Agrar-Landesrat Hiegelsberger: „Haben in Oberösterreich viel auf den Weg gebracht“

Rück- und Ausblick: Vor zehn Jahren übernahm Max Hiegelsberger das Amt als Agrar-Landesrat

Vor zehn Jahren übernahm Max Hiegelsberger das Amt als Agrar-Landesrat von Josef Stockinger. Er blickt auf eine intensive Zeit zurück.
Vor zehn Jahren übernahm Max Hiegelsberger das Amt als Agrar-Landesrat von Josef Stockinger. Er blickt auf eine intensive Zeit zurück. © Wakolbinger

Seit zehn Jahren ist Max Hiegelsberger (55) für die Agrar-Agenden im Land zuständig. Im VOLKSBLATT-Interview spricht er über Herausforderungen und Meilensteine seiner Amtszeit. Zudem wagt er einen Blick in die Zukunft.

VOLKSBLATT: Sie haben das Amt als Landesrat vor zehn Jahren von Josef Stockinger übernommen. Hätten Sie sich damals gedacht, dass Sie auch zehn Jahre danach diese Funktion noch ausüben?

HIEGELSBERGER: In der Politik sind die Halbwertzeiten mittlerweile sehr sehr kurz. Dazu hängt die Entwicklung von vielen Faktoren ab: Ist man selbst gesund und fit genug für den Job, dazu spielen Wahlergebnisse und natürlich auch die Partei einê große Rolle. Man kann also nicht so lange voraus planen.

In einer Zeit von zehn Jahren gibt es auch immer Veränderungen, wie haben Sie das in der Landwirtschaft erlebt?

Im Bereich der Landwirtschaft hat es schon immer Veränderungen gegeben. Dass die Betriebe immer weniger werden, hat sich zumindest seit dem EU-Beitritt verlangsamt. Nun ist es aber auch wichtig, dass die Gesellschaft die heimische, regional Lebensmittelproduktion genügend wertschätzt – und wie wichtig auch regionale Verarbeitung ist.

Hat hier die Corona-Krise auch zu einem veränderten Bewusstsein in dieser Hinsicht geführt?

Ja, das haben die vergangenen Monate gezeigt. Aber man darf die Dinge nicht nur wertschätzen, wenn man sie braucht, sondern auch außerhalb dieser Zeit. Es darf also auch in der Zukunft nicht nur um den billigsten Preis geht. Wenn es ausschließlich um den Preis gehen, denn dann hat die österreichische Landwirtschaft aufgrund ihrer Struktur in dieser Form keine Chance.

Wohin muss sich die Landwirtschaft entwickeln, auf nationaler, aber auch auf globaler Ebene?

Die Landwirtschaft muss einerseits öffentlich abgesichert werden, damit die Leistungen, die von den Bauern für die Gesellschaft erbracht werden, abgegolten werden. Hier wird es auf europäischer Ebene noch einen heißen Kampf um die Verteilung der Mittel geben. Andererseits darf man nicht Regionalität zu jedem noch so niedrigen Preis fordern.

Gibt es eine Überregulierung in der Landwirtschaft?

Bei den heimischen Bauern spielt das Thema Emotion eine große Rolle. Es muss verhindert werden, dass die Landwirte nicht irgendwann aufgrund zu vieler Regelungen keinen Sinn mehr erkennen können. Wenn etwa der Pflanzenschutz immer weiter zurückgefahren werden soll, aber gleichzeitig die gleiche Lebensmittelsicherheit gefordert wird.

Das gleiche beim Thema Tierwohl: Wenn es hier immer größere Anforderungen gibt, aber der Markt die Abgeltungen des höheren Aufwands nicht hergibt, dann läuft man Gefahr, dass immer mehr Betriebe aufgeben. Das ist eine der größten Gefahren, das gilt es zu verhindern.

Neben der aktuellen Corona-Krise und der immanenten Gefahr durch die Afrikanische Schweinepest, was waren die größten Herausforderungen ihrer Amtszeit?

Die größte Herausforderung war sicher die Verunsicherung am Schweinemarkt, als die Kastenstand-Diskussion losgegangen ist. Da hat sich gezeigt, wie sehr es verunsichert wenn man keine Rechtssicherheit hat, wie lange gesetzliche Vorgaben gelten.

Zudem werden von NGOs manche Themen hochstilisiert. Einzelne Produktionsmittel werden herausgenommen und als das absolute Gefährdungspotenzial dargestellt – etwa Glyphosat.

Haben sich die NGOs hier nicht fair verhalten?

Da wurden Themen emotional besetzt und Angst geschürt. Für die NGOs ist das ein Geschäftsmodell. Dabei muss man Pflanzenschutz aber im Sinn des Wortes verstehen. Es geht dabei um den Schutz der Pflanzen bei höchster Lebensmittelsicherheit.

Was waren Meilensteine der vergangenen zehn Jahre, auf welche Erfolge sind sie besonders stolz?

Im Gesamten ist die geschaffene Motivation in der Landwirtschaft in den vergangenen Jahren hervorzuheben. Wir haben uns außer in der Fläche und bei Wein als das stärkste produzierende Bundesland etabliert. Unsere Betriebe verstehen es, aus den Rahmenbedingungen das Beste zu machen. Ein Meilenstein ist zudem die stressfreie Schlachtung, da waren wir die ersten in Oberösterreich. Ebenso bei der Elementar- und Tierversicherung.

Auch die Bildung mit den Agrarbildungszentren und der Etablierung der Agrarischen Fachhochschule ist hervorzuheben. Wir haben in Oberösterreich viel auf den Weg gebracht.

Was sind die großen Ziele für die Zukunft?

Dass wir in Oberösterreich einen Prduktionsstandort erhalten, der uns weltweit einzigartig macht. Wir haben 70 Prozent eigene Futtergrundlage bei der Tierhaltung. Zudem sollen die Rahmenbedingungen erhalten bleiben, dass auch für junge Betriebsleiter eine positive Entwicklung möglich ist. Wichtig für die Zukunft ist zudem, dass der Wertschöpfungsanteil der Bauern erhöht wird, das ist essentiel.

Wo kann man bei der Wertschöpfung ansetzen?

Etwa bei der Beschaffung von regionalen Produkten durch Bund, Länder und Gemeinden. Hier wurden ja erste Schritte schon gemacht.

Wollen sie auch nach der Wahl kommendes Jahr wieder Landesrat werden?

Zuerst müssen die Wahlen geschlagen werden. Wenn ich dann von der ÖVP vorgeschlagen werde, dann ist das das Schönste, was es geben kann.

Mit den gleichen Agenden?

Die Kombination aus Gemeinde- und Agrarreferent ist optimal, das sollte auch in Zukunft gleich gehalten werden.

Mit Agrar-Landesrat MAX HIEGELSBERGER sprach Christoph Steiner

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