Aber ihre schöne Stimme

Pop: Katie Melua gastierte bei „Klassik am Dom“ in Linz

Katie Melua am Linzer Domplatz
Katie Melua am Linzer Domplatz © Franz Litzlbauer

Von Christian Pichler

Vielleicht könnte Katie Melua einfach einmal schiach singen. Oder im Wald die blöden Bäume anschreien. Locker werden. Linz ist „georgious“, hinreißend? Linz ist schiach. Ich bin schiach, du bist schiach. Lockerungsübungen eben.

Melua hat eine schöne, eine wunderschöne Stimme. Stark und warm und in den Höhen glasklar. Umso größer die Pein, wenn sich die Wahlengländerin nach dem Auftakt „Belfast“ gleich einmal „Wonderful Life“ zur Brust nimmt. Black hat diese Songperle zum großen Drama veredelt, bei Melua plätschert es.

Einen Abend lang plätschert es. Leonard Cohens „In My Sectret Life“: Aber sie hat doch so eine schöne Stimme! Den Blues-Klassiker „On The Road Again“ (Canned Heat) in die Mangel genommen, quasi mit dem E-Bike auf dem Highway. Ehrenwert, rocken tut es nicht.

Am Freitag gastierte die 1984 in Kutaissi (Georgien) geborene Sängerin bei „Klassik am Dom“, ein lauer Sommerabend vor der herrlichen Kulisse des Mariendoms. Ein Mäandern in Jazz, Soul, Blues, in Gestik und Ausdruck ein Liebäugeln mit klassischem Gesang.

Pop ist ein weites und großzügiges Feld. Die begleitende Band mit angezogener Handbremse, perfekt und gleichförmig, Meluas kleiner Bruder an der Gitarre, es soll alles geschmeidig klingen. Meluas eigenes Songmaterial auch geschmeidig, melodiös. „Piece by Piece“ habe sie gelehrt, wie heilsam das Songschreiben nach einem Beziehungs-K.O. sein kann. Zu ihrem Hit „Nine Million Bicycles“ genieße sie es, wie Liebespärchen regelmäßig noch enger zusammenrückten. „The Flood“ lässt sich gut an, großes Gesangskino.

Irgendwo mittendrin Shirley Basseys „Diamonds Are Forever“, wozu? Es plätschert.

Den Leuten gefiel’s. Melua setzte mit „What a Wonderful World“ nach, Armstrongs Interpretation wird die Zeiten überdauern.

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