AK zerpflückt grüne Produktpalette der Banken

Selbst beim besten Willen ist es gar nicht so einfach, wirklich nachhaltig zu investieren. Denn nicht alles, was sich grün nennt, ist auch tatsächlich grün – zumindest ist das oft schwer nachzuprüfen. Zu diesem Ergebnis kommt die Arbeiterkammer in einer Studie über nachhaltige Finanzprodukte – mit Schwerpunkt auf nachhaltige Investmentfonds. Gecheckt wurde dabei auch die Qualität der Beratung. Dafür waren die Konsumentenschützer bei 16 Finanzinstituten Mystery-Shoppen.

Eine Investition ist laut EU erst dann nachhaltig, wenn sie wesentlich zur Verwirklichung von Umweltzielen wie etwa Klimaschutz beiträgt. Weiters müssen internationale soziale und arbeitsrechtliche Mindeststandards eingehalten werden. Dafür müssen die Finanzdienstleister offenlegen, inwiefern Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren bei der Anlageentscheidung berücksichtigt werden, wie die AK am Dienstag erklärte.

In Österreich sei die Regulierung „zu sanft“, resümierten die Leiterin des Bereichs Konsumentenschutz in der AK Wien, Gabriele Zgubic, und AK-Finanzexperte Christian Prantner. Da klare Definitionen beziehungsweise Mindestgrenzen fehlten, was im Sinne von Artikel 8 oder 9 der Offenlegungsverordnung als nachhaltig gilt, definierten Finanzinstitute selbst, welcher Fonds nachhaltig sei. „So können Finanzprodukte als nachhaltig eingestuft werden, selbst wenn nur 1 Prozent des Fondsvolumens tatsächlich nachhaltig ist“, kritisierten die Verbraucherschützer.

Die AK stellt den Banken nach ihren Praxis-Tests insgesamt kein gutes Zeugnis aus und fordert mehr nachhaltige Finanzprodukte im Giro-, Spar- und Kreditbereich, nachhaltigkeitsbezogene Mindestkriterien für alle Finanzprodukte, die als Untergrenze herangezogen werden können – etwa auch eine „Blacklist“, die bestimmte Unternehmen ausschließt, – sowie eine aktivere Rolle der Finanzmarktaufsicht. Weiters hätten die Konsumentenschützer gern ein höheres Maß an Transparenz in der Nachhaltigkeitsberichterstattung – Publizitätsvorschriften sollten durch Vorgaben präzisiert werden, so der Wunsch.

Es müssten auch genauere Kriterien für Nachhaltigkeit festgelegt werden, insbesondere in der Taxonomie- und Offenlegungsverordnung. Bei der Verwendung von Ausschlusskriterien – beispielsweise für die Rüstungsindustrie oder den Glücksspielsektor – sollte es ihrer Meinung nach „keine allzu großzügigen Toleranzgrenzen“ geben. Da Greenwashing in der Praxis schwer nachzuweisen ist, sollte es dafür laut AK einen definierten Kriterienkatalog geben, anhand dessen Beurteilungen vorgenommen werden können, etwa betreffend Werbebotschaften oder Kundeninformationsdokumenten.

Auch die Beratung in den Banken ist den Konsumentenschützern zufolge verbesserungswürdig. Obwohl im Vorfeld ausdrücklich ein nachhaltiges Produkt gewünscht wurde, wurden den Testkäuferinnen und -käufern beim AK-Mystery-Shopping wiederholt ausschließlich herkömmliche Fonds angeboten. Sie hatten „mittlere Risikobereitschaft“ angegeben. Aber jeder zweite offerierte Fonds war ein Aktienfonds mit hohem Risiko (Stufe 6 von 7), diese Vorgabe sei also „häufig ignoriert“ worden, berichtete die AK. Zudem sollten in der Beratung als Bestandteil des Gesprächs integriert werden, fordern die Verbraucherschützer.

Die Informationsqualität im Kundeninformationsdokument (KID) von Investmentfonds sei zu verbessern. Die gesetzlich vorgesehenen „Wesentliche Anlegerinformationen“ sind laut AK „zu wenig kundenfreundlich gestaltet“ – sie enthielten „zu viel Jargon, zu viele Kürzel, eine zu vage Beschreibung der Risiken und zu ungenaue Hinweise auf Nachhaltigkeit“.

Es mangle insgesamt an Transparenz. Derzeit legen die Finanzinstitute der AK zufolge „keinen Wert darauf, auf ihren Websites mehr über die beiden Verordnungen zu informieren als gesetzlich vorgeschrieben“. Den besten Informationsstandard hätten die 17 untersuchten Kapitalanlagegesellschaften aufgewiesen. Die Hälfte informiere gut – zum Beispiel über den Nachhaltigkeit-Investmentprozess, Ausschlusskriterien und Engagement-Policy. Hingegen präsentierten „nur einige wenige Banken“ ihre Nachhaltigkeit gut und verständlich auf ihren Webseiten.

Auch die Bereitschaft nachhaltig zu investieren, stufen die Konsumentenschützer als de facto mangelhaft ein. Bei den meisten Finanzinstituten werde nach wie vor in Quartalen gedacht, „Rendite geht vor Nachhaltigkeit“. Gebe es von der Unternehmensspitze ein Commitment zur Nachhaltigkeit, strahle dieses auf das ganze Unternehmen aus. „Dieses Commitment war nicht bei allen untersuchten Finanzinstituten festzustellen“, hielt die AK fest. Das zeige sich auch am Engagement, also dem aktiven Einwirken auf Wirtschaftsunternehmen, ihr Geschäftsmodell nachhaltiger zu gestalten: Nur sieben von 28 befragten Banken betrieben Engagement, etwa durch Dialog – vier hätten konkrete Beispiele dafür genannt. Bei den Kapitalanlagegesellschaften sei der Anteil höher: 13 von 17 befragte Fondsgesellschaften gaben Engagement-Aktivitäten zum Beispiel durch Stimmrechtsausübung in Hauptversammlungen an. Zehn hätten dies zudem mit konkreten Beispielen untermauert, vermerkte die AK als positiv.

Die nachhaltige Produktpalette sei insgesamt noch dünn. Die 17 befragten Kapitalanlagegesellschaften hätten zwar 400 nachhaltige Investmentfonds (nach Artikel 8 der Offenlegungsverordnung) und 92 Fonds, die nach dem österreichischen Umweltzeichen zertifiziert sind, genannt. Doch habe sich gezeigt, dass sich nachhaltige Investmentfonds in der Zusammensetzung kaum unterschieden. Das liege auch daran, dass die meisten Kapitalanlagegesellschaften sich auf die Analyse von lediglich zwei Nachhaltigkeitsrating-Agenturen – MSCI ESG und ISS ESG – stützten. „Zudem unterscheiden sich nachhaltige nicht signifikant von herkömmlichen Fonds, da große Unternehmen auch als nachhaltig eingestuft werden“, kritisierte die AK. Neben nachhaltigen Fonds gebe es nachhaltige Giro- und Spareinlagen, Green Bonds und Green Loans. Erstere würden aber nur von fünf der 24 befragten Banken angeboten; Green Bonds und Green Loans nur von vier der 24 Banken, sie gewinnen also erst langsam an Bedeutung.

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