200. Sieg war kein Grund zum Abheben

Beim 2:0-Erfolg über Schweden tankte Österreich Selbstvertrauen für die Nations League, trotzdem herrscht noch Luft nach oben

Sein vierter Treffer im fünften Spiel gegen Schweden war David Alaba einen Luftsprung wert, danach gab sich der Bayern-Legionär wieder bodenständig.
Sein vierter Treffer im fünften Spiel gegen Schweden war David Alaba einen Luftsprung wert, danach gab sich der Bayern-Legionär wieder bodenständig. © APA/Punz

Von Christoph Gaigg

Es hat schon intensivere Duelle mit den Schweden gegeben. Auch in der jüngeren Vergangenheit, man erinnere sich nur an die Begegnungen in der EM-Quali 2014/15 oder in der WM-Quali 2012/13, davor auch 1996/97. Das 2:0 im ersten Länderspiel in Favoriten vor nur 11.100 Fans wird aber lediglich wegen des 200. ÖFB-Heimsieges in die Geschichte eingehen. Auch wenn im Lager der Österreicher nach dem hochverdienten sechsten Erfolg im siebenten Spiel unter Teamchef Franco Foda Zufriedenheit herrschte, wies die Partie doch mehr den im Vorfeld nicht erwünschten Charakter eines Freundschaftsspiels auf.

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Positive Erkenntnisse

Defensive: Zwei Weitschüsse waren alles, was die Schweden in der Offensive fabrizierten. Das lag zum einen an ihrer eigenen Harmlosigkeit, zum anderen am kompakten, disziplinierten Spiel gegen den Ball der Österreicher. „Das war auch in den vorigen Spielen so, dass wir als gesamte Mannschaft gut verteidigen“, sagte Heinz Lindner.

Torhüter: Apropos Lindner: Zweimal war er gefordert, zweimal reagierte der Oberösterreicher glänzend. Er wird auch in Bosnien im Tor stehen. „Es war wichtig fürs Selbstvertrauen, dass wir zu Null gespielt haben.“

Linke Seite: Mit dem Duo Alaba/Arnautovic hat man im praktizierten 3-4-3-System eine echte Waffe. Die beiden Freunde harmonierten auch am Platz prächtig, der Bayern-Legionär avancierte mit einem Tor und einer Vorlage zum Matchwinner. Für Alaba war es der vierte Treffer im fünften Spiel gegen Schweden.

Zweite Hälfte: Anders als vor der Pause agierten die ÖFB-Kicker mit mehr Tempo und Nachdruck, kamen so auch zu Chancen. „In der zweiten Halbzeit haben wir es viel besser gemacht“, sagte Foda.

Bank: Ob Sabitzer, Ulmer, Gregoritsch, Dragovic, Lazaro oder Schlager: Alle sechs Wechselspieler verfügen über große Qualität. Mit Schaub, Wimmer oder Kainz kamen andere Legionäre gar nicht zum Einsatz. „Es tut mir im Herzen weh, dass ich sie nicht alle bringen kann“, so Foda.

Negative Erkenntnisse

Erste Halbzeit: Trotz der frühen Führung gab es viel Leerlauf, das Spiel passte sich der dürftigen Atmosphäre an. „Wir haben zu langsam gespielt und haben uns zwischen den Linien zu wenig bewegt“, monierte der Teamchef, der die Pause nutzte, um den Spielern dieses Fehlverhalten in Videosequenzen aufzuzeigen.

Chancenauswertung: Nach dem Seitenwechsel hatten die Österreicher weitere Treffer am Fuß, gingen aber zu leichtfertig mit den Chancen um. Das kann sich gegen andere Gegner rächen. „Wir hätten höher gewinnen können“, meinte Arnautovic.

Aussagekraft: Der mit einer B-Elf angetretene Gegner war für die Nations League kein Gradmesser. „Bei den Schweden haben alle Riesenqualität“, wehrte sich Foda. Die zeigten die Skandinavier nicht, was auch, aber sicher nicht nur am ÖFB-Team lag. „Wir haben noch Luft nach oben“, bestätigte Alaba.

Fan-Unterstützung: Die war bei Weitem nicht länderspieltauglich. „Enttäuschend“, nannte auch Foda die Kulisse.