Am 1. Juni startet Crossing Europe unter Corona-Bedingungen

Das Linzer Filmfestival „Crossing Europe“ startet am 1. Juni als eine der ersten Veranstaltungsreihen nach dem Kultur-Lockdown. Bis 6. Juni stehen 123 Spiel- und Dokumentarfilme aus 40 Ländern, darunter 95 Premieren, am Programm. Eine Premiere sowohl für Publikum als auch für die Veranstalter ist auch das personalisierte Ticketing. Festival-Leiterin Christine Dollhofer, die im Herbst zum Filmfonds Wien wechselt, präsentierte am Mittwoch Details ihrer letzten Saison.

Die Covid-Vorschriften haben ein geändertes Programmschema und ein entsprechendes Sicherheitskonzept nötig gemacht: Das Central als zusätzliche Spielstätte – neben City Kino und Moviemento – bringt eine gewisse Erleichterung. Die Sitzplatzvergabe erfolgt im Schachbrettmuster. Die Nachtschiene und ein Teil des Rahmenprogramms entfallen bzw. wandern ins Netz. Zwischen den Filmvorführungen wurde mehr zeitlicher Abstand eingeplant, ein Open-Air-Ticketcontainer soll Schlangen vor den Kinokassen vermeiden, das Online-Ticketing wurde ausgebaut. Die Karten sind diesmal personalisiert. Das wiederum macht eine zweistufige Kontrolle beim Einlass nötig: Zuerst werden die drei „G“ kontrolliert – getestet, geimpft, genesen – und danach die Identität mit dem Namen am Ticket verglichen.

Insgesamt bietet das Festival heuer 67 Prozent der Sitzplatzkapazitäten von 2019 an – 2020 war es abgesagt worden. Auf der Plattform Kino VOD Club sind zudem zehn Premieren des diesjährigen Festivalprogramms abrufbar. Es sei gelungen, die Mehrkosten durch Corona-Maßnahmen und die niedrigeren Ticketerlöse durch Einsparungen aufzufangen, so Dollhofer. Insgesamt verfügt das Festival heuer über ein Budget von 700.000 Euro.

Programmatisch hat „Crossig Europe“ wie üblich viele Filme zu gesellschaftspolitisch und zeitgeschichtlich relevanten Themen im Programm. U.a. wird Daniel Sagers Doku „Hinter den Schlagzeilen gezeigt“. Der Filmemacher hat sich zwei Jahre lang an die Fersen der Investigativ-Abteilung der „Süddeutschen Zeitung“ geheftet – und hatte das Glück, dass just in dieser Zeit das Ibiza-Video dort aufschlug. Filmische Porträts widmen sich u.a. dem alternden Michail Gorbatschow, dem finnischen Architekten Alvar Aalto, der Performance-Künstlerin Marina Abramovic oder der deutschen Avantgarde-Filmerin Ulrike Ottinger.

Der Eröffnungsreigen beginnt mit Maria Schraders Berlinale-Wettbewerbsbeitrag „Ich bin dein Mensch“ – eine Beziehungsgeschichte zwischen der Wissenschafterin Alma (Maren Eggert) und dem Roboter Tom. Der diesjährige Tribute-Gast Ivan Ostrochovsky präsentiert seinen Spielfilm „Servants“ über zwei junge Priesterseminaristen, die in den 1980er-Jahren in der damaligen Tschechoslowakei zwischen die politischen Fronten gerieten. Die Dokumentation „Kupa“ zeigt einen Ausschnitt der Balkanroute und in der Sektion Local Artists befassen sich Gerald Harringer und Johannes Pröll in „Surviving Gusen“ mit der Geschichte der Region rund um das ehemalige KZ. Danach wird wieder leichtere Kost serviert: In „Mandibules“ versuchen die Proponenten eine Riesenfliege zur Bankräuberin auszubilden.

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Im Rahmen des Festivals werden Geld- und Sachpreise im Wert von insgesamt mehr als 30.000 Euro vergeben. Die Hauptauszeichnungen in den Sektionen Fiction, Documentary und Local Artists sowie der Publikumspreis sind mit je 5.000 Euro dotiert, der YAAAS!-Jugendpreis und der MIOB New Vision Award 2021 mit je 3.000 Euro. Die Preisverleihung findet am 5. Juni statt.

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