Thiem als Titelverteidiger im Wien-Viertelfinale out

Ein sehr starker Andrej Rublew, aber auch eine schmerzhafte Blase auf der rechten Sohle haben US-Open-Sieger Dominic Thiem schon im Wien-Viertelfinale das Aus beschert. Österreichs Tennis-Star konnte damit seinen Titel beim Erste Bank Open nicht erfolgreich verteidigen. Der 27-jährige Weltranglisten-Dritte unterlag am Freitag dem Russen nach 1:35 Stunden mit 6:7(5),2:6. Die Verletzung schwächte Thiem sichtlich ab Satz zwei.

“Ich habe schon seit der ersten Runde Probleme gehabt mit so einer Riesenblase am (rechten) Fußballen. Ich habe halt eigentlich immer Probleme, vor allem Indoor, vor allem der Belag ist sehr aggressiv für den Fußballen. Das ist generell eine Problemzone”, schilderte Thiem knapp 90 Minuten nach der Niederlage. Bei diesem Turnier habe er schon ab der ersten Runde Schwierigkeiten gehabt und am schlimmsten war es am Freitag. “Ich habe es schon beim Einspielen sehr stark gespürt und mit jedem Rutscher, jedem intensiven Ballwechsel ist es immer schlechter geworden”, gestand Thiem.

Darum war Freitagabend ein Start beim letzten Masters-1000-Turnier des Jahres in Paris-Bercy alles andere als sicher. Bis Samstag wollte Thiem noch entscheiden, ob er in Paris spielt oder aus dem Turnier rauszieht.

Grundsätzlich habe er schon sehr viel an diesem Problem gearbeitet und auch einiges verbessert. So werde der Fuß vor jedem Match dreilagig getaped. “Wir versuchen diese Hornhaut dort gering zu halten, arbeiten jeden Tag an dem Fuß.” Besonders auf dem rechten Fuß unter dem Fußballen herrsche “ein extremer Druck”. Grundsätzlich habe er diese Problematik das gesamte Jahr, “aber ich schaffe es halt, sie im Rahmen zu halten”. Auch bei seinem Wiener Titelgewinn im Vorjahr habe er im Semifinale und Finale Probleme gehabt. Und danach auch bei den ATP Finals. “In London habe ich es richtig arg gehabt. Dieser raue Plattenbelag ist quasi Gift für das.”

Paris-Bercy war eigentlich fix eingeplant. “Aber wenn der Fuß nicht schmerzfrei ist bis zur ersten Runde, macht das wenig Sinn dort, deshalb werde ich schauen, wie es sich über Nacht entwickelt”, erklärte Thiem.

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Das Match gegen Rublew ist deshalb sozusagen im Rückblick in zwei Phasen zu beurteilen. Denn das Duell der Nummern 3 und 8 der Welt war nur im ersten Satz hochklassig. Der dieses Jahr vierfache Turniersieger Rublew trifft am Samstag im Halbfinale auf den Wien-Sieger von 2018, den Südafrikaner Kevin Anderson, der zuvor überraschend den als Nummer vier gesetzten Russen Daniil Medwedew 6:4,7:6(5) eliminiert hatte.

Thiem blieb damit sein zweites Wien-Halbfinale im elften Antreten in der Stadthalle verwehrt. Seine 500 Zähler vom Vorjahres-Sieg bleiben ihm aber dank der Corona-Regelung für das ATP-Ranking noch in der Wertung. Sollte Thiem Paris auslassen, dann würde er sich ganz auf seine fünften ATP Finals en suite in London konzentrieren.

Rublew könnte sich für dieses “Masters” der acht besten Saisonspieler auch noch qualifizieren und hat am Freitag einen Schritt in diese Richtung gemacht. Im ungemein ausgeglichenen ersten Satz hatte nur Thiem im dritten Game zwei Breakbälle gegen den mit enormer Power spielenden Rublew, die dieser aber abwehrte. In der Folge hatte aber keiner der Rückschläger bis ins Tiebreak Break-Möglichkeiten. Als Rublew bei 3:2, Aufschlag Thiem ein 0:30 vorfand, konterte der Niederösterreicher in den nächsten vier Punkten mit drei Assen. Nach 46 Minuten musste das Tiebreak Satz eins entscheiden. In diesem ging es bis zum 4:4, ehe sich Rublew nach extrem intensiven Ballwechseln bei 6:4 zwei Satzbälle erarbeitete. Den zweiten nutzte der Russe nach fast einer Stunde zum 7:5. Es war die Vorentscheidung.

Rublew nahm den Schwung vom Satzgewinn gut mit, während Thiem bald darauf angeschlagen wirkte. Bei 1:1 wehrte er zunächst noch die ersten zwei Breakbälle Rublews im Match ab. Den dritten verwertete Rublew zum 2:1. Aus erwähnten Gründen leistete Thiem immer weniger Gegenwehr und musste auch zum 1:4 den Aufschlag abgeben. Vor enttäuschten tausend Zuschauern musste Thiem kurz darauf dem Gegner gratulieren.

Rublew steht ohne Satzverlust in der Runde der letzten vier: “Heute hatte ich Glück, dass Dominic Probleme mit dem Fuß hatte. Wir hatten so tolle Kämpfe in der Vergangenheit. Ich hoffe, dass er sich schnell erholt”, meinte der Russe, der Thiem als einen seiner besten Freunde auf der Tour bezeichnete, sportlich.

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