„Anerkennung und Respekt gewonnen“

Nach kurzer Nacht saß Enttäuschung über dramatisches Aus gegen Besiktas weiter tief, herausragende Leistung macht dennoch Mut

Da war die Stimmung noch auf dem Höhepunkt: Dominik Frieser (r.) schoss den LASK Richtung Play-off.Am Ende sprach aus den Gesichtern der LASK-Akteure (Bilder: Florian Jamnig/l., Peter Michorl, Trainer Oliver Glasner) nur das blanke Entsetzen.
Da war die Stimmung noch auf dem Höhepunkt: Dominik Frieser (r.) schoss den LASK Richtung Play-off. © APA/EXPA/Eisenbauer APA/EXPA/Eisenbauer

Von Christoph Gaigg

„Fußball kann ein Scheißsport sein“, war Peter Michorl schwer gefrustet. „So grausam kann der Fußball sein“, rang selbst Trainer Oliver Glasner um Worte. Der Stachel der Enttäuschung saß tief beim LASK, nachdem der Traum von einer schwarz-weißen Sternstunde in der Europa-League-Quali gegen Besiktas in Minute 90 jäh geplatzt war. „Man soll als Trainer nie Schwäche zeigen, aber jetzt könnte ich weinen“, gab Glasner zu.

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„Das wird auch in zehn Jahren an uns nagen“

Die Nacht war für ihn, wohl ähnlich wie für die Spieler, wie erwartet kurz. „Um 0.00 Uhr hatten wir ganz kurz das erste erfreuliche Thema, den Geburtstag von Tormanntrainer Wolfgang Wimmer (53)“, schilderte der 43-Jährige. Gegen 3.30 Uhr sei er eingeschlafen, gegen 7.30 Uhr schon wieder aufgestanden, die Gedanken an die Mannschaft ließen ihn nicht los. „Das wird immer an uns nagen, auch in zehn Jahren.“

Doch bei aller Trauer über das verpasste Fußball-Märchen wurde der LASK-Trainer nicht müde, die fantastische Leistung seiner Schützlinge zu würdigen. Bis zur 90. Minute hatten die Linzer gegen den letztjährigen Achtelfinalisten der Champions League keine nennenswerte Chance zugelassen und brachten den 15-fachen türkischen Meister zur Verzweiflung. „Wir haben Dinge gewonnen, die man nicht kaufen kann: Respekt, Anerkennung und Wertschätzung über die Bundesgrenzen hinaus“, meinte Glasner.

LASK ist auf den Geschmack gekommen

Zumal die Linzer bei der Rückkehr auf die internationale Bühne drei von vier Europacupspielen gewonnen haben. Auch am Donnerstag, wenngleich es sich anders anfühlte. Glasner: „Wir haben gesehen, dass wir mit unserem Fußball international bestehen können und konkurrenzfähig sind.“

An die Atmosphäre könnten sich die Linzer jedenfalls gewöhnen. Knapp 14.000 Fans brachten die Gugl, ja man möchte meinen den ganzen Froschberg, zum Beben. „Wir haben Süßes geleckt, sind auf den Geschmack gekommen“, so der LASK-Betreuer, der überzeugt ist, dass seine Truppe gestärkt daraus hervorgeht: „Zum Lernen gehört auch dazu, dass man sich einmal die Finger verbrennt.“

Viel Lob vom Gegner

Von Lob fast überschüttet wurden die Oberösterreicher von den Besiktas-Stars. „Der LASK hat über seinen Möglichkeiten gespielt“, sagte Trainer Senol Günes. Verteidiger Pepe beglückwünschte Glasner zu „Pressing und Mentalität“ seiner Mannschaft. Und Jeremain Lens gab gegenüber James Holland zu: „Wir haben nicht mehr gewusst, was wir gegen euch machen sollen.“

Kein Seelentröster mehr für Rapid

„Gott sei Dank kommt Rapid diesmal mit einem Erfolgserlebnis“ — Glasner erinnert sich mit Schaudern an die Krisen der Hütteldorfer in der Vorsaison, die die Linzer stets beendeten. Tatsächlich hatten die Wiener in der Runde vor den Duellen mit den Schwarz-Weißen nie voll gepunktet, dann aber immer gewonnen. „Wir waren sehr gut zu Rapid, waren immer Seelentröster.“

Am Sonntag (17) soll in der TGW-Arena endlich der erste Sieg seit dem Bundesliga-Comeback her. Trotz des Nackenschlags gegen Besiktas. „Es ist keine Zeit für Niedergeschlagenheit. Das ist eine schöne Herausforderung“, sagte Glasner.

Freie Tage gibt’s für den LASK erst nächste Woche

Bereits am Freitagvormittag wurde wieder trainiert, erst Montag und Dienstag bekommt die Mannschaft frei, um einmal alles sacken zu lassen. „Wir hatten seit vier Wochen keinen freien Tag“, so der LASK-Trainer, der sich in Galgenhumor übte: „Wir sind so gut im Rhythmus, vielleicht machen wir am Donnerstag ein Freundschaftsspiel.“ Für den Hit gegen Rapid waren am Freitag noch einige hundert Stehplatztickets zu haben, der Sitzplatz war so gut wie ausverkauft.

Den Hütteldorfern fiel nach dem 4:0 gegen Slovan Bratislava ein Stein vom Herzen. Gefeierter Held war Matchwinner Christoph Knasmüllner, der die Grün-Weißen mit einem Dreierpack ins Play-off der Europa League schoss. „Wir haben ein ganz anderes Gesicht gezeigt, man hat am Platz gemerkt, dass die Spieler unbedingt wollten“, war auch Trainer Goran Djuricin erleichtert. Er sprach von der „vielleicht spektakulärsten“ Partie seiner Ära. In der nächsten Runde wartet nun Steaua Bukarest.