40. Todestag einer Ikone

Mal als blutjunge Kaiserin, die ihren Franzl verliebt anschwärmt. Dann braun gebrannt und liebeshungrig im knappen schwarzen Bikini am Swimmingpool: Bilder einer Frau mit vielen faszinierenden Gesichtern. Zwischen den Aufnahmen von Romy Schneider vergingen keine 14 Jahre, und doch liegen Welten dazwischen. Am 29. Mai jährt sich der Todestag von Romy Schneider zum 40. Mal.

Romy Schneider mit Karlheinz Böhm in „Sissi“ © picturedesk.com/United Archives

„Romy, femme libre“ heißt der Dokumentarfilm, der anlässlich des 40. Todestages von Romy Schneider auf dem diesjährigen Filmfestival in Cannes präsentiert wurde.

Er zeigt das Bild einer mutigen, entschlossenen und freien Frau, die Unabhängigkeit zu einem ebenso persönlichen wie künstlerischen Erfordernis gemacht hat, in einer Zeit, in der die finanzielle und sexuelle Autonomie von Frauen immer noch in der gesellschaftlichen Debatte stand.

Eine Imagewende um hundertachtzig Grad

Die Filmemacherinnen Lucie Cariès und Clémentine Deroudille vollziehen mit ihrer Doku eine Hundertachtzig-Grad-Wende. Ihr Porträt widerspricht dem oft gezeigten Bild von Romy Schneider als zerbrechlichem Weltstar und Opfer ihres Schicksals. Sie sei „ein freies Elektron“ gewesen, eine Frau, die keine Angst davor hatte, alles loszulassen, um noch einmal ganz von vorn anzufangen, erklärt Deroudille.

So wie 1958, als Romy Schneider Deutschland auf dem Höhepunkt ihrer Karriere verließ, um Alain Delon nach Paris zu folgen. Sie habe ihre Heimat verlassen, wo sie mehr war als nur ein Star, während in Paris niemand auf sie gewartet habe, betont Deroudille. Mit ihrem Ausbruch brachte sie die deutschsprachige Presse gegen sich auf, die darin eine Art Verrat an ihrem Erfolgsfilm „Sissi“ sah. Doch Schneider wollte schon lange mit dem Image der Prinzessin brechen, das ihr nach eigenen Worten wie „Grießbrei“ anhing.

Hinzu kam, dass sie sich ausgerechnet mit einem Franzosen liierte. Den jungen und noch unbekannten Beau Alain Delon hatte Romy Schneider bei den Dreharbeiten zu „Christine“ kennen- und lieben gelernt. Damals war sie gerade zwanzig. Nach einer stürmischen Fünf-Jahre-Liaison verließ der umtriebige Playboy die Schauspielerin. Sie schnitt sich die Pulsadern auf, konnte aber noch rechtzeitig ins Krankenhaus gebracht werden.

Mutig und entschlossen war sie auch Mitte der 60er-Jahre, als sie wegen des 14 Jahre älteren Regisseurs und Schauspielers Harry Meyen, Vater ihres Sohnes David, nach Deutschland zurückkehrte. Um ihn 1966 heiraten zu können, zahlte sie seine Scheidung und wurde in Deutschlands Presse als Ehebrecherin abgestempelt. Ein weiterer Skandal. Sie hatte Meyen 1966 in Berlin bei der Eröffnung eines neuen Restaurants ihres Stiefvaters Hans Herbert Blatzheim kennengelernt. Im Jahr 1973 trennte sich das Paar. Romy Schneider zahlte Meyen eine horrende Abfindung und zog mit dem gemeinsamen Sohn nach Frankreich. Rund sechs Jahre später nahm sich Meyen das Leben.

Romy Schneider liebte, verführte und litt

In Paris begann Romy Schneider ihr Leben privat dann noch einmal neu: Diesmal mit ihrem elf Jahre jüngeren Sekretär Daniel Biasini, dem sie im Dezember 1975 das Ja-Wort gab. Zwei Jahre später kam die gemeinsame Tochter Sarah zur Welt. Doch auch diese Ehe ging in die Brüche. Sarah hat im vergangenen Jahr ein intimes Buch über diese Zeit und jene danach geschrieben. „Die Schönheit des Himmels“ erzählt von ihrer heutigen Beziehung zu ihrer Mutter, die starb, als sie viereinhalb Jahre alt war, und Sarahs eigener Rolle als Mutter. „Es war mir nicht bewusst, wie sehr man an seine eigene Kindheit denkt, wenn man selbst Eltern wird“, sagte sie im Gespräch.

Romy Schneider wiederum liebte, verführte und litt — im Leben wie auch auf der Leinwand. Sie hat in über 60 Filmen gespielt und mit den Größten der Branche gearbeitet wie Luchino Visconti, Claude Sautet, Bertrand Tavernier und Costa-Gavras. Nachdem sie sich im Teenageralter in „Sissi“ als Kaiserin Elisabeth von Österreich in die Herzen gespielt hatte, wurde ihr die Krone zur Last. Sie brach mit dem Klischee der naiven und unbekümmerten Kindfrau. In Frankreich wurde sie mit Filmen wie „Der Swimmingpool“, „Inzest“ und „Die Geliebte des Anderen“ zur „Femme fatale“.

Alle 62 Filme von Romy Schneider hat der Wiener Comiczeichner Nicolas Mahler noch einmal gesehen und sie dann gezeichnet. Zusammengefasst liegt seine Auseinandersetzung mit der Mimin nun in Buchform vor. Unter dem schlichten Titel „Romy Schneider“ (btb Verlag) findet man gezeichnete Eindrücke zu jeder ihrer Rollen. Außerdem gibt es eine Art Steckbrief zum jeweiligen Film.

Das größte Drama ihres Lebens

„Die Spaziergängerin von Sans-Souci“ war dann schlussendlich ihr letzter Film. Sie drehte ihn nach dem größten Drama ihres Lebens. Im Sommer 1981 wurde ihr damals 14-jähriger Sohn David beim Versuch, über einen Zaun zu klettern, von einer Metallspitze aufgespießt und starb.

In dem Film spielt sie eine Frau, die sich eines jüdischen Bubens annimmt. Auf die Frage, woher sie kurz nach dem Tod von David die Kraft nehme, mit einem fast gleichaltrigen Jugendlichen zu drehen, antwortete sie: „Ich wusste, dass es schmerzhafte Momente geben würde, nicht nur wegen einiger Sequenzen, sondern weil mein Beruf sehr hart ist.“

Ihr Tod am 29. Mai 1982 im Alter von 43 Jahren wird wohl für immer ein Rätsel bleiben. Ihr damaliger Lebensgefährte, der französische Filmproduzent Laurent Pétin, fand die Schauspielerin am frühen Morgen leblos zusammengesunken an ihrem Schreibtisch. Herzversagen lautete die Todesursache offiziell. Neben ihr lag ein unvollendeter handgeschriebener Brief.

Gerüchte von Suizid kursierten zunächst, denn Schneiders starker Konsum von Alkohol, Schlaf- und Aufputschmitteln war bekannt. Eine Obduktion wurde nie durchgeführt, um den Mythos nicht zu zerstören, wie Frankreichs Presse damals meinte.
Die Filmemacherinnen Lucie Cariès und Clémentine Deroudille, deren Film „Romy, femme libre“ ausschließlich auf Archivmaterial basiert, glauben nicht an die Suizid-Theorie. Sie erinnern an den Satz, den Romy Schneider auf Französisch gesagt hat: „La facilité m’emmerde“ — alles Einfache langweilt mich.

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