53.000 warten auf „Einladung“

Ehrenamt hat enorme Bedeutung und 56 Prozent der Oberösterreicher engagieren sich

Es ist ein tolles Zeugnis, das die Oberösterreicher dem Ehrenamt ausstellen: 89 Prozent messen dem Ehrenamt eine enorme und weitere zehn Prozent eine ziemliche Bedeutung zu — insgesamt sind das 99 Prozent der Bevölkerung. Aber nicht nur passiv wird das Ehrenamt geschätzt, auch die aktive Mitarbeit. Ob in der Nachbarschaftshilfe, kirchliches Engagement, Kultur, Sport, Rettungsdienste, Feuerwehr, Altenbetreuung oder Musik — das Ehrenamt bietet viele Möglichkeiten des Mitgestaltens, gibt Lebenssinn und das Gemeinwesen wäre ohne diesen zigtausenden ehrenamtlich geleisteten Stunden um Vieles ärmer. Mehr als jeder zweite Oberösterreicher engagiert sich ehrenamtlich in den mehr als 15.000 Vereinen in OÖ. Männer prozentuell etwas mehr wie Frauen und auch im ländlichen Bereich ist das Engagement ausgeprägter.

Die OÖVP hat nun bei IMAS eine Studie in Auftrag gegeben, um zu erkunden, wie man die Rahmenbedingungen verbessern kann. „Ehrenamtliche bereichern Oberösterreich und machen Vieles möglich. Wir sehen, dass rund 190.000 Landsleute größeres Interesse haben, sich zu engagieren, aber noch keinen Anknüpfungspunkt gefunden haben“, sagt Landeshauptmann Thomas Stelzer. Und OÖVP-Klubobfrau Helena Kirchmayr ergänzt: „Wir wollen die Arbeit der Freiwilligen ehrlich wertschätzen, die Lust aufs Mitmachen steigern und sie bestmöglich unterstützen.“

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Studie belegt Stellenwert

Haupthinderungsgrund eines Ehrenamts ist vor allem der Zeitmangel, sowohl aus beruflichen als auch familiären Gründen, erklärt IMAS-Meinungsforscher Paul Eiselsberg. Insgesamt zeigen rund 190.000 Oberösterreicher ab 16 Jahren eher größeres Interesse an einem Ehrenamt, obwohl sie aktuell keines ausüben. Davon gaben 53.000 an, noch nie gefragt worden zu sein. „Da sind auch die Vereine und Institutionen gefordert“, so Eiselsberg. Es gibt zwei Kernmotive für das ehrenamtliche Engagement: Zum einen, dass es einfach Spaß macht, helfen zu können, und zum anderen, das Gefühl zu haben, etwas Nützliches zu tun. Vor allem für jüngere Personen dient das Ehrenamt überdurchschnittlich häufig auch dazu, selbst neue Erfahrungen zu sammeln und etwas dazuzulernen. Zur ehrenamtlichen Tätigkeit führten insbesondere ein spezielles Interesse bzw. die Einladung von Freunden oder man kam im Laufe der Jugendzeit zum Ehrenamt. Allerdings ist die Wertschätzung der ehrenamtlichen Tätigkeit in Oberösterreich aus Sicht der freiwilligen Helfer noch ausbaufähig. Dementsprechend meint auch die Bevölkerung, dass der Stellenwert der ehrenamtlichen Tätigkeit in der Bevölkerung stärker verankert werden und ehrenamtlich tätige Personen ausreichend für ihre Tätigkeit versichert sein sollten.

Landtag will Rahmenbedingungen verbessern

Auf Antrag der OÖVP wird sich der Landtag am Donnerstag im Rahmen einer Aktuellen Stunde mit dem Ehrenamt beschäftigen. Die OÖVP wird dabei Initiativen setzen: Erstens wird per Resolution — die auch FPÖ, SPÖ und Grüne mittragen — eine Anhebung des Pflegegeldes auch in den unteren Stufen gefordert. Zweitens soll der Besuchsdienst für Senioren besser koordiniert werden. Derzeit organisieren verschiedene Organisationen einen Besuchsdienst, bei dem sich Ehrenamtliche einbringen, um der Vereinsamung älterer und pflegebedürftiger Menschen entgegenzuwirken. Beim Roten Kreuz bekommen diese Freiwilligen eine 16-stündige Basisausbildung (Grundlagen der Kommunikation, Rechte und Pflichten der Ehrenamtlichen) sowie eine achtstündige Besuchsdienstausbildung (Maßnahmen zur Prävention und Gesundheitsförderung, Themen Sicherheit, Ernährung) angeboten. Diese gute Grundlagenausbildung sollte gemäß Landtagsantrag auf alle in diesem Bereich tätige NGOs ausgeweitet werden.

Gütesiegel für Ehrenamt

Und drittens will die OÖVP ein bundesweites Ehrenamtsgütesiegel. „Das wäre eine echte Anerkennung von ehrenamtlicher Tätigkeit, die in weiterer Folge entsprechende Beachtung bei Bewerbungen oder Vergünstigungen im privaten als auch öffentlichen Bereich finden könnte“, erklärt OÖVP-Klubobfrau Helena Kirchmayr. Unterstützung bekommt sie von ihrem FPÖ-Pendant Herwig Mahr. Der SPÖ-Kritik, dass es — in Form des Freiwilligennachweises — ein solches Gütesiegel bereits gebe, hält man entgegen, dass man eine Weiterentwicklung und Modernisierung sowie einen niederschwelligeren Zugang gestalten wolle.
Die SPÖ beantragt übrigens dringlich, dass der Erwerb der Lenkerberechtigung für die Fahrzeugklassen C bis F für Mitglieder einer Freiwilligen Feuerwehr aus dem Bildungskonto mitfinanziert werden soll.

Präsentierten gestern die Studie zum Ehrenamt (v. l.): Paul Eiselsberg (IMAS), LH Thomas Stelzer und KO Helena Kirchmayr.
Präsentierten die Studie zum Ehrenamt (v. l.): Paul Eiselsberg (IMAS), LH Thomas Stelzer und KO Helena Kirchmayr. Foto: OÖVP Klub