70. Todestag: Gedenken an „König des Belcanto“

    Linzer Startenor Richard Tauber bleibt unvergessen — Weltberühmt mit „Dein ist mein ganzes Herz“ — Erinnerungsabend im Musiktheater

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    Portrait Richard Tauber
    Portrait Richard Tauber © Hugo Erfurth, NORDICO

    Er gilt als „Pavarotti der Zwanziger- und Dreißiger- Jahre“ oder „erster Popstar des 20. Jahrhunderts“, von der Presse wurde ihm der Name „König des Belcanto“ verliehen: Tenor Richard Tauber. Zu seinem 70. Todestag heute wird im Orchestersaal des Linzer Musiktheaters an ihn erinnert. Die Veranstaltung der Freunde des Linzer Musiktheaters mit dem Landestheater — „Der Mann hinter dem Monokel“ — beginnt um 19 Uhr und dauert zwei Stunden.

    Es singen Mathias Frey (Tenor) und Ilia Staple (Sopran). Tauber war als Tenor ein Weltstar, doch auch als Komponist und Dirigent erfolgreich. Live erklingt ein Melodienstrauß seiner Kompositionen. Ebenfalls anlässlich des 70. Todestages erschien „Tauber, mein Tauber“ der Linzer Literaturredakteurin Heide Stockinger und des Lübecker Wahl-Österreichers und langjährigen Dramaturgen des Lehár-Festivals in Bad Ischl, Kai-Uwe Garrels. Beide bieten beim Erinnerungsabend im Musiktheater biografische Einblicke in die einzigartige Karriere des zweimal Vertriebenen.

    Freundschaft zu Lehár

    Am 16. Mai 1891 in Linz als Sohn eines Schauspielerpaars geboren, besuchte er später in Prag, Salzburg und Wiesbaden die Schule. Nach dem Abbruch seines Studiums wollte er unbedingt Sänger werden, obwohl ein Vorsingen in der Wiener Hofoper in einem Fiasko endete. Tauber ließ aber nicht locker, absolvierte das Konservatorium in Frankfurt/Main und wurde vom Gesangspädagogen Carl Beines in Freiburg ausgebildet.

    1913 debütierte Tauber in Chemnitz, kam nach Dresden und 1919 nach Berlin. Ab 1925 war er Mitglied der Wiener Staatsoper und begeisterte als Mozart-Interpret bei den Salzburger Festspielen. Er sang alle großen Tenorpartien der Opern- und Operettenliteratur und wurde in den Musikzentren der Welt gefeiert. Seine Freundschaft zu Franz Lehár veranlasste den Komponisten, die Tenorpartien seiner Werke dem begnadeten Sänger auf den Leib zu schneidern. Mit dem Lied „Dein ist mein ganzes Herz“ aus der Lehár-Operette „Das Land des Lächelns“ wurde Tauber quasi über Nacht zum Weltstar.

    1933, als „Judenlümmel“ beschimpft, verließ Tauber Deutschland und trat auf Tourneen vorwiegend in den USA und Australien auf. 1938 emigrierte er nach London, wurde 1940 britischer Staatsbürger. Am 27. September 1947 stand er zum letzten Mal auf der Bühne: Im Gastspiel der Wiener Staatsoper in der Covent Garden Opera London verkörperte er Ottavio in Mozarts „Don Giovanni“. Am 8. Jänner 1948 erlag Tauber 56-jährig einem Krebsleiden. Beerdigt ist er in London, Bromton Cemetery. Ein Gedenkstein findet sich auf dem Friedhof in Bad Ischl. In Linz, Herrenstraße 11, ist eine Erinnerungstafel angebracht. Linz konnte einen Großteil seines Nachlasses erwerben, der 1991 in der Ausstellung „Dein ist mein ganzes Herz“ im Nordico gezeigt wurde.