Abigail Tucker: Der Tiger in der guten Stube

Mittlerweile hat die kleine Schwester dem großen Bruder den Rang abgelaufen: Die Katze und nicht mehr der Löwe ist heutzutage „König der Tiere“. Durch ihre „Symbiose“ mit dem Menschen beherrschen Katzen die Hinterhöfe, ferne antarktische Inseln und unsere Wohnzimmer … und einige sind zu Stars des Internets geworden. Um unsere Hausgenossen besser zu verstehen und inspiriert von ihrer Muse „Cheetoh“ (die Katze ist leider kurz nach Beendigung des Buches gestorben) hat sich Abigail Tucker mit Züchtern, Umweltaktivisten und Wissenschaftlern getroffen und ein faszinierendes Porträt der Stubentiger gezeichnet. Die US-Amerikanerin spannt den Bogen von der Steinzeit bis zu neuesten Erkenntnissen der Forschung. Sie beleuchtet aber nicht nur die Sonnenseiten, sondern auch die Schattenseiten dieser Liebe, so stehen etwa durch die wachsende Hauskatzenpopulation — momentan gibt es ca. 600 Millionen Katzen weltweit und damit dreimal so viele wie Hunde — in manchen Landstrichen bestimmte Vögel- und Kleintierarten vor dem Aussterben. „Der Tiger in der guten Stube“ bietet aber auch viel Unterhaltsames über die Welt der Katzen. Den leisen Humor, den die Autorin bisweilen durchscheinen lässt, nimmt Illustratorin Monika Steidl bei ihren gezeichneten Katervarianten auf. Ein Sachbuch, durch das auch Experten noch etwas lernen können. hs
Abigail Tucker: Der Tiger in der guten Stube. WBG Theiss, 304 S., € 20,60