AK warnt vor hohen Kosten bei Verpfändungen

Die Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich hat am Mittwoch vor hohen Kosten bei einer Verpfändung gewarnt. Die Interessenvertretung rät, sich zuerst um einen günstigeren Kredit bei der Bank zu bemühen. Da zurzeit viele Menschen mit Einkommensverlusten kämpfen, hätten sich vereinzelt Betroffene nach Möglichkeiten einer Verpfändung erkundigt. Die AK berät auch weiterhin Mitarbeiter nach Firmenpleiten.

Sollte die Verpfändung eines Lieblingsstückes unumgänglich sein, gilt es, mit einem Pfandhaus per Mail (Dorotheum) oder Online-Formular (eBörse) Kontakt aufzunehmen. Zeigt es anhand eines Fotos Interesse, kann das Stück per Post geschickt werden. Die Konsumentenschützer weisen darauf hin, dass schon hier Kosten inklusive Paketversicherung zu tragen sind, obwohl noch gar nicht sicher ist, ob und in welcher Höhe ein Vertrag zustande kommt.

Nach Erhalt des Pfandes wird ein unverbindliches Angebot erstellt, das auch unter dem gewünschten Betrag liegen kann. Ist der Pfandgeber damit einverstanden, wird ein Pfandschein ausgestellt und der Darlehensbetrag überwiesen. Wie lange es von der Zusendung des Gegenstandes bis zur Auszahlung dauert, ist auf der Homepage nicht festgelegt.

Die Laufzeiten für eine Verpfändung reichen von einem bis zu fünf Monaten und können – gegen neuerliche Gebühr – verlängert werden. Am Ende der Laufzeit fallen Spesen für die Ausstellung aller Pfandscheine, Zinsen und Manipulationsgebühren an. Diese sind bei Auslösung des Pfands zu begleichen.

Die Konsumentenschützer haben am Beispiel einer Uhr mit 500 Euro Belehnungswert errechnet, dass bei einer Verpfändung von drei Monaten ein tatsächlicher Betrag von 447,12 Euro (Dorotheum) bzw. 396,92 Euro (eBörse) zur Verfügung stehe. Das Dorotheum habe also insgesamt einen Betrag von 42,88 Euro, die eBörse gar 93,08 Euro verrechnet – jeweils ohne Berücksichtigung der Postgebühr.

Sogar die teuerste Kontoüberziehung sei um bis zu 80 Euro billiger. Bei einer Überziehung innerhalb des Kontorahmens werde derzeit ein Jahreszinssatz von 6,5 bis 13,25 Prozent verrechnet, außerhalb des Rahmens bis zu 18,15 Prozent. In dem Beispiel mit 500 Euro koste die Überziehung für drei Monate von 8,13 bis zu 22,69 Euro.

Vor fragwürdigen Online-Krediten warnen aber die Finanzexperten der AK. Sie raten, alle anfallenden Gebühren vorab zu klären und alles Wesentliche schriftlich festzuhalten. Man soll keine telefonischen Pfandgeschäfte abschließen, denn ohne schriftliche Vertragsvereinbarungen bestünde ein Beweisproblem, vor allem in Bezug auf die anfallenden Kosten.

Die AK berät trotz der Corona-Einschränkungen bei Firmenpleiten betroffene Mitarbeiter, allerdings nicht mehr in Versammlungen, sondern am Telefon und per E-Mail und Brief. Aktuell betrifft das 607 Mitarbeiter bei Vapiano und 329 Mitarbeiter bei Colloseum. Beide insolventen Firmen habe die Gehälter für den März nicht mehr ausbezahlt. Hier springt der Isolvenz-Entgelt-Fonds ein.

“Die Insolvenz des Unternehmens ist für die Beschäftigten immer ein Härtefall. In Zeiten von Corona aber umso schlimmer, denn einen neuen Job finden, ist derzeit praktisch unmöglich. Zudem kommt die Unsicherheit, wie fällige Bezüge jetzt ausbezahlt werden. Die AK ist auch in dieser Situation eine verlässliche Partnerin und verhilft den Betroffenen zu ihren Ansprüchen”, erklärte AK-Präsidentin Renate Anderl am Mittwoch.

Gesichert sind die Ansprüche der Beschäftigten durch den Insolvenz-Entgelt-Fonds – und zwar bis zu sechs Monate rückwirkend. Offene Ansprüche können sein: Gehalt, nicht verbrauchter Urlaub, Sonderzahlungen, eine Abfertigung nach altem Recht oder eine Kündigungsentschädigung, je nachdem, wie das Arbeitsverhältnis beendet wurde.

Die Arbeitnehmer-Vertreter helfen den Mitarbeitern durch Berechnung und Durchsetzung der Ansprüche. Der Insolvenz-Entgeltfonds und der Masseverwalter prüfen die Ansprüche. Die AK setzt sich dafür ein, dass die Prüfung rasch erfolgen kann und Insolvenz-Entgelt ausbezahlt werden kann.

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