Angelika Stallhofer: Adrian oder: Die unzählbaren Dinge

Adrian und seine Freundin Anna sind beide Schreibende, und doch trennen sie Welten: Während Anna mit ihren Gedichten und Romanen ihre Leser verzaubert, erschafft Adrian als Werbetexter Charaktere, die zum Kauf von Autos oder Sportschuhen anregen sollen.

Und doch — oder gerade deshalb — bleibt es die Vielschichtigkeit der Worte, in denen sich das Paar gemeinsam häuslich eingerichtet hat. Doch als Adrian einen großen Auftrag annimmt, um die Rechnungen für das Altersheim seines Vaters begleichen zu können, gerät sein Leben aus den Fugen und Anna ist drauf und dran, ihm zu entgleiten. Angelika Stallhofer (35) hat mit „Adrian“ ein Debüt vorgelegt, das durch seine Liebe für die Zwischentöne überzeugt.

Als Adrian in ein „Smart Home“ zieht, um sich in die Welt seines Protagonisten Max Beier einzuleben, der das Haus an den Mann bringen soll, sind Annas Gedanken omnipräsent, reibt sich Adrian an ihrer Schöngeistigkeit im Angesicht seiner verzweifelten Position im Kapitalismuskarussell. Ausgerechnet in dem Haus, das mit „Sicherheit“ wirbt und in Wahrheit „Überwachung“ meint, fühlt sich Adrian unsicher wie lange nicht mehr.

Das Diktat der SmartWatch, der SmartWaage bis hin zum SmartKühlschrank lässt ihn halluzinieren. Stallhofer gelingt eine eindringliche Versuchsanordnung über die (nahe) Zukunft im digitalisierten Zeitalter, der sie eine liebevolle Beziehungsgeschichte zur Seite stellt, deren verspielte Intellektualität berührt.

Angelika Stallhofer: Adrian. Kremayr & Scheriau, 190 Seiten, 19,90 Euro,