20 Jahre Lassing: „Drei Wochen Horror in Zeitlupe“

Grubenunglück immer noch präsent — Damaliger Vizebürgermeister und heutiger Ortschef: „Wir hoffen auf eine Art Schlussstrich“

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Die Luftaufnahme zeigt den eingestürzten Bergwerkstollen in Lassing. Bei dem Gruben- unglück wurden elf Menschen verschüttet.
Die Luftaufnahme zeigt den eingestürzten Bergwerkstollen in Lassing. Bei dem Gruben- unglück wurden elf Menschen verschüttet. © APA/Techt

LASSING — Das Grubenunglück von Lassing mit zehn toten Kumpeln jährt sich am 17. Juli zum 20. Mal. Für den Bürgermeister von Lassing, Fritz Stangl (ÖVP), der zum Zeitpunkt des Unglücks Vizebürgermeister der kleinen obersteirischen Ortschaft gewesen ist, waren die Ereignisse um das Grubenunglück „drei Wochen Horror in Zeitlupe“.

Als Bürgermeister ist Stangl besonders vor Jahrestagen den Umgang mit Journalisten gewöhnt. In den vergangenen Monaten war wieder ein Kamerateam in der Gemeinde unterwegs: Die Dokumentation soll am 16. Juli in ORF III gesendet werden. Stangl hofft, dass damit endlich Ruhe einkehrt, obwohl er dieser Hoffnung schon oft in Interviews Ausdruck verliehen hat. „Wir haben uns Gott sei Dank als Gesellschaft und vom wirtschaftlichen Teil her erholt. Mit Blick zurück auf die Tragik haben wir Mut für die Zukunft gefunden“, resümierte er.

„Hoffe, dass man dann in Ruhe gelassen wird“

Nicht alle im Ort wollten für die Dokumentation vor die Kamera. „Mein Wunsch wäre, dass das eine Art Schlussstrich ist. Ich hoffe schon, dass man dann in Ruhe gelassen wird“, so Stangl.

Am 17. Juli 1998 hatte das Grubenunglück die Gemeinde Lassing und das ganze Land erschüttert. Zehn Männer, die auf der Suche nach dem verschütteten Kumpel Georg Hainzl in das Talkumbergwerk eingefahren waren, wurden ebenfalls verschüttet. Während Hainzl nach neun Tagen gerettet werden konnte, erfüllten sich die Hoffnungen für die anderen Verschütteten nicht – am 17. August wurde der Rettungseinsatz eingestellt.

Die gerichtliche Aufarbeitung der Katastrophe fand von Jänner bis Juni 2000 in Leoben statt. An 20 Verhandlungstagen mussten sich fünf Beschuldigte wegen fahrlässiger Gemeingefährdung verantworten. Sehr emotional verliefen dabei die Aussagen der Angehörigen der Toten. Übrig blieben nach Ausschöpfung aller Rechtsmittel drei Schuld- und zwei Freisprüche.