Anika Decker: Wir von der anderen Seite

Die Leidensgeschichte der Protagonistin beginnt mit starken Nierenschmerzen, welche in der Notaufnahme jedoch nicht ernst genommen werden. Diese Ignoranz kostet sie beinahe das Leben. Es folgt eine schwere Erkrankung, die die junge Drehbuchautorin monatelang an das Krankenhausbett fesselt. Ähnlich hat es die Autorin Anika Decker selbst erlebt. Kurz nach ihrem Durchbruch mit dem Drehbuch für den Film „Keinohrhasen“ erkrankte sie schwer. „Wir müssen akzeptieren, dass wir jetzt auf der anderen Seite leben, wo wir auf uns aufpassen müssen, wo der Herzschlag gemessen wird und wo wir mit der Angst leben, dass wir es vielleicht nicht schaffen.“ Der zermürbende Klinikalltag wird haarklein beschrieben, die Autorin erspart einem hier kein noch so schmerzhaftes Detail. Das klingt wenig erbaulich. Nichtsdestotrotz wird das Ganze überraschend unterhaltsam durch ein Feuerwerk witziger, knochentrockener und selbstironischer Kommentare und Reflexionen, bei denen immer wieder Deckers komödiantisches Talent durchblitzt.
„Wir von der anderen Seite“ ist ein Mutmacherbuch. Wir erleben nicht nur die langsame Wiederauferstehung der Protagonistin, sondern auch ihre Emanzipation vom nichtswürdigen Partner und ausbeuterischen Filmboss. Alles in allem eine Mischung, die gut ankommen dürfte. sp
Anika Decker: Wir von der anderen Seite, Ulstein Verlag, 384 Seiten, 20,70 Euro

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