„Affäre Ourghi“: Rücktritt eines Islam-Theologen

Zekirija Sejdini (l.) verlässt umstrittenen deutschen Islam-Schulrat. Reformtheologe Ourghi (r.) kämpft um seine Lehrbefugnis. © Uni Innsbruck, Wikipedia/Shoshone

Paukenschlag in der Affäre um den Entzug der Lehrbefugnis des bekannten islamischen Reform-Theologen Abdel-Hakim Ourghi in Deutschland: Die baden-württembergische „Stiftung Sunnitischer Schulrat“, die Ourghi von der Ausbildung islamischer Religionslehrer fernhalten will, verliert ein Vorstandsmitglied.

Der an den Universitäten Wien und Innsbruck lehrende Islam-Theologe Zekirija Sejdini legt seine Funktion zurück. Der Schritt folgte unmittelbar auf am Samstag veröffentlichte VOLKSBLATT-Recherchen zur Affäre um die verweigerte Lehrbefugnis.

Offiziell hat der Rücktritt aber nichts damit zu tun: „Die bevorstehenden Aufgaben lassen leider keine Zeit übrig, um weiterhin bei der Stiftung mitzuwirken“, so Sejdini, der keine Stellungnahme zum Entzug der Lehrbefugnis abgeben wollte. Ourghi vermutet aber, dass Sejdini „um seinen Ruf fürchtet“.

Denn der in Baden-Württemberg seit 2019 für den islamischen Religionsunterricht zuständige „Sunnitische Schulrat“ steht zunehmend in der Kritik.

Immerhin war Ourghi als Leiter der Islamischen Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg seit zehn Jahren maßgeblich am Aufbau einer Religionslehrerausbildung ohne ausländische Einflüsse beteiligt. Nun soll er nicht mehr geeignet sein.

Ourghi sieht sich als Opfer von muslimischen Verbänden, denen seine Ansichten nicht passen: Der Mitbegründer der liberalen Berliner Ibn-Rushd-Goethe-Moschee fordert einen aufgeklärten Islam und leitet aus dem Koran keine Kopftuchpflicht ab.

Aufgeben will Ourghi nicht: Er hat Einspruch gegen den Entzug der Lehrbefugnis eingelegt. Das von den Grünen geführte baden-württembergische Kultusministerium hält sich aus dem Konflikt heraus und betont seine „Neutralitätspflicht“…

Von Manfred Maurer

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