Adolf Loos und noch viel mehr: Neue MAK-Ausstellungen

Die Wochen des harten Lockdowns sind vorbei, und im Wiener Museum für Angewandte Kunst (MAK) scheint man die Wiedereröffnung am morgigen Dienstag kaum erwarten zu können. Mit gleich vier neuen Präsentationen lockt das Haus am Ring seine Besucher und bietet dabei eine enorme Bandbreite. Ein Architekturklassiker ist ebenso darunter wie eine verspielte, gerade für Familien reizvolle Intervention im Rahmen der permanenten Schauräume.

Am 10. Dezember jährt sich der Geburtstag von Adolf Loos zum 150. Mal. Grund genug für das MAK, diesem Wegbereiter der Moderne in der Architektur eine zwar kompakte, aber äußerst aussagekräftige Ausstellung zu widmen. „Adolf Loos. Privathäuser“ (8.12.-14.3.2021) entspricht genau dem Titel und lädt ein, die unterschiedlichen Zugänge des Architekten auf diesem Gebiet zu erkunden.

Dabei geht es keineswegs nur um für Privatpersonen geplante oder realisierte Gebäude, sondern auch um seine Sozialprojekte. Ein Beispiel wäre etwa das für ein Grundstück in Wien-Favoriten vorgesehene Kleinwohnungshaus, bestehend aus zwei mittels einer Brücke verbundenen Komplexen, die mit viel Außenfreiraum aufwarten. Das im MAK als Modell ersichtliche Vorhaben wurde zwar nie realisiert, zeigt aber gerade in der Gegenüberstellung mit einem Plan für eine Gruppe von 20 Villen wunderbar die gestalterischen Gedanken von Loos.

Seine klare Formensprachen wird auch beim für Tänzerin Josephine Baker in Paris geplanten Haus (inklusive Club und Indoor-Pool) deutlich. „Der Gebrauch schafft die Form der Gegenstände“, ist nur wenige Meter über dem Modell ein Zitat von Loos zu lesen. Mit diesem Zugang unterschied er sich doch maßgeblich von seinen Zeitgenossen. Sozusagen umrahmt wird die von Rainald Franz kuratierte, aus dem Loos-Archiv der Albertina bestückte Schau von einer Büste sowie der Totenmaske des großen Architekten.

Einer Schatzsuche kann man sich unter dem Motto „Frech und frei“ (8.12.-5.4.2021) hingeben. Das MAK nutzte die Schließzeiten im Corona-Ausnahmejahr für das Konzipieren einer Intervention, die „verborgene Objekte“ in die Schauräume bringt. Inszeniert vom Designstudio mischer’traxler und von Janina Falkner, geht es schon in der Säulenhalle los, wo eine überdimensionale Stellage den Ausgangspunkt bildet. Selten gezeigte Objekte aus der Sammlung erobern sich von hier aus ihren Raum zwischen den „Alteingesessenen“ und bilden mal spannende, dann wieder lustige oder schräge Querverbindungen.

YT
Video
Ich möchte eingebundene Social Media Inhalte sehen. Hierbei werden personenbezogene Daten (IP-Adresse o.ä.) übertragen. Diese Einstellung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft in der Datenschutzerklärung oder unter dem Menüpunkt Cookies geändert werden.

Zwischen allerlei kunstvollen Stühlen hat es sich etwa Markus Schinwalds „Untitled (Machine 3)“ gemütlich gemacht, eine beständig surrende Konstruktion, in deren Zentrum ein unwirklich scheinendes Gebilde aus Stuhlbeinen auf und nieder schwebt. Oder die in eine Vitrine geschlüpfte kleine Skulptur der drei Betrunkenen, die sich neben reich verzierten Bierkrügen in den Armen liegen. Da macht das Motto „Visiting Friends“ natürlich Sinn.

Angeleitet durch die grellgrünen Markierungen, ist es ein neuer Blick, der sich auf diese Weise eröffnet. Was sich das MAK-Team bei den jeweiligen Gegenüberstellungen gedacht hat, kann man mal so und mal so auslegen. Für Familien lohnt sich jedenfalls, die eingangs in einer Kiste sich stapelnden Schatzkarten zur Hand zu nehmen. Mit ihnen gelingt nicht nur der Weg durch die Räume, sondern offenbaren sich auch kleine Symbole, die richtig decodiert ein Losungswort ergeben. Oder man erfreut sich einfach daran, dass ein Sessel kurzerhand Donald Judds Raum im Raum „erklommen“ hat und es sich dort gemütlich macht.

Ergänzt wird das Eröffnungsangebot im MAK – am Dienstag und Mittwoch übrigens bei freiem Eintritt – von der heuer bereits zum 15. Mal vertretenen Schau „100 beste Plakate. Deutschland Österreich Schweiz“ (8.12.-14.3.2021), die grafisch Extravagantes, Opulentes und Minimalistisches zusammenführt. Insgesamt gab es heuer 684 Einreicher mit weit über 2.000 Plakaten. Die Gewinner lassen nun schon mal einen Finger aus einer Bananenschale schlüpfen, erheben Trash in Form zweier Hände über einem kitschigen Weizenfeld zur Kunst oder widmen sich in klarer Formensprache dem alkoholischen Genuss.

Prämiert wurden auch drei Sujets aus Österreich: Studio Es ist gleich doppelt vertreten, einerseits mit einem Plakat zu Rosa Friedrichs Kurzfilm „Topfpalmen“, das die Farbpalette des Films nutzt, sowie einer Dreier-Serie zu Helmuts Art Club. Ebenfalls erfolgreich war das Studio VIE mit seiner Arbeit für das Tanzquartier Wien. Künstlerin Jakob Lena Knebl rückt hier eine Mischung aus Körper und Schrift in den Fokus, verknüpft also Organisches und Artifizielles in einer eng verschlungenen Form.

Und schließlich hat das MAK den fünften und letzten Teil der „Creative Climate Care Galerie“ im Angebot. Die im Juni in Kooperation mit der Universität für angewandte Kunst begonnene Pop-Up-Reihe wird von Antonia Rippel-Stefanska zu Ende gebracht. Für „Einer glänzt weniger“ (8.12.-3.1.2021) hat sie drei Videoprojektionen mit zwei eigenwilligen verformten Skulpturen gekreuzt und will somit Gefühle wie Trennung, Abhängigkeit oder Hilfslosigkeit behandeln.

(S E R V I C E – Ausstellungen: „Adolf Loos. Privathäuser“ in der Schausammlung Gegenwartskunst von 8. Dezember bis 14. März 2021; „Frech und frei! Die Invasion verborgener Objekte“ von 8. Dezember bis 5. April 2021; „100 beste Plakate 19. Deutschland Österreich Schweiz“ im Kunstblättersaal von 8. Dezember bis 14. März 2021; „Antonia Rippel-Stefanska. Einer glänzt weniger“ im Rahmen der Creative Climate Care Galerie von 8. Dezember bis 3. Jänner 2021; Museum für Angewandte Kunst, Stubenring 5, 1010 Wien, Di 10-21 Uhr, Mi-So von 10-18 Uhr; )

Wie ist Ihre Meinung?