeber durch ein 4:2 gegen Argentinien zum allerersten Champion krönten. Allerdings in einem kleinen Kreis von gerade einmal 13 Teams. Aus Europa waren nur Belgien, Jugoslawien, Rumänien und Frankreich angereist, die anderen — darunter auch Österreich — verzichteten wegen der Beschwerlichkeit der Anreise (per Schiff) und aus Kostengründen auf die Teilnahmen.

 Österreich Vierter

Aus Enttäuschung darüber blieben die „Urus“ als Titelverteidiger dem darauf folgenden Turnier 1934 in Italien fern. Die Gastgeber mussten auf Druck von Diktator Benito Mussolini triumphieren. Das taten sie auch, kräftig unterstützt von dubiosen Schiedsrichterentscheidungen im Viertelfinale gegen Spanien (1:0), Halbfinale gegen Österreich (1:0) und Endspiel gegen die Tschechoslowakei (2:1), Österreich verlor (ohne den gegen Italien verletzt ausgeschiedenen Matthias Sindelar) das Spiel um Platz drei gegen Deutschland 2:3.

Erste Titelverteidigung

Die Squadra Azzurra konnte ihren Titel vier Jahre später in Frankreich erfolgreich verteidigen, im Finale wurde Ungarn mit 4:2 bezwungen. Österreich hatte sich zwar qualifiziert, ging aber wenige Monate vor der Endrunde 1938 im Deutschen Reich auf und musste auf seinen Startplatz (Achtelfinale gegen Schweden) verzichten. Das mit Österreichern verstärkte Team Deutschlands galt als Mitfavorit, scheiterte aber schon im Achtelfinale an der Schweiz.

WM ohne Finale

In Brasilien gab es 1950 zum einzigen Mal kein echtes Endspiel, sondern eine Entscheidung in der finalen Vierergruppe, in der Uruguay durch ein 2:1 im letzten Spiel gegen den Gastgeber die Nase vorne hatte. Brasilien hätte schon ein Remis zum Titel gereicht. Deutschland war nach dem 2. Weltkrieg geächtet und deshalb von der Teilnahme ausgeschlossen, Österreich zog seine Mannschaft noch vor der Qualifikation wieder zurück.

Das „Wunder von Bern“

Als „Das Wunder von Bern“ ging das Endspiel 1954 in die Geschichte ein, denn Deutschland setzte sich gegen den Favoriten Ungarn, gegen den sie in der Vorrunde noch 3:8 untergegangen waren, sensationell mit 3:2 durch.

Österreich Dritter

Im Halbfinale hatte Deutschland Österreich mit 6:1 eliminiert, die ÖFB-Auswahl war vom 7:5-Viertelfinalsieg in einer Hitzeschlacht gegen die Schweiz gezeichnet und vergab zudem viele Möglichkeiten. Immerhin gab es im Spiel um Platz drei ein 3:1 gegen den noch regierenden Weltmeister Uruguay, der größte WM-Erfolg der Geschichte war perfekt.

Pelés Stern ging auf

In Schweden 1958 eroberten dann die Brasilianer ihren ersten von bisher fünf WM-Titeln, daran konnten auch bis heute unerreichte 13 Turniertore des Franzosen Just Fontaine nichts ändern. Damals ging auch der Stern des großen Pelé (17) auf. Er führte die die „Selecao“ auch 1962 in Chile zum Triumph.

Das Wembley-Tor

Begünstigt auch durch das „Wembley-Tor“ von Geoff Hurst — zum 3:2 in der 101. Minute — setzte sich England im Finale 1966 gegen Deutschland mit einem 4:2 n.V. zum einzigen Mal die „Krone“ auf. Bis heute dauern die Diskussionen, ob der Ball die Linie überschritten hatte, oder nicht, an.

Superstar Pelé durfte bei der Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko so wie Brasilien über seinen dritten Titel jubeln. Im Finale hatten die Südamerikaner beim 4:1 (1:1) gegen Italien in Hälfte zwei leichtes Spiel, da die Squadra vom sogenannten Jahrhundert- Match — dem 4:3 n.V. im Halbfinale gegen Deutschland — entkräftet war. Damit ging auch der Wanderpokal fix in brasilianischen Besitz über, er wurde dem nationalen Verband 1983 aber gestohlen und laut Ermittlungsergebnissen eingeschmolzen. Deshalb gibt es nur noch eine Kopie.

Titel nach 0:1 gegen DDR

Bei der Heim-Weltmeisterschaft 1974 verlor zwar die BRD den einzigen Bruderkampf gegen die DDR mit 0:1 (Torschütze Jürgen Sparwasser), holte sich aber glücklich den Titel. Und zwar durch ein 2:1 im Endspiel gegen die Niederlande mit dem überragenden Johan Cruyff. Doch Oranje starb, wie es so schön heißt, in Schönheit, war zu wenig effektiv und konsequent.

Happel WM-Zweiter

Die Endrunde 1978 sollte dem späteren Österreich-Legionär Mario Kempes (Vienna, St. Pölten) die große Stunde schlagen. Mit sechs Toren, zwei davon im Endspiel, schoss „Super-Mario“ Argentinien in den WM-Himmel. Erneut mussten die Niederlande, trainiert von „Wödmasta“ Ernst Happel, mit Platz zwei vorlieb nehmen. Auch, weil Rob Rensenbrink kurz vor Schluss nur die Stange traf. Österreich war nach 20 Jahren, nach dem Out in der Vorrunde (ein Punkt aus drei Spielen) in Schweden, erstmals wieder mit von der Partie. Nach dem legendären 3:2 gegen Deutschland in Cordoba wurde es schließlich Rang sieben.

