Al-Kaida-Chef bei US-Drohnenangriff in Afghanistan getötet

Al-Sawahiri auf einer Aufnahme aus 2009 © APA/SITE INTELLIGENCE GROUP/-

Mit einem gezielten Drohnenangriff in Afghanistan haben die USA den Anführer des Terrornetzwerks Al-Kaida, Ayman al-Zawahiri, getötet. US-Präsident Joe Biden verkündete am Montag in Washington, der Nachfolger von Osama bin Laden sei am Wochenende bei einem „Präzisionsschlag“ in der afghanischen Hauptstadt Kabul ums Leben gekommen. Zivile Opfer habe es nicht gegeben. „Jetzt wurde der Gerechtigkeit Genüge getan. Und diesen Terroristenführer gibt es nicht mehr“, sagte Biden.

Der 71 Jahre alte Zawahiri war Nachfolger von Osama bin Laden, dem Kopf der Terroranschläge vom 11. September 2001 mit annähernd 3.000 Toten in den USA. Nach Bin Ladens Tötung durch eine amerikanische Spezialeinheit in Pakistan 2011 rückte der Ägypter an die Spitze. Allerdings gelang es ihm nie, unter den Jihadisten das Ansehen seines Vorgängers zu erreichen. Zawahiris Videos zeichneten sich durch spröden und längliche Vorträge aus.

Bidens bezeichnete Zawahiri als Drahtzieher von Anschlägen auf US-Amerikaner über Jahrzehnte hinweg. Auch beim Angriff auf das US-Kriegsschiff „USS Cole“ im Jahr 2000, bei den 17 US-Soldaten getötet wurden, habe er eine Schlüsselrolle gehabt. Er habe auch die Anschläge 1998 auf US-Botschaften in Kenia und Tansania, bei denen mehr als 200 Menschen getötet wurden, geplant. Der gelernte Arzt aus Kairo trug den Spitznamen „Terror-Doktor“.

Eine ranghohe Vertreterin der US-Regierung sagte, die Attacke auf Zawahiri sei über Monate vorbereitet worden. Er sei schließlich getötet worden, als er auf den Balkon seines Unterschlupfes in Kabul getreten sei. Zivile Opfer habe es nicht gegeben, nach US-Erkenntnissen sei lediglich Zawahiri bei der Attacke ums Leben gekommen. Bei dem Einsatz seien auch keine US-Kräfte in Kabul gewesen. Sie betonte, US-Erkenntnissen zufolge hätten Mitglieder der Taliban-Führung gewusst, dass sich der Al-Kaida-Chef in Kabul aufhielt. Sie hätten damit klar gegen Vereinbarungen mit den USA verstoßen.

Die radikalislamischen Taliban erklärten, ein Wohnhaus in Kabul sei am Sonntag mit einer Drohne angegriffen worden. Sie verurteilten die Attacke und warfen den USA den Bruch internationaler Prinzipien und des Vertrages zum Abzug der US-Truppen aus Afghanistan vor. Die Taliban-Behörden sperrten die Gegend um das Haus im Stadtviertel Sherpoor ab und ließen keine Medienvertreter in die Nähe.

Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte Zawahiri im vergangenen September – genau 20 Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. In einer Videobotschaft rief er seine Anhänger damals auf, die Staaten im Westen und ihre Verbündeten im Nahen Osten zu bekämpfen. In den Jahren davor hatte es unbestätigte Gerüchte über seinen Tod gegeben. Sein genauer Aufenthaltsort war unbekannt.

Auch über seinen Gesundheitszustand wurde gerätselt. Medien berichteten 2019 unter Berufung auf Geheimdienstinformationen, Zawahiri leide unter Herzproblemen. Seine Tötung kam nun überraschend. Die USA hatten ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar (rund 24,4 Millionen Euro) auf den Ägypter ausgesetzt. Experten hatten zuletzt vermutet, dass sich Zawahiri im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan versteckt.

Ein ranghoher Taliban-Beamter erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, Zawahiri habe sich zuvor in der Provinz Helmand aufgehalten und sei nach der Übernahme der Macht durch die Taliban im August vergangenen Jahres nach Kabul gezogen.

Die Taliban hatten im vergangenen Sommer Afghanistan vollständig eingenommen. Die USA und ihre Verbündeten verließen damals nach jahrelangem Militäreinsatz das Land. Die Taliban-Regierung wird international nicht anerkannt.

Der Drohnenangriff ist der erste bekannte US-Angriff in Afghanistan, seit die US-Truppen und Diplomaten das Land im August 2021 verlassen haben. Zawahiris Tod wirft auch die Frage auf, ob der Al-Kaida-Chef nach der Übernahme Kabuls durch die Taliban im August 2021 Zuflucht bei ihnen fand. „Die Taliban werden sich für die Anwesenheit von Zawahiri in Kabul verantworten müssen, nachdem sie der Welt versichert haben, dass sie Al-Kaida-Terroristen keinen sicheren Hafen bieten werden“, sagte Adam Schiff, Vorsitzender des ständigen Geheimdienstausschusses des Repräsentantenhauses, in einer Erklärung. US-Außenminister Antony Blinken sagte, die Taliban hätten das Doha-Abkommen zwischen beiden Seiten „grob verletzt“, indem sie Zawahiri beherbergten und ihm Unterschlupf gewährten.

Der ehemalige Präsident Barack Obama lobte die Tötungsaktion am Montag. „Die heutige Nachricht ist auch ein Beweis dafür, dass es möglich ist, den Terrorismus auszurotten, ohne in Afghanistan Krieg zu führen“, so Obama in einer Twitter-Nachricht.

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