20 Jahre „Hilfe für die Seele“

Rotkreuz-Krisenintervention begleitet Betroffene nach Schicksalsschlägen

V. l.: Präsident Aichinger, KI-Helferin Ebner und der stv. Landesgeschäftsleiter Thomas Märzinger © OÖRK/Hartl

Ein Todesfall in der Familie, ein traumatisierender Überfall oder der Verlust des eigenen Zuhauses durch einen Brand: In solchen Fällen sind die Mitarbeiter der Rotkreuz-Krisenintervention (KI) im Einsatz, um Betroffenen in den ersten drei, vier Stunden zu helfen. Vor 20 Jahren aus der Taufe gehoben, gibt es heute fast 300 Krisenhelfer, verteilt auf alle oö. Bezirke. Bei 839 Einsätzen wurden im Vorjahr 4670 Personen betreut.

Ein Flugzeugabsturz einer Swiss-Air-Maschine in New York 1998 war es, der den damaligen Landesrat für Katastophenschutz und OÖRK-Vizepräsidenten Walter Aichinger auf die Idee der Hilfe für Hinterbliebene brachte. „Damals waren die Angehörigen am Züricher Flughafen von einem Team aus Geistlichen und Psychologen betreut worden“, so Aichinger, heute Rotkreuz-Präsident. Als erster Landesverband begann Oberösterreich mit der Ausbildung.

Kurz nach der Geburtsstunde gab es 1999 beim Lawinenabgang von Galtür gleich die Nagelprobe, im Jahr darauf mit dem Standsteilbahn-Unglück von Kaprun den größten Einsatz. Damals waren auch zahlreiche Welser Familien betroffen. Und auch beim Hochwasser 2002 waren die Helfer vor Ort.

Vorwiegend sind es aber Einzelschicksale — ein Selbstmord, ein tödlicher Unfall oder ein sonstiger überraschender Todesfall, zu dem die Helfer ausrücken.

„Menschen wieder eine Perspektive geben“

So wie Ilse Ebner aus Traun. „Nach solchen Ereignissen sind die Menschen fassungslos und verzweifelt“, sagt die 62-jährige, langjährige KI-Mitarbeiterin. „Wir helfen ihnen, bei der Realisierung der Geschehnisse und versuchen, ihnen wieder eine Perspektive zu geben, damit später keine posttraumatischen Belastungen entstehen.“ Die Betroffenen werden aber auch begleitet, etwa zu Zeugenaussagen oder der Identifizierung. Außerdem kümmert sich das KIT im Bedarfsfall um verwaiste Haustiere.

Aktuell rücken die KI-Teams zwei- bis dreimal täglich aus. Für die Zukunft hoffen die Helfer, „dass wir so wenig wie möglich gebraucht werden“, betont Aichinger.

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