Ampel-Kommission rechnet sich Farben schön

Viele Tests, viele Infizierte in der Bundeshauptstadt © APA/TOBIAS STEINMAURER

Die Infektionszahlen steigen nun wieder deutlich an. Dennoch sinkt die Risikozahl, die für die Farbgebung auf der Corona-Ampel maßgeblich ist. Dies gelingt, indem sich die zuständige Kommission die Zahlen schön rechnet. Es wurden heute wieder einmal neue Parameter herangezogen, die bessere Zahlen ergeben. Somit herrscht weiter in allen Bundesländern geringes Risiko.

Eigentlich hätten nach dem bisherigen Modus die drei westlichen Bundesländer heute wieder zurück in die gelbe Zone des mittleren Risikos rutschen müssen. Dies kommt vor allem daher, dass im Westen kaum getestet wird und es damit auch nur sehr wenige asymptomatische Fälle gibt. Dies trieb bisher die Risikozahl auch bei vergleichsweise geringen Fallzahlen nach oben.

Nunmehr war man in der Gesundheit Österreich GmbH und im Sozialministerium der Meinung, dass diese Daten aufgrund der niedrigen Zahlen nicht mehr aussagekräftig seien. Eine valide und vergleichbare Detektion von asymptomatischen Fällen sei aktuell nicht möglich, heißt es in einem Papier des Gremiums, das der APA vorliegt. Daher wurde der Faktor für die asymptomatischen Fälle herausgerechnet und stattdessen ein Omikron-Abschlag eingeführt, der die geringe Wahrscheinlichkeit einer Hospitalisierung gegenüber Vorgänger-Varianten darstellen soll. Abgelehnt wurde das Modell in der Kommission nur von Wien.

Prompt verbesserte sich die Risikozahl in allen Ländern, vor allem in jenen, die mehr oder weniger auf das Testen verzichten, also eine vergleichsweise hohe Dunkelziffer aufweisen. Quasi bestraft werden die testfreudigen Länder des Ostens. Somit hat Wien, das nach alter Berechnung die sechst günstigste Risikozahl gehabt hätte, nun den schlechtesten Wert. Auch Niederösterreich gewinnt durch das erneuerte Modell vergleichsweise wenig (von 20 auf 14). Dafür sinkt die Risikozahl in Vorarlberg von 29 auf 13 und in Tirol von 28 auf zwölf.

Am Trend wird dieses Zahlenspiel wenig ändern. In vier Ländern gehen die Infektionszahlen schon jetzt aussagekräftig nach oben. Betroffen sind Wien und die drei westlichen Bundesländer, besonders stark Vorarlberg mit plus 30 Prozent, wobei sich auch in sämtlichen Bezirken des „Ländles“ die Werte verschlechterten. Dort sowie in Wien gehen die Zahlen auch bei den besonders gefährdeten 65-Jährigen nach oben. Einen merklichen Rückgang der Fallzahlen insgesamt gibt es nur noch in der Steiermark und im Burgenland.

Die höchste rohe Fallzahl hat weiter Wien, wo aber auch mit Abstand am meisten getestet wird, fast doppelt so oft pro Kopf wie im zweitfleißigsten Bundesland Niederösterreich. So liegen die Positivraten bei den Tests in den drei östlichen Bundesländern auch bei unter zwei Prozent, während sie in den drei westlichen über sieben Prozent ausmachen. Die niedrigste Inzidenz hatte vergangene Woche Voitsberg, die höchste Wien vor Bregenz.

Das Mittel der neuen Berechnungsmethode wurde schon vor nicht allzu langer Zeit angewendet. Mitte Februar reagierte man erstmals auf Omikron und das noch stärker als diesmal. Damals verbesserte sich Wien als „bestes“ Bundesland innerhalb einer Woche von der Risikozahl 1.473 auf 150,8.

In einer schlanken Aussendung der Kommission hieß es heute Nachmittag, man habe auf Basis „der aktuellen österreichischen Empirie sowie der rezenten Studienlage folgend“ erneut die Bewertungskriterien zur Einschätzung des Verbreitungs- sowie Systemrisikos überarbeitet. Insbesondere sei dabei auf Faktoren wie das stark reduzierte Systemrisiko der Omikron-Varianten Bedacht genommen sowie aktuelle Erkenntnisse zur Immunität berücksichtigt worden.

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