50 Jahre und kein bisschen leise

Eine der bedeutendsten Orgeln im deutschsprachigen Raum feiert am 8. Dezember 2018 ihren 50. Geburtstag – die Rudigierorgel im Linzer Mariendom. Auf dem Weg zur Realisierung dieses Meilensteines des modernen Orgelbaues galt es einige Hürden zu überwinden.

Domorganist Wolfgang Kreuzhuber an der Rudigierorgel. © Dommusikverein Linz/Reinhard Winkler

Schon in den 1930er-Jahren wurde der Wunsch nach einer großen Domorgel für den Linzer Mariendom erstmals laut. Die wirtschaftlich schlechten Zeiten und die politischen Entwicklungen im österreichischen Ständestaat und im Nationalsozialismus verhinderten jedoch die Verwirklichung. Erst in den 1950er-Jahren rückte der Wunsch nach einer großen Orgel auf der Westempore wieder in den Fokus. 1958 setzte sich der „Dommusikverein Linz“ zum Ziel, dass der Mariendom aus Anlass der 100-Jahr-Feier der Grundsteinlegung des Domes im Jahr 1962 eine repräsentative Domorgel als Jubiläumsgabe erhalten solle. Diese sollte – wie schon der Bau des Domes – „durch ungezählte kleine und große Opfer der gesamten Bevölkerung der Diözese“ erbaut werden.

Der lange Weg zur Orgel

In das Orgelkomitee wurde neben Dompfarrer Josef Ledl und den Brüdern und Kirchenmusikern Hermann und Joseph Kronsteiner auch der Orgelsachverständige Egon Krauss berufen, ein Kenner des historischen Orgelbestandes Europas und der Neubauten der bedeutendsten internationalen Orgelbauwerkstätten. Er wurde mit der Konzeption des Orgelprojekts betraut, außerdem wurden bekannte Organisten hinzugezogen: Als Berater fungierte der nö. Organist und Komponist Hans Haselböck, auch Anton Heiller und Luigi Ferdinando Tagliavini wirkten mit.

Zunächst galt es, den bestmöglichen Platz für die Orgel zu finden. Ähnlich wie beim dispositionellen und klanglichen Vorbild für die künftige Linzer Domorgel, der historischen Christian-Müller-Orgel von 1738 in der Grote of Sint-Bavokerk im niederländischen Haarlem, wählte man den Bereich vor dem Bogen zum Turmraum über dem Westchor.
In Egon Krauss’ erstem Dispositionsentwurf war vieles zugrunde gelegt, was später verwirklicht worden ist. 1959 brachen die Gebrüder Kronsteiner zu einer Orgelstudienfahrt nach Deutschland und in die Niederlande auf. Die Marcussen-Orgel in der Nicolaïkerk im niederländischen Utrecht aus 1957 kann so einerseits klanglich und konzeptionell als Vorbild für die Rudigierorgel gesehen werden, andererseits wurden deren Eindrücke später auch entscheidend für die Vergabe des Orgelneubaues an die dänische Orgelbaufirma Marcussen & Søn in Apenrade.

Nach der anfänglichen Euphorie war schon 1959 deutliche Ernüchterung spürbar, denn einerseits würde die Orgel nicht zur 100-Jahr-Feier der Grundsteinlegung fertig werden, andererseits hemmten Widerstände im Klerus eine rasche Umsetzung des Projekts. Auch der schleppende finanzielle Fortgang – trotz vieler großer und kleiner Spenden – bereitete den Verantwortlichen große Sorgen. Denn im Vorhinein war festgelegt worden, den Auftrag für die Orgel erst dann zu erteilen, wenn die Hälfte der erforderlichen Summe zur Verfügung steht.

Der Papst gratuliert

Neue Impulse erhoffte man sich ab 1961 durch die Einbindung des damaligen Landesrates und späteren Landeshauptmannes Erwin Wenzl. Durch ihn konnten zahlreiche finanzielle Unterstützer – darunter Bund, Land, Stadt, Firmen, Gewerkschaften – für das Orgelprojekt gewonnen werden. Bis zur Vertragsunterzeichnung verstrich jedoch noch einige Zeit – die Finanzierung musste schließlich erst gänzlich gesichert sein, zumal keine Mittel aus Kirchenbeiträgen für die Rudigierorgel verwendet wurden. Zahlreiche Aktionen des Dommusikvereins Linz und Spendenaufrufe von Bischof Franz Zauner brachten das Projekt finanziell schließlich doch voran. Der Werkvertrag mit der Firma Marcussen & Søn wurde im Dezember 1963 unterzeichnet, eine Lieferzeit von fünf Jahren festgelegt.
1968 fand das Warten allmählich ein Ende. Anfang Mai trafen fast alle Orgelteile in Linz ein. Ende Juli folgten die Prospektpfeifen und andere große Pfeifen, Ende August die restlichen Pfeifen. Nach dem Aufbau arbeiteten die Intonateure fieberhaft an der Stimmung der Rudigierorgel bis zum Weihetag.

In der Vesper am Vorabend des Feiertages Mariä Empfängnis erklang die Rudigierorgel am 7. Dezember 1968 nach ihrer Weihe durch Bischof Franz Salesius Zauner zum ersten Mal öffentlich durch die Hände und Füße des Wiener Organisten Hans Haselböck. Mit einem dreitägigen Weihefest wurde das Instrument damals unter internationaler Beteiligung gefeiert – sogar Papst Paul VI. gratulierte zum kirchenmusikalischen Ereignis.

Jubiläumsprogramm für alle

Der 50. Geburtstag der Rudigierorgel wird ein ganzes Jahr mit einem abwechslungsreichen Programm gefeiert. Den Auftakt bildet der Festgottesdienst am 8. Dezember um 10 Uhr mit Bischof Manfred Scheuer. Zum 50. Jahrestag der Orgelweihe wird Louis Viernes „Messe solennelle en ut dièse mineur“ (1899) für gemischten Chor und zwei Orgeln, op. 16, von Collegium Vocale Linz und Domchor Linz unter der Leitung von Domkapellmeister Josef Habringer sowie Domorganist Wolfgang Kreuzhuber an der Rudigierorgel und Gerhard Raab an der Pflüger-Chororgel aufgeführt.

Besucher erwarten ganz unterschiedliche monatliche Schwerpunkte – neben den schon Tradition gewordenen Konzerten im Sommer. So begegnen einander beispielsweise im Februar 2019 Orgel und Kabarett, wenn Domorganist Wolfgang Kreuzhuber und Schriftsteller Rudolf Habringer Heiteres von der Orgelbank zum Besten geben. Im Mai 2019 beginnen die Rudigierorgel schließlich die Pfeifenfüße zu jucken und es heißt in einer Kooperation mit dem Brucknerhaus „Orgel.Tanz“. Groß geschrieben wird das Motto „Rudigierorgel für alle“, denn auch eigene Angebote für Familien oder Schulen wird es geben. Speziell junge Menschen möchte Domorganist Wolfgang Kreuzhuber mit Orgelführungen für Schulen („Orgel.Schule“) begeistern. „Orgel.Sinne“ lädt zu Orgelseminaren ein, bei denen man die Rudigierorgel hautnah erleben kann. Von 4. Juli 2019 bis 8. September 2019 findet im Dom wieder der Linzer Orgelsommer mit hochkarätigen Künstlern statt. Dazu kommen die bereits bewährten Formate Abendkonzerte und Raumklang.

www.rudigierorgel.at/50