An die Oberfläche geholt

Festival der Regionen stellt vielfältiges Programm unter dem Titel „Unter Tag“ vor

Ein Teil des partizipativen Projektes „Vielschichtiche Geschichte(n)“ von Teresa Distelberger sind die „Fundstücke“, Stecknadeln, die ausgewählte Orte mit Geschichte(n) markieren.
Ein Teil des partizipativen Projektes „Vielschichtiche Geschichte(n)“ von Teresa Distelberger sind die „Fundstücke“, Stecknadeln, die ausgewählte Orte mit Geschichte(n) markieren. © FdR

Die Corona-Pandemie hat sich auch auf die Vorbereitungen für die 15. Ausgabe des Festival der Regionen ausgewirkt, die von 25. Juni bis 4. Juli in und um die Salzkammergut-Orte Bad Ischl, Hallstatt, Bad Goisern und Obertraun über die Bühne gehen wird.

Umso mehr freute sich Margot Nazzal, Kulturdirektorin des Landes OÖ, bei der gestrigen Programmpräsentation, dass die „Öffnungsschritte nun zeigen, dass das Festival durchführbar sein wird.“

Es sei ein zentrales Anliegen der Kulturpolitik des Landes — das das biennal stattfindende Festival von Beginn an maßgeblich finanziell unterstützt —, damit der freien Szene „Raum für Entfaltung und Entwicklung” zu geben.

„Man spürt das Festival in Bad Ischl bereits an allen Ecken und Enden“, berichtete die Bad Ischler Kulturstadträtin Marija Gavric, die sich darüber freut, dass die Bevölkerung trotz Pandemie stark eingebunden sei und viele Programmpunkte nachhaltig wirken werden.

Seit letztem Herbst sind KulturNauten und KulturNautinnen — beteiligte Künstler — vor Ort, um ihre Projekte zu entwickeln — corona-bedingt in kleineren Gruppen, als ursprünglich geplant. Das habe dafür gesorgt, dass man, dem Motto „Unter Tag/Underground“ entsprechend, individueller arbeiten und tiefer schürfen habe können, auch was Kooperationsmöglichkeiten und Themen anbelangt, berichtete KulturNautin Teresa Distlberger.

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Gemeinden, Vereine, Schulen, aber auch viele Einzelpersonen haben die Künstler, die freilich zum Teil auch aus der Region stammen, unterstützt. Auch die Künstler selbst seien stark zusammengewachsen, beteiligen sich gegenseitig an Projekten. Stolz zeigten sich die Verantwortlichen auch darauf, dass es gelungen ist, das Budget um ein Drittel aufzustocken.

Ouvertüre auf dem Dachstein-Gletscher

Darauf, wie ursprünglich geplant, Schauplätze im Untergrund zu bespielen, werde man angesichts der Corona-Pandemie verzichten müssen, so Festivalleiter Airan Berg. Alle Live-Veranstaltungen finden nun an der „Oberfläche“ statt, also Freiluft in der herrlichen Landschaft des Salzkammergutes.

Und weil es die zu bewahren gilt, macht man die Umwelt auch schon vorab zum Thema. Der Dachstein-Gletscher wird in einer Ouvertüre zum Festival bereits in der Nacht von 19. auf 20. Juni mit der Landschaftsoper „Signal am Dachstein“ der Niederländer Jeroen Strijbos und Rob van Rijswijk bespielt. Neben Umwelt wird es etwa auch um Themen wie Migration, Frauenleben, Nationalsozialismus und freilich auch Covid-19 gehen, sämtliche Kunstsparten von bildender Kunst über Tanz und Performance bis hin zu Film und Theater werden vertreten sein.

Stecknadeln im Landschaftshaufen

Die Köpfe riesiger Stecknadeln, die in der HTBLA Hallstatt hergestellt werden, tragen Geschichten aus der Region in sich. Anhand einer Landkarte werden die Nadeln aufzuspüren sein. „Fundstücke“ heißt das von Teresa Distlberger entwickelte Projekt, das sich mit dem Thema Nationalsozialismus beschäftigt.

Die schwedische Choreografin Eva Lilja wird unter dem Titel „With Love“ Tanz und Malerei zu Geschichten, die Menschen erzählen, improvisieren. Theatermacher David Mayaan hat sich für „Der Teufel steckt im Detail“ mit der Ischler Blumenthal-Villa beschäftigt. Die Marchtrenker Künstlerin Fariba Mosleh gestaltet am Ufer der Traun in Lauffen, wo eine mittlerweile 90-jährige Dame immer noch ihre Wäsche wäscht, eine Soundinstallation samt Performance („Flüster*Fluder“).

Hackbrett-Virtuosin Franziska Fleischanderl und Geiger Anton Burger stellen bei „Mozart auf der Alm“ auf der Kriemoos-Alm oberhalb von Goisern eine Verbindung zwischen regionaler Volksmusik und klassischen Kompositionen her. Klaus Maria Brandauer bestreitet in der Gosaumühle in Bad Ischl unter dem Titel „Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände“ einen literarisch-musikalischen Abend rund um Fritz Löhner-Beda. Der Operettenlibrettist wurde im KZ Auschwitz ermordet.

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