Albertina zeigt Landschaftsbilder aus 500 Jahren

Nach einigen Lockdown-bedingten Verschiebungen und einem nur wenige Tage dauernden „Silent Opening“ vor der „Osterruhe“ steht die Ausstellung „Stadt und Land“ in der Albertina nun für Besucher bereit. Entscheidet sich Wien am heutigen Dienstag nicht anders, kann die Schau, die 170 Werke aus fünf Jahrhunderten umfasst, ab kommender Woche besucht werden. Eine virtuelle Eröffnung findet am heutigen Abend statt. Es ist eine aus der Not geborene Schau, die sich sehen lassen kann.

Schließlich entstand „Stadt und Land. Zwischen Traum und Wirklichkeit“ kurzfristig, nachdem klar geworden war, dass die geplante Edvard Munch-Schau in diesem Frühjahr coronabedingt verschoben werden muss. Albertina-Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder bezeichnete die von Eva Michel kuratierte Schau als „grandiose Improvisationsleistung, die aus dem Nichts entstand“. Nun, da alles fertig sei, frage er sich: „Hat es wirklich einer Pandemie bedurft, diese Ausstellung zu machen?“ Ein umfassender Überblick über die Landschaftsbilder der eigenen Sammlung sei eigentlich „schon längst überfällig“ gewesen. Auch Parallelen zur neuen Normalität findet Schröder in der Schau, die „zwischen Wirklichkeitswahrnehmung, Wirklichkeitskritik und Wirklichkeitsverdrängung oszilliert“.

Und die Polarität zwischen Realismus und Idealismus ist im Verlauf der sowohl chronologisch als auch geografisch angeordneten Ausstellung immer wieder sichtbar. Sie beginnt mit Dürer, Bruegel und Tizian im 16. Jahrhundert, als das autonome Landschaftsbild – und damit ein neuer Realismus – im Entstehen war. Bereits im ersten Raum wechseln Ansichten von Städten wie etwa Dürers Aquarelle von Innsbruck (um 1495) und Landschaften wie Albrecht Altdorfers „Die große Fichte“ (1517-20). Auch in einer Federzeichnung Tizians mit dem Titel „Arkadische Landschaft mit Hirten“ zeichnet sich die Hinwendung zur Natur als eigenständiges Bildsujet ab.

Bereits mit Beginn des 17. Jahrhunderts beginnt schließlich „das goldene Zeitalter der Landschaft“: Hier rückt die Albertina die Niederlande ins Zentrum und zeigt etwa die 1643 entstandene Radierung „Die Landschaft mit den drei Bäumen“ von Rembrandt oder eindrucksvolle Hafenansichten von Ludolf Bakhuizen. Ebenfalls im 17. Jahrhundert zog das „Licht des Südens“ zahlreiche Landschaftsmaler nach Italien, was Waldansichten von Nicolas Poussin oder Claude Lorrain zeigen. „Architekturfantasien“ dominierten unterdessen im 18. Jahrhundert, hier sind eindrucksvolle Ansichten von Venedig von Francesco Tironi und Canaletto dominant.

Die „Natur im Wandel“ thematisierten schließlich Heinrich Theodor Wehle, Jacob Wilhelm Mechau oder Karl Postl im frühen 19. Jahrhundert, als vermehrt auch der Einfluss des Menschen auf die Natur sichtbar wird. Aus dem Jahr 1817 stammt Jakob Alts „Blick auf Wien von der Spinnerin am Kreuz“, das Wien als Metropole am Horizont inmitten einer üppigen Grünlandschaft zeigt.

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Abgeschlossen wird die Schau schließlich mit einem veränderten Blick auf die Wirklichkeit, wenn zwischen den Werken von Rudolf von Alt und Renoir Ende des 19. Jahrhunderts scheinbar Welten liegen. Hier finden sich auch Grafiken von van Gogh, Aquarelle von Cezanne oder – schließlich in der Moderne angekommen – Egon Schieles „Alte Häuser in Krumau“ oder Alfred Kubins „Schlachthausruine“. Die Abstraktion wird schließlich noch mit Paul Klee, Emil Nolde und August Macke gestreift, bevor der Besucher schließlich wieder in die Wirklichkeit von heute entlassen wird.

Dort kann er dann an der „Instagram Challenge“ der Albertina Teilnehmen: Unter dem Hashtag #StadtLandAlbertina sind Besucher eingeladen, Landschafts- oder Stadtfotos zu teilen. Die Bilder werden während der Ausstellung auf der Challenge-Wall im Museum zu sehen sein. „Die Albertina wendet sich mit der Foto-Challenge auch an ein junges Publikum, da die Freiflächen rund um das Hauptgebäude gerade in den letzten Wochen wieder ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche geworden sind. Im Sinne der Diversität sind selbstverständlich nicht nur Fotos aus Österreich sondern Fotos aus aller Welt zugelassen und erwünscht“, heißt es dazu seitens des Museums.

(S E R V I C E – „Stadt und Land. Zwischen Traum und Wirklichkeit“, bis 22. August in der Albertina. Infos unter )

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