AK – Arbeitsklima so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht

Der AK Arbeitsklima Index – Gradmesser der Stimmung unter den Beschäftigten – ist derzeit mit 103 Punkten auf dem niedrigsten Niveau seit 25 Jahren. Der Optimismus der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für die Entwicklung ihres Betriebs ist so gering wie zu Beginn der Erhebungen 1997, der Optimismus für die wirtschaftliche Entwicklung Österreichs ist so gering wie seit 2004 nicht mehr. Derart scharf wie in der Corona-Krise ging der Index seit langem nicht nach unten.

„Wir sehen, dass es knirscht“, sagte IFES-Geschäftsführer Reinhard Raml am Mittwoch in einer Pressekonferenz in Wien. „Die Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen ist in der Pandemie deutlich gesunken“, so der Meinungsforscher. Die Arbeit müsse auf immer weniger Schultern verteilt werden.

Der psychische Stress hat der Erhebung zufolge seit 2019 stark zugenommen – der Teilindexwert stieg seither von 26 auf 40. „In der Corona-Pandemie haben die Beschäftigten gespürt, hier wird sich die Situation auf Jahre verschlechtern“, berichtete SORA-Projektleiter Daniel Schönherr. Die Sorge um den Arbeitsplatz habe sich vor allem in den unteren Einkommensgruppen verschärft.

Aufgrund der verstärkten Belastung wollen viele ihre Arbeitszeit verringern und auch ein bis zwei Tage pro Woche im Home-Office arbeiten. „Die Leute wissen, sie würden weniger verdienen, hätten einen Einkommensverlust, und trotzdem ist der Wunsch so groß“, strich AK-OÖ-Präsident Andreas Stangl hervor.

Mehr als die Hälfte der Vollzeitkräfte (54 Prozent) will der Erhebung zufolge weniger Stunden als vertraglich vereinbart arbeiten. Bei den Teilzeitkräften sind das nur 12 Prozent. Teilzeit ist auch eine Frage der Leistbarkeit.

Zwei von drei Teilzeitarbeitskräften „kommen kaum oder gar nicht aus mit ihrem Einkommen“. Wegen der Übernahme von Sorge- und Pflegetätigkeiten sind über 80 Prozent der 1,1 Millionen Teilzeitkräfte in Österreich Frauen. 29 Prozent der Teilzeitbeschäftigten würden daher der AK-Umfrage zufolge gerne mehr arbeiten, bei den Vollzeitkräften wollen nur 6 Prozent aufstocken.

Bei aller Schwierigkeit mit Stellenbesetzungen solle man dran denken, dass viele in Teilzeit mehr arbeiten wollen. „Die Arbeitgeber müssen flexibler werden, sie brauchen nicht Pessimismus übers Land verstreuen, dass sie keine Arbeitskräfte finden“, bekräftigte Stangl. Wenn die Politik vollzeittaugliche Kinderbetreuung ermöglichte, könnte man „Arbeitskräftepotenzial heben“.

„Man sieht, dass in allen Branchen der Druck und der Stress gestiegen sind“, betonte Raml. Das betreffe alle, nicht nur die dafür schon länger bekannten Branchen Pflege und Handel, sondern etwa auch den öffentlichen Dienst und die Baubranche. „Das zieht sich schon massiv durch – viele haben lange Arbeitszeiten, viel Stress und vielleicht unsichere Bezahlung auch noch, das ist so die Mischung.“

„Wenn die Leute nicht belastet sind, sagen nur 8 Prozent, sie wollen in Teilzeit wechseln, bei mittlerer Belastung sind das 18 Prozent“, erklärte der IFES-Chef. „Durch Krieg und Teuerung sind die Beschäftigten nicht so wechselbereit, gehen aber den Weg zu Teilzeit bereit zu sein.“

Die Pandemie habe sich in vielen Bereichen als „Brandbeschleuniger“ erwiesen – so auch bei der Entwicklung in Richtung Home-Office. Vor Corona arbeiteten laut Raml 12 Prozent der unselbstständig Erwerbstätigen regelmäßig von zuhause aus, in der Pandemie über 40 Prozent, „das ist fast alles, was möglich ist“. Die Hälfte der Betroffenen spricht von einer positiven Erfahrung, 20 Prozent von einer negativen, der Rest beurteilte das mit teils positiv, teils negativ.

Die Menschen wünschten ein bis zwei Tage pro Woche Home-Office versus „Zeit, in der ich nicht arbeite, die aber trotzdem verloren ist – etwa auf dem Arbeitsweg“. „Da gibt es sehr klare Befunde, dass das gewünscht wird“, so Raml. „Und wenn das Menschenbild vermittelt wird, man macht einen Urlaubstag, wenn man im Home-Office ist, das ist Gift.“ Denn dann würden die Leute nicht das Unternehmen, sondern die jeweilige Führungskraft verlassen. Es gebe Studien zur Arbeitgeberattraktivität, „dass das ein massiver Wunsch der Menschen ist“.

Die Meinungsforschungsinstitute IFES und SORA haben im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich (AK OÖ) rund 4.000 unselbstständig Beschäftigte mit 25 Fragen auf ihre Zufriedenheit im Job hin befragt.

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