Als der Papst im Gefängnis war …

Kuriose und zugleich tragische Weihegeschichte der neuen Kirche von Linz-Ebelsberg

Pius VII., Porträt von Jacques-Louis David, 1805
Pius VII., Porträt von Jacques-Louis David, 1805 © wiki

Von Günter Khinast

Die große Europäische Geschichte hat oft geradezu kuriose, aber auch tragische Auswirkungen im Kleinen. Zum Beispiel, wenn eine neu erbaute Kirche nicht geweiht werden kann, weil der Papst im Gefängnis ist. So geschehen vor 200 Jahren in Linz-Ebelsberg. Ein Kirchweihfest erinnert jetzt an dieses Ereignis.

Im Zuge der blutigen Schlacht der Österreicher gegen Kaiser Napoleon am 3. Mai 1809 in Ebelsberg brannte die dortige Kirche fast vollständig ab. Schon im Dezember 1811 war das Gotteshaus so weit wiederhergestellt, dass Messen gefeiert werden konnten. Doch eine Weihe sollte erst 18 Jahre später möglich werden.

Das war eine Folge des Machtkampfes zwischen Papst Pius VII. und Napoleon, eines höchst ungleichen Kampfes zwischen dem kleinen, schmächtigen und etwas gebeugten, aber sehr verbindlichen Oberhaupt der katholischen Kirche und dem sich immer diktatorischer gebärdenden Kaiser der Franzosen.

„Wild gewordener Irrer“

Der Papst war Napoleon gegenüber lange nachgiebig gewesen, aber als dieser ihn zwingen wollte, sich seiner Kriegspolitik zu unterwerfen, — „Eure Heiligkeit ist der Fürst von Rom, aber ich bin sein Kaiser. Alle meine Feinde müssen die seinigen sein!“ — sagte der Papst ein klares Nein: Er diene dem Gott des Friedens, schrieb er an Napoleon, und das bedeute Frieden mit allen, ohne Unterschied.

1809 machte Napoleon den Kirchenstaat zu einem Teil Frankreichs. Pius VII. reagierte sogleich und exkommunizierte alle „Usurpatoren“, die an diesem Sakrileg beteiligt waren. Die Heftigkeit überraschte Napoleon. „Ich erhalte die Nachricht, dass der Papst mich exkommuniziert hat“, schrieb er, „das ist ein wild gewordener Irrer, den man einsperren muss.“ Ein französischer General nahm des Kaisers zornige Äußerung ernst und den Papst zum Gefangenen. Pius VII. wurde schließlich auf Schloss Fontainebleau interniert. Aber er verstand es, aus seiner politischen Ohnmacht als Verfolgter in der willkürlichen Gewalt des Machtmenschen einen moralischen Triumph zu machen.

Er stellte klar, er sei Napoleons Gefangener, aber nicht seine Marionette. Aussprüche, die Personen in den Mund gelegt werden, sich jedoch historisch nicht belegen lassen, charakterisieren Personen und Situationen oft markanter als beschreibende Worte. Auf die Drohung Napoleons, er habe die Macht, die römische Kirche zu zerstören, soll Pius VII. mit mildem Lächeln geantwortet haben: „Das haben zweihundert Päpste vor mir nicht geschafft. Warum sollte es ausgerechnet Ihnen gelingen?“

Der Papst weigerte sich, als Gefangener Bischöfe, die von Napoleon ernannt wurden, zu bestätigen, oder Bischöfe neu zu ernennen. Als der Bischofsstuhl in Linz vakant wurde, bestellte Kaiser Franz I. 1809 den hochbetagten Sigismund Ernst Hohenwart zum Bischof von Linz. Weil dieser aber vom Papst nicht bestätigt wurde, empfing er keine Bischofsweihe. Er konnte die Diözese zwar verwalten, besaß aber keine Weiherechte und konnte daher auch nicht die Weihe der neu erbauten Ebelsberger Kirche vornehmen. Nach den Niederlagen Napoleons 1814 zog der Papst, umjubelt von der Bevölkerung, wieder in Rom ein. Feierlich eingeweiht wurde die Kirche erst durch den Nachfolger Hohenwarts, Bischof Gregorius Thomas Ziegler, einem leidenschaftlichen Kämpfer gegen den Liberalismus, aber auch einem entschiedenen Gegner des Protestantismus, der in seinen Augen in der Öffentlichkeit zu sehr präsent geworden war. Warum die Weihe erst 1829 erfolgte, wissen wir nicht.

Am 27. und 28. April feiert die Pfarre Ebelsberg ihr Kirchen-Jubiläum. Ein neuer Kirchenführer von Günter Khinast ist in der Pfarre erhältlich.

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