Alte Musik in neuer Klangkombination

Das anders besetzte Trio Fondo Barocco überraschte im Linzer Schloss mit Renaissance- und Barockwerken

Ensembles mit der Pflege historischer Aufführungspraxis sind keine Seltenheit und boomen auch heute. Aber was es am Freitag im Barocksaal des Linzer Schlosses zum Kennenlernen gab, war für das Abonnementpublikum mehr als eine Überraschung.

Ein Generalbass-Trio mit den Spezialisten Marie Orsini-Rosenberg (Barockcello), Herwig Neugebauer (G-Violone, Darabouka — eine vasenförmige Trommel) und David Bergmüller (Lauten).

2016 noch ein Duo, entdeckten sie die Möglichkeiten einer Ausführung des Continuo-Parts mit nur einem Streichinstrument und waren so begeistert, dass sie das Trio Fondo Barocco wurden. Die reizvollen Klangkombinationen entstehen dadurch, dass alle Instrumente sowohl die solistische als auch begleitende Rolle übernehmen können.

Übrigens war diese Musizierart im 17. und 18. Jahrhundert durchaus üblich. Die Baroccos, portugiesisch bezeichnet, nennen sich nicht umsonst nach dem Barock, der letzten alle europäischen Regionen umfassenden Stilepoche, die ihre Wurzeln in der italienischen Renaissance hat und etwa um 1600 entstanden ist. Diese reichen ungefähr bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts, dem Generalbasszeitalter. Aber so genau nimmt es die Geschichte nicht. Längst sind in der Musik die historischen Grenzen der Epoche fließend.

Der Schwerpunkt des Programms mit teils unbekannten Komponisten und Werken lag natürlich auf der italienischen Barock- und Renaissancemusik. Und davon mit besonderer Beachtung der Cellosonaten, von denen vier zu hören waren. Zwei von Domenico Gabrielli und je eine von Giovanni Bononcini sowie von Antonio Vivaldi, die unweigerlich zum Höhepunkt des Abends führte.

Dazwischen standen die Namen Philipp Friedrich Böddecker, Joan Ambrosio Dalza, Giulio de Ruvo, Anonymus aus dem 13. Jahrhundert, Diego Ortiz, Thomas Preston, Girolamo Kapsberger und Alessandro Piccinini. Neben dem musikalischen Hochgenuss fühlte man sich bei der authentischen Gestaltung in die Zeit der Entstehung der Werke versetzt und konnte in der Klangvielfalt und Dynamik orientierende Stimmungszustände erkennen. So abwechslungsreich waren die bezifferten Akkorde und bestimmten den Ablauf des motivisch-thematischen Geschehens der Kompositionen. Ein lehrreicher Abend von bleibendem Wert, der samt einer Zugabe leider nur 90 Minuten dauerte. Bravo!

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