Agrar-Landesrätin Langer-Weninger mit großen Ambitionen

Die neue Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger über ihre wichtigsten Anliegen

Die neue Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger folgte Max Hiegelsberger nach.
Die neue Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger folgte Max Hiegelsberger nach. © LK OÖ

Seit Juni 2019 war Michaela Langer-Weninger Präsidentin der Landwirtschaftskammer OÖ, nun hat sie das Agrar-Ressort in der Landesregierung von Max Hiegelsberger übernommen. Im Interview spricht sie über die Ziele in ihrer neuen Tätigkeit.

VOLKSBLATT: Sie waren Präsidentin der Landwirtschaftskammer OÖ, waren Landtagsabgeordnete. Wie viel mehr Einfluss können Sie nun als Landesrätin nehmen?

LANGER-WENINGER: Die Gestaltungsmöglichkeiten sind natürlich andere. Ich habe ein sehr breites und schönes Ressort übernehmen dürfen. Es bildet den Gesamtbereich der ländlichen Regionen gut ab, von Land- und Forstwirtschaft über Ernährungs- und Versorgungssicherheit bis zu den Gemeinden. Dort wird die Lebensqualität für die Bevölkerung vor Ort sichergestellt. Dazu das Ehrenamt mit den Feuerwehren, das wir auch in Zukunft stark unterstützen wollen.

Sie haben ja auch den Universitätslehrgang „Mediation und Konflikmanagement“ abgeschossen. Wie sehr werden Sie das in Ihrer neuen Funktion brauchen können?

Das kann man eigentlich in jeder Lebenslage brauchen, sei es im Privaten, im Beruf oder auch in der Politik. Es geht immer darum, wie geht man miteinander um und wie versucht man bestmöglich Lösungen zu finden. Gerade in der Politik sollte es nicht ums Streiten gehen, sondern darum mit guten Argumenten andere für die eigenen Ideen zu gewinnen. Da kann diese Ausbildung natürlich helfen, mich interessiert wie Menschen ticken. Wenn man Menschen besser versteht, ist es leichter zu Lösungen zu finden.

Was sind die dringendsten Anliegen, die sie angehen wollen?

Es geht sehr darum Wertschöpfung in die Betriebe zu bringen. Wir spüren stark, dass Betriebsmittel – sei es Energie, Dünge- oder Futtermittel – teurer geworden sind. Da wird es immer schwieriger wirklich Einkommen zu erwirtschaften. Die hohe Wertschätzung für die heimischen Landwirte, die grundsätzlich in der Bevölkerung vorhanden ist, muss auch in Wertschöpfung umgelegt werden können. Dazu braucht es ein noch stärkeres Bewusstsein über die gesamte Wirtschaftskette regionale Produkte zu verarbeiten, regionale Produkte zu vermarkten. Und auch beim Konsumenten ein Bekenntnis zu regionalen Produkten, damit Wertschöpfung in die Betriebe kommen kann. So werden auch Arbeitsplätze in der Region gesichert.

Welche Rolle spielt der Handel, will man hier einen härteren Weg fahren?

Mit der Umsetzung der UTP-Richtlinie über unlautere Handelspraktiken, die jetzt in Begutachtung ist, ist ein wesentlicher Part auf den Weg gebracht. Damit wird auch die Ombudsstelle im Bundesministerium eingerichtet. In der Summe braucht es in der gesamten Lebensmittelkette jeden Einzelnen, der bereit ist sich zu heimischen Produkten zu bekennen. Da gehören die Verarbeitungsbetriebe, der Handel dazu. Aber auch die Bevölkerung als Konsument.

Wird es sonst immer schwerer Nachfolger für die Betriebe zu finden?

Es ist ein wesentlicher Part Einkommen erwirtschaften zu können. Es braucht dazu ein starkes Bewusstsein für heimische Lebensmittel, aber auch eine gut abgestimmte Umweltpolitik und eine Absicherung heimischer Produktion auf europäischer Ebene.

Wie könnte diese Absicherung aussehen?

Es braucht gesetzliche Maßnahmen, etwa CO2-Grenzausgleichszölle.

Wie sehen Sie die Rolle von NGOs, die immer wieder heimische Landwirte teils hart kritisieren?

Man muss schon genau hinschauen, was einzelne Gruppierungen fordern und was die Bevölkerung zur heimischen Landwirtschaft sagt. Wir sehen da sehr deutlich, dass die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern eine hohe Anerkennung genießt. Neun von zehn Österreichern sagen, dass die Bauern uns Lebensqualität und Versorgungssicherheit schaffen. Acht von Zehn sagen, dass das Tierwohl bei den heimischen Bauern einen hohen Stellenwert hat. Es gibt natürlich immer wieder Möglichkeiten noch höhere Auflagen zu beschließen, aber die müssen auch finanziell abgegolten werden. Ohne entsprechende Entscheidung der Konsumenten am Supermarktregal werden höhere Standards nicht realisiert werden können.

Sie sind auch für die Gemeinden zuständig, was werden hier Ihre Schwerpunkte sein?

Die Gemeinden sind für uns ein ganz wichtiger Partner für die Lebensqualität der Menschen vor Ort. Sie stellen die Infrastruktur. Schauen, dass soziale Gemeinschaft vorhanden ist, dazu auch das gesamte kulturelle Geschehen. Wir auf Landesebene als Partner stehen für Planungssicherheit und Finanzierung. Die Finanzierung wird neu evaluiert, hier braucht es in manchen Bereichen eine Feinjustierung.

Auch auf die Feuerwehren kommen große Herausforderungen zu. Die Einsatzstunden zwischen Mai und August haben sich im Jahresvergleich verfünffacht. Wir werden Partner sein, um die geforderte Ausrüstung sicherzustellen, um höchstmögliche Sicherheit für die Feuerwehrleute zu garantieren.

Mit Agrar-Landesrätin MICHAELA LANGER-WENINGER sprach Christoph Steiner

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