Äpfel verlieren ihren Geschmack

Apfel-Absatz in Österreich rückläufig — Rekordernte 2018 drückt noch immer auf Preise

Von Harald Gruber

Österreichs Apfelbauern sitzen in der Zwickmühle: einerseits geht der Apfelkonsum in Österreich seit Jahren zurück, andererseits hat die Rekordernte 2018 europaweit zu einem nach wie vor hohen Lagerbestand geführt — und: durch den politischen Konflikt mit Russland ist für die EU-Apfelbauern ein wichtiger Exportmarkt weggefallen. Folge: anhaltender Preisdruck nach unten, der laut Erwartungen der AMA auch die anlaufende Ernte 2019 erfassen wird. Schon raten Experten den Landwirten daher zur Umstellung ihrer Kulturen — einerseits durch den Umstieg auf Premiumsorten statt Massenware und andererseits durch die Umwidmung von Anbauflächen auf andere Obstsorten wie Beeren oder auch Melonen.

Rekordmenge auf Lager

Der Weltverband der Apfelproduzenten (WAPA) bezifferte den Umfang der Apfel-Lager in Europa für Juli mit einem absoluten Rekordwert von 564.169 Tonnen, wovon ebenfalls ein Rekordwert von 37.291 Tonnen in Österreichs Lagern auf Abnehmer wartete. Entsprechend trist gestaltet sich laut dem aktuellen Marktbericht der AMA die Preissituation für die heimischen Apfelbauern. Im Juli 2018 lag der Großhandelspreis für österreichische Äpfel der Klasse 1 noch bei 1,00 Euro pro Kilo, heuer bei nur 0,49 Euro!

Heuer weniger Nachschub

Etwas Luft aus dem Kessel nimmt die heuer laut Vorausschätzung der WAPA durch Fröste, Hagel und Trockenheit rückläufige Apfelernte in Europa. Demnach werden 2019 in der EU 10,6 Millionen Tonnen Äpfel von den Bäumen geholt. Das ist ein Minus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein Minus von 8 Prozent gegenüber dem letzten Dreijahresschnitt. Für Österreich liegt die Ernte-Prognose 2019 bei minus 22 Prozent gegenüber 2018 und minus 3 Prozent gegenüber dem langjährigen Durchschnitt. Die Marktentwicklung in der EU steht und fällt aber mit den Apfelernten in den Hauptproduktionsländern Polen, Italien, Frankreich und Deutschland. Wobei mit Polen Europas Nummer eins und Deutschland Europas Nummer vier heuer witterungsbedingt mit deutlichen Ernteeinbußen von minus 44 Prozent bzw. minus 17 Prozent zu rechnen haben. Aus Frankreich werden dagegen um 12 Prozent mehr Äpfel auf den Markt rollen als 2018, aus Italien in etwa gleich viele wie im Vorjahr.

Neue Märkte im Visier

In Österreich fokussiert sich die Apfelproduktion auf die Steiermark. Dort liegen mit 5227 Hektar 77 Prozent der österreichischen Anbauflächen und von dort kamen 2018 mit 188.188 Tonnen 78 Prozent der österreichischen Erträge — und aus der Steiermark kommen neue Ansätze zum Aufbau neuer Absatzmärkte für österreichische Äpfel: Konsumenten in China und Indien sollen den heimischen Anbietern wieder auf die Sprünge helfen. Wobei aber auch dort Massenware keine Chance mehr habe, sondern nur mehr Äpfel und Sorten aus dem Premiumsegment.

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