700 Polizisten sichern EU-Ministerrat

Einsatzleiter Prager: Keine Hinweise auf Bedrohung der Großveranstaltung im September in Linz

Oberst Johannes Prager im Lageraum der Landespolizeidirektion OÖ, wo er mit einem Stab von 20 Personen den Großeinsatz am 17. und 18. September leiten wird.
Oberst Johannes Prager im Lageraum der Landespolizeidirektion OÖ, wo er mit einem Stab von 20 Personen den Großeinsatz am 17. und 18. September leiten wird. © Großpointner

Mit Oberst Johannes Prager sprach Heinz Wernitznig

Das Treffen der EU-Energieminister im September in Linz stellt für die oö. Polizei eine große Herausforderung dar. Das VOLKSBLATT sprach mit Einsatzkommandanten Johannes Prager, der sich bereits seit einem halben Jahr mit der Großveranstaltung beschäftigt.

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VOLKSBLATT: Für den EU-Ministerrat am 17. und 18. September im Linz gilt bei der oö. Polizei eine Urlaubssperre. Wie groß wird das Polizeiaufgebot an diesen beiden Tagen konkret sein?

PRAGER: Das Polizeiaufgebot erstreckt sich über mehrere Einsatzabschnitte und wird um die 700 Exekutivbeamte erfassen. Da sprechen wir von Beamten, die ordnungsdienstlich tätig sind, also Veranstaltungsstätten sichern über Polizisten, die den Verkehr überwachen und Konvois lotsen bis hin zu Kriminal- und Cobra-Beamten.

Handelt es sich dabei um den bisher größten Polizeieinsatz in Linz?

Es ist sicher einer der größten Polizeieinsätze, die wir in Linz in den letzten Jahren hatten.

Stellt die Tatsache, dass das Ministertreffen an drei Standorten – voestalpine Stahlwelt, Redoutensäle und Design Center – mit in Summe an die 200 Teilnehmern über die Bühne gehen wird, eine besondere Herausforderung dar?

Natürlich. Es ist schon alleine, was die Logistik anbelangt, eine riesige Herausforderung. Es wird ja rund um die drei Veranstaltungsstätten Platzverbotszonen geben, die abzusichern sein werden. Das funktioniert in Verbindung mit Gittern, was sehr personal- und ressourcenintensiv ist.

Wird es für Besucher in der Linzer Innenstadt bzw. die Verkehrsteilnehmer an diesen beiden Tagen zu Einschränkungen kommen?

Es kann sein, dass es zu kurzfristigen Behinderungen des Fließverkehrs kommt, wenn ein Konvoi gelotst wird. Für die Bevölkerung wird es aber zu keinen spürbaren Einschränkungen kommen.

Ist vorgesehen, dass die Eurofighter den Luftraum über der Landeshauptstadt sichern?

Nein, das wird es in Linz nicht geben.

Gibt es trotzdem eine Kooperation mit dem Bundesheer?

Ja, aber auf anderer Ebene. Es werden zur Sicherheit dekontaminationsmaßnahmen durch das Bundesheer vorbereitet. Das wird sich in einer Größenordnung von 30 bis 40 Mann bewegen.

Rechnen Sie mit Störungen bzw. ist eine Demonstration angemeldet?

Aktuell gibt es keine Hinweise, es gibt weder angemeldete Veranstaltungen, noch Aufrufe im Internet. Im Normalfall werden aber derartige Veranstaltungen erst 24 Stunden vorher angemeldet. Die Verfassungsschützer durchforsten aber schon jetzt das Internet, um etwaige Aufrufe festzustellen und entsprechend reagieren zu können.

Wie schätzen Sie die Bedrohungslage ein?

Zum heutigen Zeitpunkt gehe ich nicht davon aus, dass es Großdemonstrationen gegen diese Veranstaltung geben wird. Was man aber nicht ausschließen kann, sind Formen von Aktionismus wie beispielsweise eine Sitzblockade oder das Anbringen von Transparenten. In einem solchen Fall müsste der Einsatzstab die Entscheidung treffen, wie vorzugehen ist, wobei die Bandbreite eine große ist.

Gehören dazu auch Festnahmen?

Das richtet sich nach dem Verhalten des Gegenübers. Wenn strafrechtlich relevante Tatbestände gesetzt werden, ist man natürlich verpflichtet, entsprechend einzuschreiten.

Sie verfügen über eine langjährige Erfahrung, wie man bei Großveranstaltungen die Sicherheit gewährleistet. Ist der EU-Ministerrat für Sie ein Highlight oder nur Business as usual?

Nein, es ist eine große Verantwortung, die man aber gerne annimmt, weil man seine Erfahrungen einbringen kann und weiß, dass die Zusammenarbeit mit den erfahrenen Kollegen funktioniert.

Werden Sie selbst vor Ort sein?

Als Einsatzkommandant kann man natürlich nicht überall vor Ort sein. Es ist auch nicht notwendig, weil ich auf erfahrende Abschnittskommandanten zurückgreifen kann. Mein Platz ist in der Einsatzzentrale.

Inwieweit spielen die Kosten für den Polizeieinsatz bei den Planungen eine Rolle?

Sicherheit ist natürlich das oberste Gebot. Dass man aber den Kostenfaktor im Hinterkopf haben muss, ist klar.