Am OK Platz ziehen Gewitter auf

Inspirierende Arbeiten von Konzeptkünstler Werner Reiterer im OÖ Kulturquartier

„Eingesperrtes“ Gewitter: Im OK Deck rumort es...
„Eingesperrtes“ Gewitter: Im OK Deck rumort es... © OÖ Kulturquartier

Am OK Platz ziehen Gewitter auf. Auf Knopfdruck. Die Unwetter spielen sich täglich von 15 bis 21 Uhr ab — im Inneren des OK Decks mit bedrohlich aufflackernden Blitzen, Donnergrollen, Regenrauschen. Von außen gut sichtbar zu erleben.

Die Installation von Werner Reiterer lädt dazu ein, die spannende Einzelschau mit Arbeiten des international renommierten Konzeptkünstlers im ersten Stock des OÖ Kulturquartiers zu besichtigen, die bis 21. Februar 2021 (ausgenommen zwischenzeitlichem Lockdown) bei freiem Eintritt unter dem Titel „Locked in“ (zu Deutsch eingesperrt) — so nennt Reiterer zur Zeit passend seine Imitation des Naturschauspiels — zu sehen ist. „Es geht darum, wie sich Weltbilder generieren“, sagt der Künstler. Wie hier analog aus Sinneseindrücken und in einer globalisierten Welt auch abstrakt über diverse Medien, quasi als globalisiertes Bewusstsein.

Ein Kasten, der angeschrien werden will

Drinnen erwartet die Besucher etwa das Objekt „Mutters Rat“, das dazu auffordert, sich so ganz anders zu verhalten, als sonst im Museum, wo Ruhe ein Gebot ist: Der Kasten will laut angeschrien werden, um dann menschlich mit stöhnenden Atemgeräuschen zu reagieren, die in einem Kichern oder Rülpsen der Lampe, die oben drauf steht, gipfeln. Reiterer nimmt damit, wie er selbst sagt, „die Sozialisierung von Ausstellungsräumen auf die Schippe“. Seine Arbeiten lassen den Humor nicht zu kurz kommen.

Die Serie „Take a Walk on the Mind Side“ aus 2020 etwa besteht aus sechs Plakaten, die auch frei zum Mitnehmen aufliegen, von denen jedes in unterschiedliches Erleben, ein anderes Weltbild eintaucht.

Reiterer hat auf einem seine eigene chemische Formel entwickelt, mit der er auf amüsant-skurrile Art die Wurzel des Lebens berechnet, auf einem anderen einen Text gestaltet, der ohne Interpunktion in einer Wurscht daherkommt. Beim Lesen wird der Betrachter entdecken, dass er von selbst die Worte trennt: Mit dem Slogan, der sich ergibt, geht Reiterer Erdöl als Grundstoff für die Industrialisierung nach und spinnt den Faden bis zum Menschen als Ressource für die heutige Informationsgenerierung.

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Wer sich Plakate mitnimmt, kann sich zuhause auf der Rückseite weiteren Ausführungen Reiterers widmen. Ein Künstler, der seine Arbeiten auch gleich selbst erklärt. Wer noch tiefer in dessen Welt eintauchen möchte, dem sei der 40-minütige Film „Werner Reiterer – Jetzt bloß nicht Feuer verschütten!“ (2015) von Ralph Goertz in der Schau empfohlen.

Ein Gedankenpool aus 600 Zeichnungen

Reiterer, 1964 in Graz geboren, lebt und arbeitet in Wien und widmet sich schon seit fast 25 Jahren und mit inzwischene 600 Arbeiten seiner Serie „Die gezeichneten Ausstellungen“, die er stets im gleichen Format und mit der gleichen Technik gestaltet. In Linz, wo Reiter auch schon am Höhenrausch beteiligt war, werden daraus Faksimiles von 40 Graphit-Zeichnungen gezeigt. „Ein Gedankenpool, in den Verschiedenstes einfließt“, so Reiterer — vom Weltraum über landschaftliche Überlegungen bis hin zu Themen wie Industrialisierung, Liebe und Tod. Viele der Grafiken hat Reiterer in Form von Installationen umgesetzt, andere sind nicht realisierbar. Mit der Darstellung eines Pferdes etwa, aus dessen Enden eine Autobahn ihre Spur zieht, zeichnet Reiterer die Entdeckung Amerikas nach. Das Pferd als strategischer Vorteil der Eroberer, das später vom PS-starken Auto abgelöst wird. Dass er sich selbst immer wieder porträtiert, habe nichts mit Narzissmus, sondern vielmehr damit zu tun, dass man selbst der neutralste Platzhalter sei, mit dem man Inhalte quasi ungestört auf die Spitze treiben könne, so Reiterer.

Dringende Empfehlung: Lassen Sie sich auf diese spannenden Arbeiten ein!

Von Melanie Wagenhofer

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