Das war 2021: Corona

Ein weiteres Jahr im Zeichen des Virus Besondere Ereignisse sollen die Brisanz der Pandemie für Österreich herausstreichen

Ab 1. Jänner: Corona-bedingte Lockdowns begleiten die Menschen in Österreich schon ab Jahresbeginn. Erst im Februar kommt es zu Öffnungsschritten, als Schulen, Handel, körpernahe Dienstleister wie Friseure und Freizeiteinrichtungen wieder aufsperren. Nach einer so genannten Osterruhe im Osten, die mehrere Wochen etliche Einschränkungen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland bringt, gibt es am 19. Mai mit der Gastronomie und der Hotellerie den größten Öffnungsschritt. Damit einher geht das Debüt von 3G, was heißt, dass man für viele Vergnügungen geimpft, genesen oder getestet sein muss. Mit Juli kann auch die Nachtgastronomie nach über einem Jahr Pause wieder genutzt werden.

Wien fährt vorsichtigen Kurs

Wien fährt über den Sommer einen vorsichtigeren Kurs als der Rest des Bundesgebiets und kann so im Herbst die Infektionszahlen niedriger halten. Der Bund ist eher locker unterwegs und verhängt etwa eine Maskenpflicht im nicht alltagsnotwendigen Handel nur für Ungeimpfte. Angesichts eines drastischen Anstiegs der Fallzahlen entschließt man sich dann aber doch mit 8. November dazu, für weite Lebensbereiche eine Impfung oder Genesung zur Eintrittsvoraussetzung zu machen. Nach einem kurzen Lockdown für Ungeimpfte wird dieser am 23. November auf die gesamte Bevölkerung ausgedehnt.

Corona-Impfung als Politikum

Die Corona-Impfung wird in Österreich rasch zum Politikum. Etliche Landespolitiker, am prominentesten der Feldkircher Bürgermeister Wolfgang Matt (ÖVP), sehen sich dem Vorwurf ausgesetzt, sich bei der Immunisierung vorgedrängt zu haben. Seinen Posten räumen muss Impfkoordinator Clemens Martin Auer, nachdem er wegen vermeintlich zu geringer Bestellung von Impfstoffen, obwohl er 31 Mio. Dosen geordert hatte, in die Kritik geraten war. Angesichts rapide steigender Fallzahlen im November wird seitens der Regierung für Februar 2022 eine Impfpflicht angekündigt.

Mehrere Spitzenpolitiker erkranken schwer an Corona. Am schlimmsten erwischt es den oö. Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner (FPÖ), der im März auf der Intensivstation erfolgreich um sein Leben kämpft. Die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) muss nach ihrer Infektion eine mehrwöchige Rehabilitation absolvieren.

Omikron-Variante „besorgniserregend

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft am 26. November die neue Corona-Variante B.1.1.529 als „besorgniserregend“ ein. Diese Klassifizierung ist laut WHO-Definition ein Signal, dass eine Variante ansteckender ist oder zu schwereren Krankheitsverläufen führt. Außerdem besteht bei „besorgniserregenden Varianten“ die Gefahr, dass herkömmliche Impfungen, Medikamente oder Corona-Maßnahmen weniger wirksam sind. Zahlreiche Länder erlassen aus Angst vor der Omikron genannten Variante Einreisebeschränkungen für das südliche Afrika, doch bereits kurz darauf werden zahlreiche Krankheitsfälle in verschiedenen europäischen Staaten bekannt.


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Foto: APA/Wieser

Ab 1. Jänner: Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie werden das ganze Jahr über mit Demonstrationen bekämpft, die auch von bekannten Rechtsradikalen und der Esoterik-Szene eifrig besucht werden. Speziell zwei von den Freiheitlichen organisierte Kundgebungen erfreuen sich großen Zulaufs, wobei am 21. November je nach Angaben zwischen 40.000 und 100.000 Menschen in der Wiener Innenstadt zusammenkommen. Aber es gibt auch positive Zeichen, wie das „Lichtermeer” im Gedenken an die Verstorbenen und zum Dank an das Gesundheitspersonal am Sonntag, dem 19. Dezember in Wien.


