AMS-Chef Kopf warnt vor falsche Strukturen durch Kurzarbeit

Durch die Kurzarbeit dürfen nicht falsche Strukturen „konserviert“ werden, warnt AMS-Chef Johannes Kopf. Denn dadurch würden sie sonst längerfristig zu einem Hemmschuh für Reformen.

Als Beispiel nennt Kopf Beschäftigte in der von der Corona-Pandemie schwer getroffenen Stadthotellerie, die statt Kurzarbeit in einem nachgefragten Job in den Alpenregionen besser aufgehoben wären. Im kommenden Frühling müsse ein Weg aus der Kurzarbeit gefunden, so Kopf.

Die Zahl der Betriebe, die kaum überlebensfähig seien, aber nun eine gewisse Zeit über die Krise hinweg gerettet werden, werde „täglich mehr“. Sollte im Frühling der Kurzarbeits-Weg weitergeführt werden, bestehe die Gefahr, dass Steuermittel an nicht überlebensfähige Betriebe verschwendet würden, so Kopf am Samstag im „Ö1-Mittagsjournal“.

Gerade für Langzeitarbeitslose, die auch in wirtschaftlich guten Zeiten „nicht gerne zu Vorstellungsgesprächen eingeladen werden“, werde die Pandemie noch jahrelang nachwirken. Bei den Jugendlichen habe sich die Lage differenziert entwickelt. Sie seien im Lockdown zwar oft die ersten gewesen, die gekündigt wurden – aber auch die ersten, die wieder einen Job gefunden haben. Eine Ausweitung der überbetrieblichen Ausbildung für Junge, die keine Lehrstelle finden, sei gut – aber eine Beschäftigung in der „richtigen Wirtschaft“ wäre besser, erklärte der Vorstand des Arbeitsmarktservice. In der Frage der geplanten Corona-Arbeitsstiftung, an der es Kritik von ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian gab, setzt Kopf auf die bevorstehenden Gespräche mit den Sozialpartnern und der Bundesregierung.

Die hohe Arbeitslosigkeit bei Ausländern hänge auch mit deren meist kurzer Zugehörigkeit zu ihren Betrieben zusammen – es falle eben leichter, sich von Mitarbeitern zu trennen, die man nicht so lange kennt. Die kürzere Verweildauer erkläre sich zum einen aus den Branchen, in denen viele Ausländer arbeiten – beispielsweise im Tourismus und der Zeitarbeit – und zum anderen damit, dass sie nach einiger Zeit oft österreichische Staatsbürger würden.

Die Arbeitslosigkeit werde im Winter, wie jedes Jahr, zulegen, prognostiziert Kopf. Der Höchstwert werde traditionell im Jänner erreicht, hier könnten es rund eine halbe Million Arbeitssuchende werden – wenn es keinen Lockdown gibt. Sollte in den nächsten Monaten nicht ein Medikament gegen den Coronavirus gefunden werden, oder zumindest in Entwicklung sein, dann befürchtet Kopf eine Rezession mit „massiven Folgewirkungen.“

Aber auch bei medizinischen Fortschritten werde es Veränderungen am Arbeitsmarkt geben – Stichwort Home Office und Shared Desk. Denn eine der Erkenntnisse der vergangenen Monate sei: Wer zuhause arbeitet, ist nicht faul, so Kopf.

Ende September lag die Zahl der Arbeitssuchenden bei 408.853 Personen, um 74.389 mehr als vor einem Jahr. Der coronabedingte Höchststand war Mitte April des heurigen Jahres mit 588.000 Jobsuchenden erreicht worden.

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