Alleskönner unter den Knollen

Ein scharfer Geselle, die Zwiebel, ist schon seit den alten Ägyptern in Küche und Volksmedizin unentbehrlich und erfreut sich bis heute ungebrochen großer Beliebtheit.

Tipps von der Kräuterfee

Von Gisela Nimmervoll

Die Tränen fließen und die Nase läuft, wenn es der Zwiebel an die Schichten geht. Dennoch wollen wir die Powerknolle nicht missen, verleiht sie doch einer Vielzahl von Gerichten den runden, würzigen Geschmack. Und nicht nur in der Küche, auch in der Hausapotheke darf die Zwiebel nicht fehlen. So griff bereits Oma zur scharfen Knolle, wenn Husten und Schnupfen die Familie plagten.

Zwiebelhonig
Husten, Erkältung
Eine große Zwiebel in kleine Stücke schneiden, in ein Schraubglas füllen und mit Honig übergießen, über Nacht ziehen lassen. Der Zwiebelhonig kann dann pur eingenommen werden – alle zwei bis drei Stunden ein bis zwei Esslöffel.

Zwiebelsäckchen
Ohrenschmerzen, Erkältungskrankheiten
Zwei bis drei Zwiebeln klein schneiden und in ein Mullsäckchen füllen. Etwas Wasser zum Kochen bringen. Topfdeckel umdrehen und das Säckchen drauflegen, bis es gut durchgewärmt ist. Dann mit einer Flasche über das Säckchen rollen, um etwas Saft aus den Zwiebeln zu pressen. Das Zwiebelsäckchen mindestens ein bis zwei Stunden auf das schmerzende Ohr legen – am besten über Nacht. Bei Erkältung zwei Zwiebelsäckchen über Nacht auf die Fußsohlen binden. Die Wirkstoffe der Zwiebel sollen die Entzündungen aus dem Körper ziehen.

Schwefelverbindungen, darunter das Alliin, sind der Grund dafür, warum wir beim Zwiebelschneiden weinen und dafür, dass Zwiebeln bei einer Reihe von Erkältungskrankheiten zum Einsatz kommen. Diese Schwefelverbindungen wirken antibakteriell und stärken unser Immunsystem. Zudem reinigt das Weinen die Schleimhäute von Augen und Nase.

Viele Einsatzmöglichkeiten

Zu den bekanntesten Hausmittelchen zählt der Zwiebelsirup bei Husten. Hier wird einfach eine Zwiebel klein geschnitten, mit Rohrzucker schichtweise in ein Glas gefüllt und die Mischung einige Stunden ziehen gelassen — dann kann der am Glasboden entstandene Zwiebelsirup löffelweise eingenommen werden. Verwendet man statt Zucker hochwertigen Honig, profitiert man zusätzlich von der antibakteriellen und entzündungshemmenden Wirkung.

Haben sich Kinder eine Erkältung eingefangen, schwören viele Mütter auf die aufgeschnittene Zwiebel neben dem Bettchen. So können die gesundheitsbringenden Schwefelverbindungen über die Luft auf die Atemwege wirken. In der Homoöpathie ist die Küchenzwiebel – Allium cepa – ebenfalls eines der bekanntesten Mittel. Ganz nach dem Ähnlichkeitsprinzip setzt man es bei Erkältung mit Fließschnupfen und tränenden Augen ein. Und sogar zur Narbenpflege nach Operationen wird gerne Zwiebelextraktsalbe empfohlen, auf Hühneraugen träufelt man frischen Zwiebelsaft und bei Insektenstichen lindert eine frisch aufgeschnittene Zwiebel, die man auf den Stich legt, den Juckreiz.

Als eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit wird die Küchenzwiebel bereits seit tausenden Jahren kultiviert. Zwiebeln waren schon bei den Ägyptern ein wichtiges Nahrungsmittel, um die Arbeiter beim Bau der Pyramiden zu stärken. Sie wurden den Toten auch als Wegzehrung für die Reise ins Jenseits mitgegeben – so sollen in Tutanchamuns Grab Zwiebelreste gefunden worden sein. Damals wie heute nimmt die Zwiebel einen wichtigen Stellenwert als Heil-, Gewürz- und Gemüsepflanze ein.

Rote und weiße Zwiebel, Gemüse- und Küchenzwiebel genauso wie Frühlings- und Winterzwiebel – selbst die Sortenvielfalt lässt nichts zu wünschen übrig. Gemüse- und Küchenzwiebeln schmecken besonders scharf, die roten und weißen Zwiebelknollen werden dank ihrer milden Schärfe gerne für Salate verwendet.

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