Andrea Camilleri: Das Nest der Schlangen (Lübbe Verlag)

Morde aufzuklären gehört für Commissario Montalbano zum Tagesgeschäft. Doch diesmal hat der kauzige Sizilianer wenig Verlangen nach Ermittlungen. „Denn jemanden hinter Gitter zu bringen, der einen unbescholtenen Menschen ermordet hatte, war das Eine.

Den Mörder eines gemeinen Schurken hinter Gitter zu bringen etwas ganz anderes“, räsoniert der Kommissar. In seinem aktuellen Fall stößt Montalbano auf „Das Nest der Schlangen“ und was er dort findet, lässt selbst Andrea Camilleris (93) routinierten Ermittler erschaudern. Bei dem „gemeinen Schurken“ handelt es sich um den Geschäftsmann Cosimo Barletta, der an einem Sonntagmorgen tot in seiner Villa gefunden wird.

Dass er ermordet wurde, ist klar. Und die Zahl der möglichen Verdächtigen ist groß. Barletta war nicht nur reich, sondern nämlich auch ein unangenehmer Zeitgenosse mit vielen Feinden. Mit diesem Fall begibt sich Camilleri wieder einmal in die Tiefen der menschlichen Psyche und konfrontiert den Leser mit einem schockierenden Szenario. Die Idylle der sizilianischen Landschaft, die schrägen Kollegen des Commissario und die Sticheleien mit seiner Dauer-Verlobten Livia können nicht darüber hinwegtäuschen: Das ist kein Krimi für empfindliche Gemüter.

Andrea Camilleri: „Das Nest der Schlangen: Commissario Montalbano ringt um Fassung“, aus dem Italienischen von Rita Seuß und Walter Kögler, Lübbe Verlag, 269 S., € 22,60