 

Foto: APA/EXPA/JFK

Mit der steigenden Verfügbarkeit der Impfstoffe in Österreich erreicht die Immunisierungskampagne am 2. Juni mit mehr als 144.000 Stichen an einem Tag ihren Höhepunkt. Nach spätestens mit 19. Mai im ganzen Land gefallenen Beschränkungen und nur zweistelligen Neuinfektionszahlen pro Tag Ende Juni sinkt die Impfbereitschaft und die Impfrate stagniert über den Sommer lange bei rund 60 Prozent.

 


 

70 Prozent geimpft?

Laut Ursula von der Leyen sollten bis zum Sommer 70 Prozent der erwachsenen Unions-Bevölkerung geimpft sein. Foto: AFP/Mayo

Zu Jahresbeginn gibt EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen die Devise aus, bis zum Sommer 70 Prozent der erwachsenen Unions-Bevölkerung geimpft zu haben. Dieses Ziel ist auch zu Winterbeginn noch nicht erreicht.

November waren es 67 Prozent

Gegen Ende November haben 67 Prozent ihren zweiten Stich erhalten, in Österreich 64 Prozent. Unter dem Eindruck der anfangs nur spärlich verfügbaren Impfstoffmengen prangert Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) im März die Vakzine-Verteilung in der EU an, diese erfolge nicht nach dem vereinbarten Bevölkerungsschlüssel. Deutschland und andere Länder halten entgegen, dass nicht alle verfügbaren Dosen aufgekauft würden. Wurden im Zuge der Sommermonate mit ihren rückläufigen Infektionsraten Grenzschließungen und Einreiseverbote sukzessive aufgehoben und EU-weit der „Grüne Pass“ eingeführt, bringt das Einsetzen der kühleren Jahreszeit erwartungsgemäß wieder steigende Erkrankungszahlen. Deutschland erklärt Österreich wegen der hierzulande besonders stark gestiegenen Infektionszahlen Mitte November vorübergehend wieder zum Hochrisikogebiet und versetzt damit dem heimischen Tourismus einen neuen Dämpfer.


Über fünf Millionen Tote

22. April: Nach den schweren zweiten und dritten Wellen von Herbst 2020 bis Frühling 2021 wird die Marke von 10.000 Covid-Toten in Österreich erreicht. Am 1. November wird zudem weltweit die Zahl von fünf Millionen Covid-19-Toten überschritten.


Tourismus hart getroffen

Tourismus und Gastronomie trifft die Pandemie 2021 ganz besonders hart – Hotels, Pensionen und Restaurants sind monatelang geschlossen. Von Jänner bis Pfingsten sowie ab Mitte November herrscht Lockdown und somit behördliches Betretungsverbot für Private.


 

10.000 Fälle pro Tag

Ärzte demonstrieren wegen der hohen Arbeitsbelastung.
Foto: APA/Neubauer

10. November: Nach bereits seit Juli wachsenden Infektionszahlen werden mit einem sprunghaften Anstieg auf 11.398 Fälle erstmals mehr als 10.000 positive SARS-CoV-2-Tests innerhalb von 24 Stunden in Österreich gemeldet. Am 16. November richten die Salzburger Landeskliniken eine „Überlastungsanzeige” an die Politik, auch Spitälern in OÖ droht die Überlastung. Bereits seit einigen Wochen werden in Krankenhäusern mehrerer Bundesländer wie in früheren Wellen Operationen verschoben, ein weiterer bundesweiter Lockdown ab 22. November ist die Folge.


Durchmischte Bilanz

Die Corona-Pandemie mit Lockdowns und fehlenden Touristen trifft den Handel höchst unterschiedlich. Während Supermärkte, Drogerien und Online-Händler gute Umsätze machen, da sie auch im Lockdown offen haben, trifft es den Mode-, Schuh- und Schmuckhandel besonders hart. Über das Jahr glimpflich kommen Möbel- und Elektrohandel sowie Baumärkte davon, weil es im Frühjahr viele Nachziehkäufe nach dem Shutdown-Ende gibt. Die Umsätze mit Möbeln, Heimwerkerbedarf und Elektrowaren schnellen von Jänner bis September um real 5,1 Prozent nach oben. Der erneute Lockdown im November und Dezember lässt den Handel laut Schätzungen um einen Großteil des Weihnachtsgeschäfts umfallen.

 

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