40 Jahre Klangwolke – 40 Jahre Ars Electronica Festival

Erinnern Sie sich, als die Linzer ihre Radios ins Fenster stellen sollten? Als Hubschrauber im Tiefflug über der Stadt kreisten? Feuerbälle über der Donau explodierten? Überdimensionale weiße Tierwesen durch die Stadt marschierten? Seit 40 Jahren lässt es Linz im September krachen, 1979 wurde die Idee der Klangwolke kreiert, seit 40 Jahren findet auch das Medienkunstfestival Ars Electronica statt.

2014 heiß es „Die Donau lebt“. © AEC/Tom Mesic

Künstliche Intelligenz malt, schreibt, baut, analysiert, erkennt, spielt, pflegt … Wozu wird sie in zehn, zwanzig, hundert Jahren fähig sein? In Linz wird sich darüber schon seit Jahrzehnten Gedanken gemacht – Ausdruck findet das etwa beim Festival Ars Electronica und – fürs Publikum ansehnlich verpackt – in der visualisierten Klangwolke. Beide Ereignisse erblickten 1979 das Licht der Welt.

Diese vergangenen 40 Jahre waren gepflastert von Meilensteinen, den Veränderungen ist kaum noch mit Superlativen anzukommen, die Welt überholt sich inzwischen permanent selbst, um am Puls der Zeit zu sein, muss man weit in der Zukunft sein. Das hat Linz bereits in den späten 1970ern umgesetzt.

Es war der damalige Landesintendant des ORF, Hannes Leopoldseder, der die Vision „Kultur für alle“ hatte, der eine Verbindung zwischen Tradition und Innovation schaffen wollte — und er war auf der Suche nach einem spektakulären Eröffnungsakt der Ars Electronica, einem Medienkunstfestival, wie es nicht nur Linz noch nie gesehen hat. „Ich wollte ein publikumswirksames Großereignis, heute würde man wohl Event sagen“, sagt Leopoldseder heute.

Künstlerische Konzeption und Leitung der ersten Klangwolke übernahm der Münchner Komponisten Walter Haupt. Da zu wenig Zeit war für eine Auftragskomposition, griff man nach reiflichen Überlegungen auf den Lokalmatador Anton Bruckner und seine 8. Symphonie zurück. Veranstaltet wurde die erste Linzer Klangwolke am 18. September 1979, den Part der Visualisierung übernahm ein Ballon, der im letzten Satz der Symphonie Beute des Publikums wurde.

Schon beim ersten Mal war der Donaupark Austragungsort für die Klangwolke und „Tribüne“ für die rund 100.000 Besucher. Mit einer Breite von 300 Metern und – damals von Brücke zu Brücke – einer Länge von 1,5 Kilometern, jedes Jahr eine neue Herausforderung. Kam im ersten Jahr der Klangwolke die Musik noch vom Band, erklangen Bruckners Klänge 1980 bereits live vom Bruckner Orchester unter der Leitung von Theodor Guschlbauer. Mehrmals waren in den kommenden Jahren die Wiener Philharmoniker und Lorin Maazel in Linz zu Gast, am Dirigentenpult standen u.a. auch Claudio Abbado, Herbert Blomstedt, Franz Welser-Möst, Riccardo Muti …

Zur visualisierten Klangwolke wurde die Veranstaltung erst 1985, doch bereits in den Anfangsjahren wurden optische Effekte eingesetzt. Inzwischen erwartet der versierte Klangwolken-Besucher — mindestens — ein Feuerwerk. Rund 2,5 Millionen Menschen wohnten bisher der Linzer Klangwolke bei, heute Abend wird sich die Zahl erneut erhöhen, wenn sich das von David Pountney unter dem Motto „Solar“ inszenierte Ereignis an der Donaulände abspielt.

Schon die erste Ars blickte in die Zukunft

1979 war auch jenes Jahr, in dem aus dem traditionellen Wissenschaftssymposium innerhalb des internationalen Brucknerfestes das Ars Electronica Festival wurde. Die Idee, sich in diesem Format der elektronischen Musik zu widmen, kam von der Gruppe Eela Craig, respektive von Hubert Bognermayr und dem deutschen Produzenten Ulli A. Rützel. Einen elektronischen Medienpartner fand man im ORF.

Hannes Leopoldseder war immer am Thema Zukunft interessiert. Seine Idee war es auch, ein kontinuierliches Festival zu errichten, das sich den Themen Kunst, Technologie und Gesellschaft widmet. „Ich habe mich gefragt, wie geht es mit den Computern weiter, was sind die Auswirkungen auf die Gesellschaft?“

Am 18. September 1979 geschah also nicht nur die erste Linzer Klangwolke, sondern es wurde damit auch die erste Ars Electronica, das Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft eröffnet. Keine Bilanzen, keine Rückblicke, Retrospektiven, Werkschauen waren für die Ars angedacht, die Ausrichtung immer auf das Werdende, das Zukünftige, das Noch-nie-Gedachte. Computerkultur, Medienkunst, binäre Systeme als künstlerischer Ausdruck – die Pioniere der neuen Kulturform fanden sich in Linz und eben dort Spielflächen für ihre Arbeiten.

1987 rief der ORF den Prix Ars Electronica ins Leben, einen internationalen Wettbewerb für Künstler, die mit dem Medium Computer im gestalterischen Bereich arbeiten, in der Grafik, in der Animation, in der Musik. 1987 und 1988 gewann der US-amerikanischer Regisseur, Drehbuchautor und Produzent John Lasseter die Goldene Nica in der Kategorie Computeranimation.

Für „Luxo jr.“ bekam er nicht nur die Nica, sondern heimste auch eine Oscar-Nominierung ein und bescherte seinem neuen Arbeitgeber Pixar mit der hüpfenden Lampe ein einprägsames Firmensymbol.

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