Schande von Gijon

Der Nichtangriffspakt zwischen Österreich und Deutschland (0:1) in Gijon, der beide Teams in die Zwischenrunde hievte, sorgte für Empörung — nicht nur im Lager der hilflos auf der Strecke gebliebenen Algerier. Österreich wurde 1982 schließlich Achter, seitdem finden die letzten Gruppenspiele immer gleichzeitig statt.

Die Italiener holten mit Goalie-Oldie Dino Zoff den dritten WM-Titel. Nach Siegen über Argentinien, Brasilien, Polen und Deutschland. In der Vorrunde waren sie (gegen Polen, Peru, und Kamerun) noch sieglos geblieben.

„Die Hand Gottes“

Der überragende Diego Armando Maradona ermöglichte den Argentiniern 1986 in Mexiko den zweiten Streich. Unvergessen ist freilich weniger das Finale (3:2 gegen Deutschland), sondern das Viertelfinale gegen England, als Maradona nicht nur ein Traum-Solo über das halbe Feld hinlegte, sondern auch noch mit „der Hand Gottes“ zuschlug

Beckenbauers Premiere

Franz Beckenbauer war 1990 der Erste, der als Teamchef den Pokal holte, nachdem er schon als Spieler triumphiert hatte. Mit einem 1:0 Deutschlands im Finale von Rom gegen Argentinien. Ein spätes und umstrittenes Elfmeter-Tor von Andreas Brehme führte zur Entscheidung.

1994 waren die Vereinigten Staaten von Amerika erstmals Gastgeber, ein glanz- und torloses Finale in Pasadena mündete ins Penaltyschießen, in dem die Brasilianer um Romario gegen Italien (mit Roberto Baggio) die besseren Nerven hatten.

Der Spieß zu Gunsten Europas drehte sich 1998 wieder um. Gastgeber Frankreich demontierte mit dem überragenden Zinedine Zidane Brasilien sowie einem völlig indisponierten Ronaldo mit 3:0. Bis heute ranken sich Gerüchte um den Gesundheitszustand des Brasilianers, einen möglichen Zusammenbruch in der Nacht vor dem Endspiel sowie die Intervention von Nike, dass der Superstar spielen müsse.

Out in der Vorrunde

Österreich war 1998 zum siebenten und bis heute letzten Mal bei einer WM vertreten, doch wie auch 1990 in Italien musste das ÖFB-Team die Heimreise nach der Vorrunde antreten. Erst war ein 2:1-Sieg gegen die USA (nach zwei 0:1-Niederlagen gegen Gastgeber Italien und die Tschechoslowakei) zu wenig. Acht Jahre später reichten zwei 1:1-Remis (gegen Kamerun und Chile) nicht, weil das abschließende Gruppenmatch gegen Italien mit 1:2 verloren wurde. Andi Herzogs Anschlusstreffer per Elfmeter (90.), Österreichs bisher letztes WM-Tor, kam zu spät.

Ronaldos Antwort

Die WM-Endrunde 2002 fand erstmals in zwei Ländern statt. Japan und die verblüffend starken Südkoreaner, die letztlich auf Rang vier landeten, tischten ein gelungenes Turnier auf. Nach der Schmach von Paris lief Brasiliens Stürmerstar Ronaldo zu Hochform auf und schenkte den Deutschen im Endspiel beim 2:0 einen „Doppelpack“ ein. Pikant: Ausgerechnet dem im Turnierverlauf überragenden Keeper Oliver Kahn und damit dem Hauptgrund für den deutschen Finaleinzug passierte vor dem 0:1 ein folgenschwerer Fehler.

Das „Sommermärchen“

Die WM 2006 in wurde zum ungekrönten „Sommermärchen“ der vom unermüdlichen Jürgen Klinsmann angeführten Gastgeber. Für Deutschland wurde der damalige Angstgegner und spätere Champion Italien im Semifinale zum Stolperstein. Die Squadra setzte sich schließlich im Endspiel gegen Frankreich im Elferschießen durch, in welchem Zinedine Zidane aufgrund seines Kopfstoßes gegen Marco Materazzi nicht mehr mitwirken konnte.

Spanische Fiesta

Beim WM-Debüt auf dem schwarzen Kontinent anno 2010 in Südafrika führte kein Weg an Topfavorit Spanien (davor und danach auch Europameister) vorbei, Andres Iniesta entschied das (von extremer Härte geprägte) Finale gegen Holland in der 116. Minute. Für die Niederländer bereits die dritte Finalniederlage.

Historisches Halbfinale

Die bisher letzte WM-Endrunde 2014 bescherte Deutschland den vierten Titel, im Finale wurde Argentinien durch einen Treffer von Mario Götze (114.) niedergerungen. Stärker in Erinnerung blieb aber das historische 7:1 im Halbfinale gegen Gastgeber Brasilien, der im Tal der Tränen versank.

Blick in die Zukunft

Das Titelrennen 2022 geht (höchst umstritten) in Katar über die Bühne, die WM 2026 wurde heute in Moskau vergeben. An Marokko oder Favorit USA/Kanada/Mexiko mit dann 48 Teams.