Anna Engl (+ 1620) — klein, zierlich und alles andere als gesund

Grabfund: Rätsel um geheiminisvolle Litzlbergerin ist gelöst

Restauratorin Susanne Heimel am Sarg von Anna Engl
Restauratorin Susanne Heimel am Sarg von Anna Engl © Andreas Röbl

Fast wie einen Kriminalfall inszeniert die OÖ Landes-Kultur GmbH ihre neueste Entdeckung und die Lösung der Rätsel rund um diese. Wer ist die geheimnisvolle Litzlbergerin, deren Gebeine man bei Grabungsarbeiten für ein Wohnhaus entdeckt hat? fragte man sich kürzlich noch öffentlich. Nun ist das Geheimnis um den spektakulären Grabfund in Litzlberg bei Seewalchen am Attersee gelüftet.

Die Handschrift des neuen Museumsschefs Alfred Weidinger wird hier schon kurz nach seinem Antritt sichtbar: Er will die Bevölkerung teilhaben lassen, zeigen, wie seine Leute arbeiten und damit Interesse wecken.

Neben den Gebeinen befand sich, wie berichtet, in dem gefundenen Metallsarg nicht nur ein weibliches Skelett, sondern auch die Kleidung der Toten, die die Forscher bereits gewisse Schlüsse ziehen ließ. Neben dem Metallsarg war auch eine zusammenklappbare Grabtafel aus Kupfer entdeckt worden.

Sie entpuppte sich nun als des Rätsels Lösung: Mit computertomografischen Untersuchungen an der FH OÖ Campus Wels wurde die Inschrift entziffert, die zweifelsfrei bestätigt, dass es sich bei der Verstorbenen um Anna Engl von Wagrain, geborene Furtin, handelt. Sie starb am 2. Juli 1620 im Alter von 46 oder 47 Jahren auf Schloss Litzlberg.

Sie litt an der „Krankheit der Könige“

Engl stammte ursprünglich aus Steyr und war die Tochter des kaiserlichen Rates und Vizedoms von Niederösterreich, Wolf Furth und Magdalene geb. Urkauf. Sie war klein, schön und durch ihre Ehe Mitglied einer wohlhabendenden Adelsfamilie. Ihr Porträt, wahrscheinlich ein Jahr vor ihrem Tod entstanden, ist Teil der Sammlung Spiegelfeld. Alleine der Fund ihrer sterblichen Überreste in der Nähe eines protestantischen Gebetshauses, das ihr Ehemann Simon Engl von Wagrain 1615 erbauen ließ, ist eine Sensation.

Anna Engl, geborene Furtin, Gattin des Simon Engl von und zu Wagrain
Anna Engl, geborene Furtin, Gattin des Simon Engl von und zu Wagrain ©Sammlung Spiegelfeld/Michael Maritsch

Die anthropologischen Untersuchungen liefern auch Informationen über die Lebensbedingungen in der frühen Neuzeit. Die nahezu kriminologische Untersuchung der Knochen hat ergeben, dass Engl etwa 155 cm groß und sehr zierlich war — und alles andere als gesund.

Schlechte Zahnpflege und Mundhygiene war im 17. Jahrhundert in allen Gesellschaftsschichten ein Problem, auch Anna Engl litt an Karies, eitrigen Wurzelabszessen und hatte dunklen Zahnbelag — auf den noch vorhandenen Zähnen, die Frontzähne des Oberkiefers hat sie bereits zu Lebzeiten verloren. Sie litt an Osteoporose, Gelenksarthrose und einem Verschleiß der Wirbelsäule. Ihre Hand- und Fußgelenke sind stark deformiert, ein Hinweis darauf, dass sie auch mit der Gicht zu kämpfen hatte. Diese „Krankheit der Könige“ war dem übermäßigen Verzehr von tierischen Eiweißen geschuldet. Die kräftigen Muskelansätze an ihren Oberarmen weisen darauf hin, dass sie längere Zeit dazu gezwungen war, an Krücken zu gehen. Gegen Lebensende konnte sie sich nicht mehr selbstständig fortbewegen.

Es bleibt auch weiterhin spannend

Ein offenes Rätsel ist noch der goldene Ring mit der Gravur „Leben an Christ“, den Anna Engl getragen hat. Dieses will man in Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Museum Wien lösen. Für die außergewöhnlich gut erhaltenen Gewänder der Toten interessieren sich internationale Textilexperten. Und dann ist da noch ein zweites, männliches Skelett, von dessen DNA-Untersuchungen man sich weitere Einblicke erhofft…

Ab 19. Mai werden in Containern die Zwischenergebnisse der Grabung, des Fundes, der Forschung und Restaurierung am Parkplatz des Strandbads Seewalchen gezeigt.

litzlberg.ooelkg.at

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