9:0! SV Ried schoss sich mit Rekordsieg zurück in die Bundesliga

Um 22.17 Uhr war es offiziell: Die SV Guntamatic Ried kehrt nach drei Jahren in der Zweitklassigkeit in die Fußball-Bundesliga zurück. Das Meisterstück gelang den Oberösterreichern an einem denkwürdigen Abend mit dem höchsten Sieg der Klubgeschichte, einem 9:0 über den FAC. Da half Verfolger Klagenfurt selbst das 6:1-Schützenfest über Innsbruck nichts.

Am Ende feierten die Innviertler, die vor dem Stadion versammelten Anhänger verliehen ihrer Ekstase mit einem Feuerwerk und euphorischen Gesängen wenige Minuten vor Schluss und nach Spielende lautstark Ausdruck. Um 22.38 Uhr durfte Kapitän Thomas Reifeltshammer die Meistertrophäe gen schwarz-grünen Himmel stemmen.

„Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich nicht nervös bin“, gab Hans Wilminger wenige Augenblicke vor Spielbeginn noch zu. Nur wenige Minuten später war der Gemütszustand des Rieder Ehrenpräsidenten wohl deutlich entspannter, nachdem die Mannschaft ihm offenbar unbedingt einen geruhsamen wie erfolgreichen Abend bieten wollte. Auf dem Weg zurück in die Bundesliga legten die Innviertler los wie die Feuerwehr und machten den dritten Aufstieg in die höchste Spielklasse in Wahrheit schon binnen elf Minuten perfekt.

Rieder Traumstart

Nach exakt 135 Sekunden eröffnete Julian Wießmeier den Torreigen, indem er eine perfekte Hereingabe von links in den Rücken per Direktabnahme zum 1:0 abschloss. 3:27 Minuten später zappelte der Ball schon wieder im Netz, als abermals der groß aufspielende Wießmeier zur Stelle war. Diesmal per Kopf nach einem perfekt hereingezirkelten Nutz-Corner. Nach elf Minuten platzten die Klagenfurter Hoffnungen auf FAC-Schützenhilfe endgültig: Im Rieder Sechzehner kam ein Gäste-Angreifer zu Fall, im postwendenden Gegenstoß folgte auf die Attacke an Bernd Gschweidl der zuvor ausgebliebene Elferpfiff von Schiedsrichter Schörgenhofer. Grüll verwandelte souverän zum 3:0.

Torrekord in erster Halbzeit

Der 31. Juli 2020 entwickelte sich zu einem Fußballabend, an dem aus Rieder Sicht einfach alles funktionierte. Eine bis in die Haarspitzen motivierte Wikinger-Elf gewann nicht nur gefühlt alle wichtigen Zweikämpfe, sondern zauberte sich mit herrlichen Kombinationen und wunderschön herausgespielten Tore zurück in die Erstklassigkeit. Dass hier noch etwas schiefgehen könnte, glaubte zu diesem Zeitpunkt niemand mehr.

Schon gar nicht, als die Oberösterreicher nachlegten. 20. Minute, wieder ein perfekt vorgetragener Angriff, Grüll wurde steil geschickt, der bediente Gschweidl – 4:0, das war Fußball zum Zungeschnalzen. Die Rieder blieben weiter on fire, vor allem Wießmeier hatte noch nicht genug. Nutz kämpfte sich auf der linken Seite in Richtung Sechzehner, seinen Querpass verwandelte der Deutsche mit seinem dritten Streich zum 5:0 (32.). Die SVR stellte damit beim Meisterstück einen Vereinsrekord auf: Noch nie zuvor hatte man in einer der höchsten beiden Spielklassen (seit 1991) fünf Treffer in der ersten Halbzeit erzielt.

Höchster Sieg in der Profifußball-Geschichte

Im zweiten Abschnitt ließen es die Wikinger einen Tick ruhiger angehen. Beinahe jeder der wenigen, aber euphorischen Anwesenden in der josko-Arena fieberte nun wohl dem historischen Moment entgegen, in dem der anwesende Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer die Meistertrophäe übergeben sollte. Entspannt zurücklehnen wollte sich der Tabellenführer dann aber doch nicht: Erst machte Nutz nach Torhüter-Foul an Grüll das halbe Dutzend voll (69.), dann erhöhte der zuvor Gelegte auf 7:0 (70.), ehe Joker Jefte Betancor die Baumgartner-Elf zum höchsten Sieg in der Geschichte im Profifußball schoss (77.). Der bisherige Rekord war bei einem 7:0 im Vorjahr gegen Wiener Neustadt gelegen.

Das war gar nicht so unwichtig, denn Verfolger Klagenfurt ließ im Parallelspiel gegen Innsbruck nichts unversucht, zog nach gut 70 Minuten sogar auf 5:1, später auf 6:1 davon – für den Titel hätten die Kärntner zu diesem Zeitpunkt trotzdem einen zweistelligen Erfolg benötigt. Der gelang beinahe der SVR, weil Valentin Grubeck per Kopf alle neune perfekt machte (83.). Dass Tor Nummer zehn ausblieb, war an jenem geschichtsträchtigen Fußballabend nicht einmal ein winziger Wermutstropfen.

Feuerwerk und Meistertrophäe

Als Schiri Schörgenhofer mit seinem Schlusspfiff die Innviertler zum dritten Mal nach 1995 und 2005 in die Bundesliga hievte, gab es in ganz Ried kein Halten mehr. Erst wurde mit den Fans, die hinter den geschlossenen Toren der josko-Arena längst in Partystimmung verfallen waren und Feuerwerke zündeten, gefeiert, dann floss schon das wohlverdiente Bier, das Meistermacher Gerald Baumgartner über das Haupt geleert bekam. Mit Sicherheit eine Bierdusche der angenehmeren Art. Um 22.38 überreichte Liga-Vorstand Ebenbauer, untermalt von den Klängen von „We are the Champions“, dem gesperrten Kapitän Reifeltshammer endlich die ersehnte Meistertrophäe. Das Werk war vollbracht, doch die Party begann jetzt erst so richtig.

Stimmen zum Aufstieg

Ehrenpräsident Hans Wilminger: „Das Glück ist in den letzten Wochen wieder zu uns zurückgekehrt.“

Finanzvorstand Roland Daxl: „Ich bin sehr stolz auf die Leistung des Teams. Der Aufstieg ist wichtig für die gesamte Region, denn die SVR als Aushängeschild des Innviertels gehört in die Bundesliga.“

Sport-Landesrat Markus Achleitner: „Ein historischer Abend für Oberösterreich. Ganz Sport-OÖ feiert heute mit.“

Von Christoph Gaigg und Roland Korntner aus Ried

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