Andris Nelsons: Beethoven Complete Symphonies

Aus Anlass des nahen Beethovenjahres 2020 erschien bei Deutsche Grammophon der vollständige Zyklus aller Beethoven Symphonien auf 5 CD & Blu-ray Audio mit dem lettischen Dirigenten Andris Nelsons am Pult der Wiener Philharmoniker.

Wien spielte für Beethovens Entwicklung eine entscheidende Rolle. Als der 22-Jähriger hier 1792 eintraf, vernahm er Graf Waldsteins Worte „Nehmen Sie Mozarts Geist aus Haydns Händen“, was er in seiner „Ersten“ (skizziert 1794) noch kaum befolgte. Die in weiterer Folge von neuen Ideen kündende „Zweite“ und „Dritte“ (1802 und 1803/04) forderten Nelsons wenig zu einer subjektiven Auslegung, aber in der „Vierten“ sah schon Karajan Probleme bei Tempi oder Übergängen, um die melodische Eleganz und den lyrischen Charme der Sinfonie zu erzielen.

Nicht anders erging es Nelsons bei der „Fünften“, die von der Materie wenig losgelöst ist. Die „Sechste“ verbreitet dem Titel nach angenehme pastorale Stimmung. Das „Tänzerische“ in der „Siebenten“ meldet sich nur ansatzweise bei noch so kräftigen Klangfarben, die Nelsons gerne ins Spiel bringt. Und auch für die „Achte“ wurden schon weniger irritierende Lösungen gefunden. Zu guter Letzt noch das Opus Magnum aller Symphonien, die völkerverbindende, berührende „Neunte“, was konnte ihr Nelsons an Neuem abgewinnen? Kaum etwas mit seiner Interpretation, über der das Alleinstellungsmerkmal des Werkes steht.

Der inzwischen völlig ertaubte Beethoven schuf es und nur aus seiner Genialität ist das Tröstliche dieser Musik zu verstehen, diesmal vom Chor des Wiener Singvereins, einstudiert von Johannes Prinz, und den Solisten Camilla Nylund, Gerhild Romberger, Georg Zeppenfeld und Klaus Florian Vogt. Bei den Wiener Philharmonikern fallen diesmal besonders die Holzbläser auf.

Hörprobe:

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