Im Fußball-Nationalteam gibt es einige Baustellen

In Österreichs Fußball-Nationalteam gibt es einige Baustellen, wie 0:4-Pleite aufzeigte

FUSSBALL UEFA WM-QUALIFIKATION STERREICH - DNEMARK
Achtung, Baustelle: Im ÖFB-Team läuft es nicht rund, Platz eins in der WM-Qualifikation ist nach dem 0:4 gegen Dänemark derzeit praktisch außer Reichweite. © APA/Punz, APA/Oczeret

„Nach so einer Niederlage muss man einige Dinge überdenken und das eine oder andere korrigieren“, meinte Teamchef Franco Foda am Tag nach der Pleite: „Wir müssen viele Dinge besser machen.“ In allen Bereichen, wie diese Analyse zeigt.

Grundsätzliche Ausrichtung: Wahrscheinlich das Grundübel. Durch Fodas taktische Marschroute, die auf hohes Gegenpressing verzichtet, kommen die Spieler und ihre Stärken nicht so zu Geltung, wie bei ihren Vereinen. Sie müssen sich teilweise völlig konträr dazu verhalten, wie sie dies tagtäglich tun. Oftmals sogar seit Nachwuchstagen, sind doch etliche Akteure im Nationalteam durch die Red-Bull-Salzburg-Schule gegangen und auch heute bei Vereinen engagiert (Leipzig, Gladbach, Wolfsburg), wo ähnlich agiert wird.

Torhüter: Alexander Schlager schaffte es nicht, in der Dreierserie Werbung in eigener Sache zu machen und war gegen Schottland und Dänemark an Gegentoren maßgeblich beteiligt. Der Kampf um die Nummer eins ist weiter völlig offen.

Defensive: Ohne Martin Hinteregger wirkte die Abwehr längst nicht so sattelfest, wie sonst mit dem Frankfurt-Legionär.

Mittelfeld: Weltklasse-Verteidiger David Alaba ist im Mittelfeld nur ein Schatten seiner selbst und kann keine Impulse geben. Auch hier scheint Julian Baumgartlinger (verletzt) als Stabilisator nur schwer ersetzbar.

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Angriff: Die Ideen und Überraschungsmomente von Marko Arnautovic (Corona-bedingt nicht aus China angereist) fehlten an allen Ecken und Enden. Weil auch aus dem Mittelfeld keine Impulse kamen, hing Sasa Kalajdzic gegen Dänemark völlig in der Luft.

Teamchef: Sollte das beste System für das vorhandene Spielermaterial finden, aber stattdessen hält Franco Foda stur an seinem Defensivkonzept fest, obwohl er zuletzt in verschiedenen Systemen agieren ließ.

Verbandsspitze: Muss sich den Vorwurf gefallen lassen, im Herbst 2017 einen Trainer gesucht zu haben, der nicht zum typischen österreichischen Nationalspieler passt. Zur Erinnerung: ÖFB-Boss Leo Windtner hätte sich auch eine Verlängerung mit Marcel Koller vorstellen können. Er wurde von den Präsidiumskollegen, bestehend aus den neun Landesverbandspräsidenten und den Vertretern der Bundesliga, aber überstimmt. Genauso wie wenige Wochen später bei der Trennung von Sportdirektor Willi Ruttensteiner und der Einsetzung von Peter Schöttel („Ich habe kein detailliertes Konzept“) als dessen Nachfolger.

Fazit: Ab sofort geht es in der WM-Qualifikation nur noch um Rang zwei (= Play-off-Teilnahme). Ob diese im Herbst mit Franco Foda (Vertrag bis Jahresende) bestritten wird, hängt auch maßgeblich vom Auftreten bei der EM ab. „Realistischerweise wird Dänemark Platz eins belegen. Jetzt wollen wir Platz zwei erreichen“, lautet Fodas Devise. Falls er weiterwurschteln darf!

Von Roland Korntner

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