39. Jazzfestival Saalfelden serviert alles außer Stillstand

Vieles lässt sich in diesen vier Tagen vernehmen, nur kein Stillstand: Lädt das Jazzfestival Saalfelden in bewährter Manier zum Stelldichein für instrumentale Könner und Anhänger einer wohldosierten Avantgarde, dann entstehen schon mal magische Momente. Heuer gibt es von 23. bis 26. August eine ganze Reihe an Highlights, die zwischen Alm und Kongress auch viel Ausdauer von den Besuchern verlangen.

Immerhin sind es mehr als drei Dutzend Konzerte, die der künstlerische Leiter Mario Steidl zusammengestellt hat. Wie üblich wird die Eröffnung auf der Hauptbühne Freitagabend von einem heimischen Act bestritten, im konkreten Fall von Ulrich Drechsler und seiner „Liminal Zone“. Der gebürtige Deutsche, der seit 20 Jahren in Wien lebt, hat sich ganz seinen Vorlieben für Klassik, Jazz und Electronic hingegeben und daraus ein vielgestaltiges Vorhaben gezimmert, das ihn und rund 15 Kollegen ausgehend von Saalfelden ein gutes Jahr begleiten wird.

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Ebenfalls am Freitag (24. August) ist das finnische Trio Virta zu erleben, das mit seinem Album „Hurmos“ eine spannende Reise entlang der Grenze von Postrock und Ambient hingelegt hat. In äußerst nachvollziehbaren Gefilden ist hingegen Gitarrenvirtuose Marc Ribot unterwegs, der seine im September erscheinende Platte „Songs of Resistance“ vorstellt und dem guten alten Widerstandssong zu neuem Glanz verhilft. Komplett von der Rolle scheinen hingegen die Freaks, jene von Violinist Theo Ceccaldis zusammengestellte Band, bei der der Franzose so ziemlich alles zulässt, was mit avantgardistisch oder zeitgenössisch umschrieben werden kann. Hauptsache, es knallt!

Da ist das Trio Aires bedeutend ruhiger unterwegs, sind die elegischen Stücke von Edouard Ferlet, Airelle Besson, Stephane Kereck doch eher einer Meditationsübung gleichzusetzen, die am Samstag im Kongress ansteht. Mit der selben Kopfzahl besinnen sich Schnellertollermeier aus der Schweiz hingegen auf Repetition, die ordentlich Kraft und Sogwirkung erzeugt – Minimalismus mit großem Effekt. Dezidiert politisch wird es im Anschluss bei Joe McPhees Formation A Pride Of Lions sowie Nicole Mitchell, die mit ihrem Album „Mandorla Awakening II“ Surreales nutzt, um gegenwärtige Entwicklungen an den Pranger zu stellen. Und schließlich darf der gefeierte britische Saxofonist Shabaka Hutchings mit der tollen heimischen Formation Shake Stew um Lukas Kranzelbinder gemeinsame Sache machen.

Neben dem Kongress, wo am Sonntag noch Kapazunder wie die lustvollen Kuhn Fu, das doppelte Trio von Tomas Fujiwara oder Erik Friedlanders poetische Klangreise „Artemisia“ zu hören sein werden, darf man aber auch das Kunsthaus Nexus nicht außer Acht lassen. Neben der bewährten Short-Cuts-Reihe mit u.a. Little Rosies Kindergarten (herrlich, wie es hier drunter und drüber geht) und Chamber 4, findet hier schließlich zum zweiten Mal die Gratis-Schiene Nexus+ statt, bei der so tolle Künstler wie Schmieds Puls (im Herbst mit neuem Album) oder RasgaRasga aufspielen werden und den Jazzbegriff noch mal deutlich in Richtung Pop ausdehnen.

Aber schließlich ist das Jazzfestival in Saalfelden dafür bekannt, für viele Geschmäcker etwas zu bieten. Das Kinderkonzert am Sonntag (26. August) wird von Christoph Pepe Auer und Manfred Temme bestritten, die City Stage lockt mit Worldmusic von Mokoomba, El Flecha Negra oder Malaka Hostel und auch in den Bergen klingt es. Auf Huggenberg, Vorderkühbühelhof und Stöcklalm spielen immerhin Fainschmitz, Dobrek Bistro und die Strottern. Neu sind heuer die City Tracks, für die Lisa Hofmaninger und Judith Schwarz kurzfristig die Buchhandlung Wirthmiller übernehmen und das Paier Valcic Quartett Abwechslungsreiches ins Museum Schloss Ritzen bringen. Es wird also wieder einiges vorgelegt, bevor im kommenden Jahr die 40. Jubiläumsausgabe des Festivals ansteht.