AMS-Schulungen finden auch während Lockdown vor Ort statt

Im Lockdown gilt österreichweit ein allgemeines Veranstaltungsverbot und ab 20.00 Uhr sollten alle zuhause sein. Von dieser Vorgabe in der entsprechenden Regierungsverordnung ausgenommen sind diesmal die knapp 65.000 Schulungsteilnehmer des Arbeitsmarktservice (AMS). „Es sind die Erfahrungen aus dem Frühjahr, die jetzt zu einer anderen Vorgehensweise führen“, sagte AMS-Vorstand Johannes Kopf am Freitag in der Ö1-Radiosendung „Morgenjournal“ des ORF.

„Das ist schon etwas, das wir aus dem ersten Lockdown gelernt haben, wo wir ja komplett unsere Kurse sozusagen zusperren mussten, verliert man einfach sehr, sehr viele sozial schwächere Leute durch Online-Angebote“, erklärte der AMS-Chef. Während die Oberstufen an den heimischen Schulen für November auf Fernunterricht umstellten, unterrichtet das AMS trotz der österreichweit extrem hohen Corona-Neuinfektionen weitgehend vor Ort weiter. Das gilt nicht nur für Fortbildungen an Maschinen, sondern auch für Sprachkurse. Den AMS-Kursanbietern wird zwar empfohlen auf Online-Unterricht umzustellen, aber nur dort, wo es sinnvoll sei und den Bildungserfolg nicht gefährde.

Viele Arbeitslose seien IT-mäßig nicht entsprechend ausgerüstet, die können nicht einfach nach Hause geschickt werden, berichten AMS-Trainer laut Tageszeitung „Kurier“. Es fehle an Leihgeräten, dazu kämen prekäre Wohnverhältnisse. Die Trainer berichten auch von Problemen beim Präsenzunterricht, wo erhöhte Schutzmaßnahmen wie Abstandsregeln oder Plexiglas-Trennungen mitunter schwierig seien. Dazu kämen krankheits- oder quarantänebedingte Ausfälle von Trainern, die nicht einfach ersetzt werden könnten. „Alles ist nur noch mühsam, wirklicher Unterricht ist das keiner mehr“, so eine der Unterrichtenden.

Für Verunsicherung sorge auch die nächtliche Ausgangssperre ab 20.00 Uhr, wo Abendkurse noch im Gange seien. Um sich abends bei einer Polizeikontrolle ausweisen zu können, sollten Kursteilnehmer eine Teilnahmebestätigung mitführen, empfiehlt das AMS.

„Der Gesundheitsminister hat in Abstimmung mit dem Hauptausschuss des Nationalrates in einer Interessenabwägung zwischen der Sicherung der Gesundheit und der Wahrung der Chancen von Benachteiligten anders als im ersten Lockdown entschieden, dass AMS-Ausbildungen – Zusammenkünfte zur erforderlichen berufliche Aus- und Fortbildung heißt das korrekt in der Verordnung – von dem Veranstaltungsverbot ausgenommen sind, das heißt, stattfinden können“, so Kopf in dem Radio-Interview.

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Der AMS-Chef verwies dabei auf eine Reihe von Studien, wonach „gerade benachteiligte Personen ja nicht profitieren können bei Online-Angeboten“. Es gehe dabei nicht nur um die Frage der Ausstattung, „das erleben wir gerade etwa bei unseren Sprachkursen, dass Migrantinnen und Migranten schlechte technische Ausstattungen haben“, sondern es gehe auch um dieses ruhige Umfeld beim Lernen zuhause. „Also hier hat man einfach entschieden, dass diese Kurse stattfinden können.“

Das AMS habe ein eigenes Monitoring aufgebaut, um ein ganz klares Bild über die Infektionszahlen zu haben und um bei den Kursen gegebenenfalls sofort reagieren zu können, betonte Kopf.

Auch AMS-Sprecherin Beate Sprenger verwies gegenüber dem „Kurier“ darauf, dass alle Bildungsträger beauftragt worden seien, auf strikte Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen wie Mindestabstand, Mund-Nasen-Schutz, Desinfektionsmittel etc. zu achten. Wo möglich, solle laut Covid-19-Verordnung auf eLearning umgestellt werden. Die Entscheidung darüber werde den Schulungsträgern überlassen. „Es macht keinen Sinn, hier starre Regeln vorzugeben“, meinte Sprenger.

„Bei uns bleiben alle AMS-Maßnahmen im Präsenzunterricht aufrecht“, sagte Jan Weinrich, Sprecher des bfi Wien, einem wichtigen Schulungspartner des AMS, laut Zeitungsbericht. Es gebe ein sehr rigides Hygienekonzept bei allen Ausbildungen, die vor Ort stattfinden müssen. „Ich kann ja nicht virtuell schweißen lernen.“

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