Aktionsplan soll Verfall der türkischen Lira stoppen

Währung allerdings noch immer nicht stabil – Präsident Erdogan teilt weiter gegen die USA aus und verfällt erneut in Kriegsrhetorik

Die türkische Lira hat seit Jahresbeginn 40 Prozent an Wert verloren, die Nationalbank und die Staatsführung kämpfen jeweils mit ihren Mitteln gegen den Verfall.
Die türkische Lira hat seit Jahresbeginn 40 Prozent an Wert verloren, die Nationalbank und die Staatsführung kämpfen jeweils mit ihren Mitteln gegen den Verfall. © AFP/Akgul

Es gleicht zumindest momentan einem Kampf gegen Windmühlen: Die Türkei stemmt sich gegen den dramatischen Verfall der Lira. Die Zentralbank des Landes kündigte am Montagmorgen an, die Liquiditätsversorgung der Geschäftsbanken sicherzustellen. Sie werde den Finanzmarkt genau beobachten und alle notwendigen Schritte ergreifen, um die Finanzstabilität zu sichern. Der Erfolg des Maßnahme verpuffte aber rasch. Die türkische Währung legte zunächst zu, rutschte dann aber wieder ab.

Seit Jahresbeginn hat die Lira mehr als 40 Prozent ihres Wertes verloren, seit heute gelten die neuen verschärften Strafzölle auf Stahl und Aluminium. Die türkische Wirtschaft kommt also immer mehr unter Druck.

bezahlte Anzeige

Entscheidende Zinsfrage

Für viele Experten wäre es in der aktuellen Situation für die Türkei am besten den Leitzins deutlich nach oben zu schrauben. Aktuell liegt er bei 17,75 Prozent, eine Anhebung auf mehr als 20 Prozent wird immer wieder gefordert. Allerdings ist der türkische Präsident Recep Erdogan ein strikter Gegner einer weiteren Erhöhung. Sein Schwiegersohn Berat Albayrak, Finanz- und Wirtschaftsminister des Landes, reagiert derzeit noch mit beruhigenden Tweets auf die zugespitzte Lage.

Erdogan wettert weiter

Erdogan indes sieht sein Land weiterhin als Opfer einer Verschwörung und wettert vor allem ungebremst gegen die USA. Ohne sie direkt zu erwähnen, nannte er die Vereinigten Staaten die „Kraftmeier des globalen Systems“. An Trump gerichtet sagte er: „Du kannst nicht einfach aufwachen und sagen ich führe diese Zölle auf Stahl und Aluminium ein. Das kannst Du nicht sagen.“ Er verwies darauf, dass der Türkei als NATO-Partner damit „in den Rücken und die Füße geschossen“ worden sei.

Auch seiner Kriegsrhetorik der vergangenen Tage blieb Erdogan treu. Staaten, die Frieden wollten, müssten bereit zu Krieg sein, sagte er. „Wir sind bereit, mit allem, was wir haben.“

Sorgen werden größer

International werden die Bedenken angesichts der Eskalationen immer größer. Der Chef des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo, Clemens Fuest, hält die Türkei-Krise für hochgefährlich. „Wir müssen uns massiv Sorgen machen“, so Fuest im „Handelsblatt“. Auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel meldete sich zu Wort und warnte vor einer wirtschaftlichen Destabilisierung der Türkei. „Deutschland möchte eine wirtschaftliche prosperierende Türkei“, betonte die Merkel.