Andreas Etlinger: Brahms meets Bruckner

Eine der kostbaren Überraschungen auf dem CD-Markt ist die Aufnahme sämtlicher Orgelwerke von Johannes Brahms auf der Brucknerorgel in St. Florian mit Andreas Etlinger. Der Organist ist dort Zweiter Stiftskapellmeister und gefragter Professor am Linzer Diözesankonservatorium.

An das schmale Orgelwerk von Brahms von nicht mehr als 15 Stücken hat er sich auf Raten herangetastet. Etlinger hat die warm klingende Orgel technisch großartig im Griff und unterstreicht den meditativen Charakter der Werke durch breite Tempi und eine auf dichte Legati setzende Artikulation.

Sie entstanden ja alle aus der innigen wie tragischen Liebesbeziehung von Brahms zur älteren Clara Schumann. Die virtuosen Präludien und Fugen in a- und g-Moll aus 1856/57 orientieren sich an barocken Modellen wie die handwerklich souverän gearbeitete as-Moll-Fuge aus 1864.

Das Herz der CD bilden seine Bach nahen elf Choralvorspiele aus 1896, für die verstorbene Clara gedacht, aber dann deren Tochter übergeben und erst als op. 122 nach Brahms’ Tod veröffentlicht. Zu Lebzeiten gingen sich Brahms und Bruckner lieber aus dem Weg, in ihrer Genialität reichen sie sich die Hand.

Dieses bekannte Bild von Otto Böhler wollte Etlinger seiner Einspielung widmen. Es ist ihm großartig gelungen. Bruckners „Perger Präludium“ als Bonustrack erweist sich als dafür bestes Versöhnungsstück.

Hörprobe:

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