Analysten: Aktienmärkte derzeit sogar zu optimistisch

Nach massiven Abverkäufen im März im Zuge der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus haben sich die internationalen Aktienmärkte in den vergangenen zwei Wochen wieder merklich erholt. Für die Analysten des Vermögensverwalters Pictet Asset Management ist der Optimismus in Anbetracht der nach wie vor bestehenden Risiken derzeit aber etwas zu groß.

„Es gibt derzeit etwas zu viel Optimismus an den Märkten, verglichen mit zuvor, wo es etwas zu viel Pessimismus gab“, sagte Pictet-Analyst Luca Paolini am Mittwoch. Die aktuell positive Stimmung basiere vor allem auf den Annahmen, dass die Pandemie in vielen Ländern ihren Höhepunkt erreicht habe, die Wirtschaft ohnehin nicht mehr schlechter werden könnte, die Krise temporär sei und die staatlichen Maßnahmen helfen bzw. sogar weiter ausgebaut werden.

Das Schlimmste in der Coronakrise könnte laut aktuellen Infektionszahlen vorerst in der Tat vorüber sein – doch nun sei es umso entscheidender, wie sich die Situation weiter entwickelt. Einer nie da gewesenen Krise stünden nie da gewesene staatliche und geldpolitische Hilfen gegenüber. Die an den Aktienmärkten derzeit eingepreiste V-förmige Erholung sei jedoch möglicherweise zu hoch gegriffen. Es bestehe weiterhin das Risiko einer zweiten Infektionswelle. Potenzial für Enttäuschungen bei den Investoren bestehe außerdem in den derzeit noch zu hohen Erwartungen an die US-Berichtssaison, so der Analyst.

Auch die BIP-Schätzungen der Pictet-Analysten deuten zwar auf geringere Einbußen im Jahresverlauf hin, jedoch würde diese Erholung in einem langsameren Tempo erfolgen als derzeit an den Märkten erhofft. So rechnen die Analysten für das zweite Quartal 2020 mit einem weltweiten BIP-Rückgang zur Vorjahresperiode um 6,3 Prozent, kommen für das gesamte Jahr auf einen Rückgang beim Bruttoinlandsprodukt von 3,2 Prozent. Im Folgejahr 2021 rechnen Sie wieder mit einem BIP-Plus von 6,0 Prozent.

Für die Eurozone sehen die Analysten im zweiten Quartal einen scharfen BIP-Einbruch um knapp 11 Prozent, im Gesamtjahr schätzen sie das Minus auf 6,9 Prozent. Dafür dürfte es im Folgejahr 2021 mit dem BIP wieder um 3,5 Prozent nach oben gehen.

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