Adalbert Stifter: Bergmilch (Audiamo)

Als Absolvent der Linzer Stifterschule sollte Adalbert Stifter eigentlich zu meiner täglichen Lektüre gehören, v. a. in seinem Jubiläumsjahr. Leider ging Oberösterreichs Beitrag zur Weltliteratur bisher an mir vorbei. Um mir nun den Einstieg zu erleichtern, habe ich die Variante des Hörbuchs gewählt. Gabriel Schett hat für „Audiamo“ zum 150. Todestag von Stifter die Novelle „Bergmilch“ eingelesen. Der Titel bezieht sich auf den gleichnamigen weißen Kalkspat. Darum ist die Geschichte auch Teil der Novellensammlung „Bunte Steine“. Sie ist schnell erzählt und könnte heute als Drehbuch für einen Rosamunde Pilcher-Film dienen. Auf Schloss Ax wohnt neben dem kinderlosen, ledigen und schrulligen Schlossherren noch der Schlossverwalter samt Familie. Während des Französischen Krieges kommt plötzlich ein französischer Offizier in seinem weißen Mantel — eben weiß wie „Bergmilch“ — auf das Schloss, nimmt die Bewohner quasi als Geiseln und kundschaftet mittels Schlossturm die gegnerischen Stellungen aus. Nach dem Krieg entpuppt er sich als Gentleman, kommt zurück, entschuldigt sich und heiratet die älteste Tochter des Verwalters, die auch das Anwesen erbt. Eine gute Stunde entführt Schett die Zuhörer in diese romantische Zeit — durchaus gekonnt. Ein kleines Manko ist, dass es keine Musikpausen oder sonstige Möglichkeiten zum Verschnaufen gibt.

hs