Als Putins „grüne Männchen“ kamen

Vor fünf Jahren raubte Russland die Krim und Europa eine Illusion

Grün uniformierte Männer ohne Hoheitsabzeichen annektierten vor fünf Jahren die Krim. Erst hinterher gab Putin zu, dass es russische Soldaten waren.
Grün uniformierte Männer ohne Hoheitsabzeichen annektierten vor fünf Jahren die Krim. Erst hinterher gab Putin zu, dass es russische Soldaten waren. © AFP/Kravtsov

Es war wie in der überwunden geglaubten Sowjetzeit der „brüderlichen Hilfe“: Russische Nationalisten auf der ukrainischen Halbinsel Krim setzten einen Hilferuf ab — und wurden prompt erhört.

Kremlchef Wladimir Putin nutzte die Gelegenheit, um dem Westen, der gerade in der Ukraine einen Aufstand gegen eine prorussische Regierung unterstützt hatte, die Stirn zu bieten.

Putins Blitzsieg

„Sie haben unseren Schutz gewährleistet“, sagt Sergej Zekow, Chef der Organisation Russische Gemeinschaft der Krim. Mit „sie“ meint er die „freundlichen „grünen“ Männer. Es waren schwer bewaffnete Soldaten, die aber keine Hoheitsabzeichen trugen. Moskau bestritt zunächst, dass es russische Soldaten seien. Erst später gab Putin selber zu, dass die „grünen Männchen“ der russischen Armee angehörten. Es war eine Invasion. Blitzschnell lief die Geheimoperation „Russischer Frühling“ 2014 auf der Krim ab: am 16. März fiel bei einer international nicht anerkannten Volksabstimmung das Votum für die Vereinigung der Halbinsel und ihren rund zwei Millionen Menschen mit Russland. Eine völkerrechtswidrige Annexion. Am 18. März folgte der Vertrag.

Geplatzter Friedenstraum

Das Expansionsabenteuer veränderte nicht nur Russland. Das Verhältnis zum Westen ist seither so gespannt wie zuletzt im Kalten Krieg. Putin hat nicht nur die Krim geraubt, sondern Europa die Illusion von einer friedlichen Entwicklung auf dem Kontinent, wo Konflikte nicht mehr militärisch, sondern auf dem Verhandlungstisch ausgetragen werden.

Der Westen beklagte einen historischen Vertrauensbruch. Bis heute geltende Wirtschaftssanktionen folgten. Die Nato verstärkte im Baltikum ihre Präsenz. Russland und der Westen rüsten auf. Die kremlkritische Zeitung Nowaja Gaseta bilanziert, dass Russland mit seinem „Größenwahn“ Entwicklungschancen verspielt habe. „Dieser Weg führt in die Sackgasse, er schwächt und marginalisiert das Land.“

Ganz anders die offizielle Linie Russlands, das sich als wieder erstarkte Rohstoff- und Atommacht von niemandem Vorschriften machen lässt. Die Heimholung der Krim ins russische Reich hat Putin viele Sympathien eingetragen. Auf der Krim selbst sorgt er mit Milliardeninvestitionen, von denen anderen russische Regionen nur träumen können, für gute Stimmung.

In der Ukraine ist die Krim vor der Präsidentenwahl am 31. März eher ein Randthema. Viel größer ist die Sorge wegen des blutigen Konflikts im Osten, wo seit April 2014 aus Russland unterstützte Separatisten gegen Regierungstruppen kämpfen. Auch dieser Konflikt ist ungelöst…